26.01.2005 Interview

Countdown zum Rückrundenstart

Hagen Liebing im Gespräch mit Theo Gries

Herr Gries, wenn man einmal von der Unwägbarkeit des Wetters absieht, läuft ja mittlerweile der Countdown zum Rückrundenstart. Wie schätzen Sie da die Vorbereitung ein, die sie mit ihrem Team absolviert haben?

Gries: Die Vorbereitungszeit verlief von den Abläufen her sehr gut. Aber das, was uns im letzten Jahr schon sehr häufig begleitet hat, die hohe Ausfallquote im Kader, also Erkrankungen, war extrem. Es betraf fünf Spieler. Dazu kamen noch verletzte Spieler wie Raickovic, der die Verletzung aus dem Cottbus-Spiel mit rüber genommen hat ins neue Jahr, dann Kostas Pantios mit einer Prellung im Halswirbelbereich – damit ist ja auch nicht zu spaßen. Auch Murat Tosun, der ja erst Mitte des Monats dazu gestoßen ist, leidet unter einem Handbruch. Das dauert noch drei bis vier Wochen, ehe er spielen kann. Da muss man einfach sehen, was der Arzt von der Belastbarkeit für machbar hält. Auch Teddy Yildiz hat sich beim Hallenturnier eine Bänderverletzung am Innenbad zugezogen. Er muss im Vorbereitungsbereich noch einiges machen.

Die Personalie Michael Fuß wird ja bis zum Ende der Wechselperiode am 31. Januar als ungeklärt gelten...

Gries: Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass da aus Cottbus nichts mehr kommt. Das waren auch Signale aus dem Cottbuser Umfeld – und ich wäre zufrieden, wenn’s denn auch so eintrifft. Ich bin davon überzeugt, dass er bleibt.

Haben die Diskussionen um seinen möglichen Wechsel denn die Vorbereitung in irgendeiner Weise beeinträchtigt?

Gries: Nein, für mich nicht.

Was gibt es zu den Neuzugängen Tosun und Özdemir zu sagen, die mit Teddy Yildiz gemeinsam von Türkiyemspor zu uns gestoßen sind?

Gries: Der einzige Neuzugang, der ohne einen Ausfall die komplette Vorbereitung mitmachen konnte, war Ümut Tosun und er hat auch in den Spielen immer Einsatzbereitschaft gezeigt. Der Ali-Emra hatte eine Viruserkrankung und konnte deshalb nicht spielen und ist im Moment erst zu 50 Prozent fit.

Wie weit lässt sich da jetzt schon sagen, ob uns diese Verstärkungen in der Rückrunde weiter bringen können?

Gries: Ohne bereits Wettkampfspiele gemacht zu haben muss ich sagen: der Eindruck ist erst mal positiv, und das muss sich jetzt im Wettkampf noch bestätigen. Da möchte ich aber nicht zuviel Vorschusslorbeeren verteilen, denn es muss auch so sein, dass die gesamte Rückrunde ein absoluter Konkurrenzkampf wird, der wirklich dann die Spieler auch so zu Leistungen treibt, dass es für die Mannschaft dann auch immer zu einem positiven Ergebnis führt.

In der Breite scheint die Mannschaft doch aber nun – im Gegensatz zum Saisonstart- verstärkt worden zu sein.

Gries: Wenn sie denn fit sind, stimmt das auf jeden Fall.

Die Rückkehr von Peter Peschel steht aber weiterhin aus...

Gries; Der Peter war am 12. Januar in Basel gewesen, hat sich noch einmal von einem Spezialisten untersuche lassen, ist bis Ende Februar aus dem Mannschaftstraining noch raus und macht Reha-Training, und dann muss man natürlich sehen, wie es dann für ihn unter Belastung aussieht. Bei Achillessehnenverletzungen ist das eine ganz schwierige Sache.

Wir können dem Wettergott dankbar sein, dass das Pokalviertelfinale am letzten Sonntag früh genug angesetzt wurde, so dass man vom Schnee gänzlich unbehelligt blieb. Auch vor dem Hintergrund, dass sie bislang relativ wenig Testspiele bestreiten konnten, muss das doch eine wichtige Leistungsüberprüfung gewesen sein, oder?

Gries: Es war absolut wichtig. Aber das wichtigste war wirklich, dass wir dieses Spiel positiv für uns gestalten. So fahrlässig ranzugehen, dass man so etwas nur als Vorbereitungsspiel bewertet, das kann ich nicht machen. Das hätte der Gegner auch gar nicht verdient, der sich bis zum Viertelfinale durchgekämpft hat, mit guten Ergebnissen, auch gegen Verbandsligamannschaften. Das bin ich nicht halbherzig angegangen und habe auch im Nachhinein im Gespräch mit dem Trainer des SC Staaken erfahren, dass er in Leipzig war und dort Spielsequenzen aufgenommen hat. Und wenn man sieht, wie akribisch sich ein Bezirksligist auf solch eine Partie vorbereitet, dann will ich das meinen Spielern auch klarmachen, damit sie erkennen, dass sich auch andere intensiv vorbereiten und es nicht so ist, dass die Spieler von Tennis Borussia den Fußball erfunden haben. Das ist für mich eine hilfreiche Geschichte, die ich sicher auch für das nächste Pokalspiel anwenden werde. Das sollte ein Gedankenanstoß für meine Spieler sein.

Mit dem Spiel an sich dürften sie doch aber zufrieden gewesen sein.

Gries: Mit dem Spiel war ich absolut zufrieden, die Disziplin war gut, wir haben die Taktik kurz vor dem Spiel noch mal geändert. Wir wollten eigentlich über schnelles Kurzpassspiel und geduldigen Spielaufbau zum Erfolg kommen, aber nach der Platzbegehung war das hinfällig, weil der Platz sehr knubbelig und angefroren war. So haben wir viele lange Bälle ins Zentrum gespielt, wo der Ibo Türkkan mit seiner Kopfballqualität viele Bälle weiterleiten oder selbst verwandeln konnte. Und man hat es ja auch gesehen, es hat zum Erfolg geführt. Ich bin froh dass die Mannschaft über die ganzen neunzig Minuten den Zug hatte, das Spiel gut und diszipliniert runterzuspielen.

Ibo Türkkan hat bereits gegen Tasmania seine drei Tore gemacht, nun wieder drei – hat da einer zu seiner Rolle gefunden?

Gries: Natürlich, drei Treffer gegen Tasmania oder auch im Pokal, das gibt dem Jungen natürlich auch Selbstvertrauen.

Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Lichtenberg-Spiel. Was erwarten sie von der Rückrunde?

Gries: Die ersten vier Wochen sind schon sehr entscheidend. Ich hoffe, dass die Mannschaft das genauso im Kopf hat, dass sie sich schon in der Vorbereitung ausreichend auf den Gegner einstellt und nicht erst kurz vor dem Spiel. Das erwarte ich von meinen Spielern noch als Verbesserung, denn da hatten wir in der Hinrunde noch Defizite.

Und gegen Lichtenberg am Samstag?

Gries: Die Lichtenberger spielen heute Abend noch gegen Luckenwalde, wir haben sie auch gegen den SCC testen gesehen und der Udo Richter hat sie gegen Magdeburg beobachtet. Ich erwarte eine kampfbetonte, sehr defensiv eingestellte Lichtenberger Mannschaft, die kämpft, die knüppelt, die ums Überleben kämpft, bin aber optimistisch, dass meine Spieler wissen, was sie da erwartet und dass wir deshalb auch eine gute, erfolgreiche Leistung abliefern werden.

Viel Erfolg für dieses Spiel und die gesamte Rückrunde Herr Gries, und vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.

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