26.10.2004 Interview
Immer noch gegen den Favoriten
Hagen Liebing im Gespräch mit Theo Gries
Hagen Liebing: Herr Gries, sind sie erleichtert gewesen, dass Ihr Team das Spiel gegen Rathenow so gut über die Bühne gebracht hat, immerhin fand es ja bereits unter dem Eindruck der nahenden Partie gegen den bisherigen Spitzenreiter aus Babelsberg statt?
Theo Gries: Auf jeden Fall. Die Tabelle weist ja aus, dass Rathenow in den vorangegangenen acht Spielen nur elf Gegentore bekommen hat. Und auch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass wir im letzten Jahr beide Spiele gegen Rathenow verloren hatten, bin ich schon sehr froh, dass wir denen gleich vier Tore eingeschenkt haben.
Der Spielhergang glich grob gesehen der Partie in Reinickendorf, wo die Mannschaft in der ersten Halbzeit extrem aufgedreht hat, um es anschließend ruhig angehen zu lassen. Seinerzeit waren sie eher ungehalten.
In Reinickendorf war der Qualitätsabfall größer gewesen. Jetzt gegen Rathenow gab es natürlich auch ein zurückschrauben, aber nicht so extrem.
Haben sich die Spieler geschont?
Sicherlich auch. Peter Peschel und Daniel Petrowsky etwa haben in der Halbzeitpause angedeutet, dass es nicht über die volle Distanz geht. Da wollte ich die beiden natürlich nicht überlasten.
Dass das Spiel auch anschließend jederzeit unter Kontrolle blieb, zeigt doch immerhin, dass der Kader nun auch in der Breite funktioniert. Haben sie folglich beim Spiel in Babelsberg endlich einmal die Qual der Wahl bei der Aufstellung?
Ich hab zwar eine gewisse Vorstellung, wie ich in Babelsberg spielen werde, möchte das aber nicht an Namen festmachen. Nicht zuletzt auch, weil ich noch darauf hoffe, dass sich die Verletztenliste verringern wird. Gestern konnte Peter Peschel nicht mittrainieren, auch Daniel Scheinhardt nicht, und Dejan Raickovic hat wegen starker Kopfschmerzen pausiert...
Eine Folge des Zusammenstosses bei der Rathenow-Partie?
Nein, das hat er so nicht gesagt. Es kann auch die Auswirkung einer Grippe sein.
So was kommt immer mal vom einen auf den anderen Tag.
Wie sieht es mit Micha Fuß aus?
Er trägt auch noch seine Verletzung aus Wismar mit sich herum. Aber da hoffe ich natürlich, dass er spielen kann.
Zuletzt hatte Mustapha Turgut pausiert, war das schon in Hinsicht auf Babelsberg?
Er hat halt immer noch mit seiner Zerrung zu kämpfen. Es nutzt mir weder gegen Babelsberg, noch für die weiteren Spiele, wenn ich ihn zu früh wieder einsetze.
In den beiden Partien der vergangenen Saison gegen Babelsberg war Tennis Borussia jeweils der Underdog - hat sich die Situation jetzt geändert?
Wir haben uns ein bisschen angenähert, aber ich denke, dass Babelsberg vom Volumen der Mannschaft her, aber auch insgesamt, was den Verein betrifft, immer noch der Favorit ist. Auch durch das Heimspiel, durch die Unterstützung der Zuschauer denke ich, dass Babelsberg klarer Favorit bleibt. Allerdings gehen wir nicht in dieses Spiel und haken es einfach ab - das wollen wir natürlich schon positiv für uns gestalten. Nur muss man dabei den Gegner richtig einordnen.
Im Auswärtsvergleich mit Neuruppin haben zumindest die Borussen die Nase vorn: hier ein 3:1 Auswärtssieg, auf Babelsberger Seite nur ein glückliches Remis.
Neuruppin hat bärenstark gespielt und bereits zwei null geführt, die beiden Gegentore hätten eigentlich gar nicht sein müssen. Aber dazu muss man auch sagen, dass wir im Spiel bei Neuruppin zu Beginn der Saison auch ein bisschen Sahne hatten mit unserer cleveren Spielweise. In der heutigen Zeit gegen die zu gewinnen ist schon eine ganz schwere Aufgabe. Die Mannschaft ist noch besser geworden, als sie sich beim Spiel gegen uns präsentierte.
Aber dieses sukzessive Einspielen gilt ja im Grunde für beinahe jedes Team. Somit ist also das Niveau der Liga inzwischen allgemein angestiegen.
Das ist definitiv so. Glücklicherweise auch bei unserer Mannschaft. Das konnten wir gerade gegen Yesilyurt auch beweisen. Natürlich habe ich aber auch noch die beiden Spiele in Wismar und beim BFC Dynamo im Kopf. Die könnte ich rausstreichen, wenn wir jetzt die beiden nächsten Spiele gewinnen. Dann würde ich einen Haken dahinter machen.
Das wäre doch eine Form der Wiedergutmachung, die allen Borussen gefällt. Deshalb natürlich alles Gute für Freitagabend und vielen Dank für das Gespräch!







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