18.10.2004 Interview
"Wir sind nicht der Topfavorit"
Felix Krüger im Gespräch mit Dejan Raickovic
Felix Krüger: Hallo Dejan, in der letzten Saison warst du noch Stammspieler beim Fünften der Zweitliga-Abschlusstabelle. Warum ist diese erfolgreiche Zusammenarbeit nicht fortgesetzt worden?
Dejan Raickovic: Nun, eigentlich war ich mit dem Verein schon einig geworden, dass ich noch ein Jahr dort bleibe, auch mit meiner Familie war alles abgesprochen, denn das war schon ein Problem, immer von der Familie, die in Berlin lebt, getrennt zu sein. Aber dann hat man von Seite des Vereins aus unmittelbar vor der Unterschrift eine Änderung an meinem Vertrag vorgenommen, mit der ich nicht einverstanden war. Ich habe also nicht unterschrieben und damit war die Sache in Oberhausen vorbei.
Wie ist dann der Wechsel zu TeBe zustande gekommen?
Ich habe Theo Gries getroffen, als ich mir das A-Jugend-Spiel zwischen Tasmania und Hertha BSC angeguckt habe. Wir kennen uns ja schon aus Hannover, wo wir noch zusammen gespielt haben. Wir sind dann ins Gespräch gekommen. Der Trainer hat mir von seiner Arbeit hier erzählt und nachdem ich ohnehin nach Berlin zurück wollte und die Vertragsverlängerung in Oberhausen sich zerschlagen hatte, war das eine leichte Entscheidung für mich, wieder zu TeBe zu kommen.
Du warst ja schon zu Zweit- und Drittligazeiten bei TeBe. Was hat sich im Vergleich zu damals geändert?
Im Umfeld eine Menge. Damals hatten die Vereinsführung und der Hauptsponsor große Ziele, die sie koste es was es wolle erreichen wollten, was dann ja überhaupt nicht geklappt hat. Heute macht das Präsidium eine großartige Arbeit. Es wird mit sehr wenig Geld sehr viel bewegt. Was die Arbeitsbedingungen angeht, hat sich eigentlich nicht so viel geändert. Unten im Kabinentrakt sieht es noch fast genauso aus wie zu Zweitligazeiten. Nur die Situation mit den Trainingsplätzen ist nicht so toll. Früher konnten wir uns aussuchen: Bleiben wir hier oder trainieren wir auf dem Rasen am Olympiastadion? Heute müssen wir froh sein, wenn wir überhaupt auf Naturrasen trainieren können.
Zu den Bedingungen deines Wechsels zu TeBe gehört, dass du nach dem Ende deiner aktiven Laufbahn eine Aufgabe im Verein übernehmen kannst. Gibt es schon Absprachen oder Überlegungen, was für eine Position das sein wird?
Nein. Darüber mache ich mir jetzt auch keine Gedanken. Zunächst einmal bin ich hier noch als Spieler und so lange das so ist, werde ich mich zu hundert Prozent darauf konzentrieren. Was danach kommt, wird man sehen. Hier im Verein arbeiten Leute, mit denen man vernünftig reden kann und da wird sich, wenn es soweit ist, sicher gemeinsam eine Aufgabe für mich finden, bei der ich dem Verein helfen kann, indem ich etwas von meiner Erfahrung weiter gebe.
Die Frage nach deinem schönsten Fußballerlebnis hast du recht allgemein mit ‚mehrere’ beantwortet. Gibt es denn kein besonderes Highlight, an das du besonders gern zurück denkst?
Eigentlich nicht. Dazu habe ich einfach zu viel im Fußball erlebt. Sei es, dass ich als junger Spieler in Jugoslawien mit Spielern Davor Suker zusammen spielen konnte, die Teilnahme am UEFA-Cup mit Hannover 96, auch wenn wir dort mit Werder Bremen leider eine deutsche Mannschaft zugelost bekommen haben oder die deutsche Amateurmeisterschaft und der Aufstieg mit TeBe: Es gibt so viele schöne Momente, an die ich gerne zurück denke; ich kann da einfach keinen besonders herausheben.
Du trägst im Training und auch beim Spiel oft unterschiedliche Schuhe. Was hat es damit auf sich?
Ich trage am liebsten auf dem rechten Fuß einen Schuh mit Nockensohle, wegen des besseren Gefühls, während ich links auf dem Standbein für einen besseren Halt Stollen bevorzuge. Man hatte mir versprochen, mir meine Schuhe aus Oberhausen nachzuschicken, aber die sind wohl irgendwo verloren gegangen... Also trage ich jetzt rechts einen Nike-Schuh und links einen Schuh, den mir Scheini geliehen hat. Aber ich bekomme bald ein neues Paar, die dann auch wieder gleich aussehen.
Zum Schluss noch ein etwas kritische Frage: Auch du gehörst zu den Spielern, die offen sagen, dass sie in die Regionalliga aufsteigen wollen – und zwar möglichst in dieser Saison. Wie kommen dann Spiele wie gegen Schönberg oder die Füchse zustande, wo es nach einer deutlichen Führung versäumt wird, das Torverhältnis weiter auszubauen? Undenkbar ist es ja nicht, dass am Ende der Saison auch die Tordifferenz entscheidend sein könnte.
Wir haben manchmal noch das Problem, dass wir uns nicht als richtige Mannschaft präsentieren, sondern jeder das Spiel allein gewinnen will. So war es zum Beispiel auch gegen Schönberg, wo nach dem 5:0-Pausenstand jeder mit nach vorne gehen und etwas tolles zeigen wollte. Im Endeffekt hat dann gar nicht mehr viel geklappt. Natürlich haben wir auch andere Probleme, wie die bekannte Tatsache, dass viele Mannschaften gerade gegen uns immer mehr als normal motiviert sind, schwache Gegner, die sich nur hinten rein stellen und auf Konter lauern oder Schiedsrichter, die uns nicht besonders zugetan sind, aber im Grunde ist das ein Kopfproblem. Gegen Yesilyurt waren wir viel besser. Da haben wir zwar nicht immer brillant gespielt, aber uns 90 Minuten als Mannschaft präsentiert und darum gewonnen. Wir müssen die taktische Marschroute des Trainers beachten, und auf das hören was er sagt, denn er erkennt die Probleme sehr genau. Nur so können wir den Aufstieg schaffen. So lange uns das nicht gelingt, sind wir vielleicht die bestbesetzte Mannschaft in der Oberliga, aber nicht der Topfavorit.
Vielen Dank für das Gespräch, Dejan.







Trikot schwarz 2011/12