20.04.2006 Interview

Die TeBe-WG

Felix Krüger im Gespräch mit Stanko Galic, Paulo C. Perez

Felix Krüger: Hallo ihr beiden. Heute wollen wir den Fans mit euch einmal zwei der Neuzugänge aus der Winterpause vorstellen. Fangen wir mal mit dir an, Paulo: Du bist Argentinier, auf dem Spielberichtsbogen wirst du aber als Italiener geführt. Was hat es damit auf sich?

Paulo Cesar Perez: Mein Großvater mütterlicherseits kam aus Italien, daher habe ich auch die italienische Staatsangehörigkeit erwerben können. In Rafaela, wo ich geboren bin, gibt es viele Familien italienischer Abstammung, in denen zum Teil auch heute noch Italienisch gesprochen wird, aber auch viele Deutschstämmige. Daher sind auch Namen wie Schumacher, Schneider oder Schmidt recht häufig und es gibt viele Blonde und Blauäugige bei uns. Rafaela selbst wurde auch von einem Deutschen gegründet, der Lehmann hieß, also wie der deutsche Nationalmannschaftstorwart, und die Stadt nach seiner Frau benannt hat. Wir haben auch ein Denkmal von ihm. Ungefähr 50 Kilometer weiter gibt es auch noch eine zweite von ihm gegründete Stadt, die Lehmann heißt.

Wie groß sind diese Städte?

PCP: Rafaela hat ungefähr 100.000 Einwohner, Lehmann ist eine Kleinstadt mit etwa 30.000 Leuten.

Zu dem italienischen Verein, bei dem du einmal gespielt hast, habe ich bei einer großen Internetsuchmaschine zumindest auf den ersten Blick keine brauchbaren Informationen gefunden. In welcher Liga war das denn – C1, C2...?

PCP: Nein, das war darunter, bei den ‚dilettanti’...

...was wörtlich übersetzt ‚Amateure’ bedeutet. Sind das denn auch echte Amateure?

PCP: Nein, reine Amateure sind das auch nicht, es ist so ähnlich wie hier in der Oberliga. Sinnai ist ein Ort auf Sardinien. Allerdings war ich dort auch nicht so sehr der sportlichen Herausforderung wegen, sondern weil ich zur Klärung einiger Formalien im Zusammenhang mit meiner Staatsangehörigkeit einige Zeit in Italien verbringen musste.

Stanko, Dein Geburtsort Mostar hat es durch den Krieg zu trauriger Berühmtheit gebracht. Ist deine Familie wegen des Krieges nach Deutschland gekommen und wie alt warst du da?

Stanko Galic: Ja, ich bin mit meiner Mutter vor dem Krieg geflohen, mein Vater ist unten geblieben. Ich war acht, als wir hier her kamen. Das war schon richtig schlimm, was da abging, schon bevor der Krieg ausgebrochen ist. Zum Glück habe ich vom Krieg selbst dann nicht mehr viel mitgekriegt. Hier habe ich am Bodensee gelebt, später sind wir zurück gegangen und ich habe dort erst in der B- und A-Jugend und im Anschluss dann in der bosnischen 1. Liga und auch in der U21-Auswahl Bosniens gespielt.

Du stammst aber aus einer kroatischen Familie. War das kein Problem?

SG: Nein, ich hatte die Möglichkeit, dort zu spielen und habe die natürlich auch wahrgenommen. Schließlich kann man da gut auf sich aufmerksam machen. Immerhin haben wir dann ja auch in einem Freundschaftsspiel einmal die deutsche U21 mit 5:1 geschlagen, in der Leute wie Kuranyi oder Lahm oder Jones mitgespielt haben. Das Video von dem Spiel habe ich immer noch. Meinen bosnischen Pass habe ich allerdings inzwischen zurückgegeben und bin nur noch kroatischer Staatsbürger.

Bevor du zu uns gekommen bist, hast du in Uerdingen gespielt. Auch so ein Verein mit bekanntem Namen aber recht bescheidener Gegenwart...

SG: Ja, das war schon traurig, was da passiert ist. Wir sind mit einem guten Team in die Saison gestartet, aber nach einer Weile ist es dort das Chaos ausgebrochen. Es gab kein Geld mehr und auch im ganzen Umfeld ging es drunter und drüber. Die haben auch nach der Winterpause soweit ich weiß kein Spiel mehr gewonnen und müssen aufpassen, dass sie nicht noch in die Verbandsliga absteigen. Ich bin wirklich froh, hier bei TeBe gelandet zu sein, denn hier läuft bislang alles bestens.

Ihr wohnt auch beide in Wohnungen unseres neuen Sponsors, der BBWO 1892, in Spandau, richtig?

SG: Ja, das stimmt. Das ist schon eine tolle Sache. Wir wohnen da im selben Haus, aber jeder hat ein eigenes kleines Apartment. So treffen wir uns abends mal bei dem einen, mal bei dem anderen, kochen und essen oft zusammen oder gucken Champions League. Es ist auch immer jemand da, mit dem man mal einen Kaffee trinken und quatschen kann, wenn man irgendein Problem hat. In Uerdingen war das nicht so schön, da haben die meisten Spieler in Köln oder Düsseldorf gewohnt, während mir in meiner Wohnung in Krefeld oft die Decke auf den Kopf gefallen ist.

Sportlich läuft es für euch beide hier bislang recht unterschiedlich. Du, Paulo, hättest dir sicher etwas mehr Spielzeit gewünscht. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass du bislang nicht so zum Zuge kommst?

PCP: Nun, zunächst einmal spielt mit Jens Eckl jemand auf der linken Abwehrseite, der seine Sache einfach mal richtig gut macht. Allerdings spielen wir momentan auch mit einer Dreier-Abwehr und meine Position ist eigentlich linker Außenverteidiger in einer Viererkette.

Du hingegen, Stanko, bist in fast jedem Spiel dabei und hast dich mit deinem ebenso schönen wie wichtigen Tor in Lichterfelde auch schon richtig beliebt bei den Fans gemacht...

SG: Ja, das war schon ein tolles Ding. Ich hatte ja nach einer Zerrung zwei Spiele nicht mitmachen können und war noch gar nicht wieder ganz fit. Ehrlich gesagt war ich zu dem Zeitpunkt schon völlig platt. Da kam auf einmal dieser schnell ausgeführte Freistoß von Petry (Daniel Petrowsky) bei mir an und ich bin einfach losgerannt, ohne nachzudenken. Ich weiß wirklich nicht, wo diesen Sprint noch hergenommen habe, aber dann da auf einmal diese Lücke und ich habe einfach draufgehalten.

Dieser Tage ist die Vertragsverlängerung von Nenad Vuckovic bekannt geworden. Seid ihr denn auch nächste Saison noch bei uns?

SG: Ja. Wir haben im Winter Verträge über anderthalb Jahre plus Option auf eine weitere Saison im Falle des Regionalliga-Aufstiegs unterschrieben.

Eine letzte Frage an dich, Paulo: Als Lieblingsmusik hast du Carlos Gardel genannt. Ich kenne ihn nicht und wahrscheinlich geht es vielen anderen TeBe-Fans genauso. Klär uns mal auf!

PCP: Carlos Gardel war einer der ersten großen Tango-Sänger Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich höre durchaus auch andere Musik und habe CDs von Oasis, den Beatles oder den Stones. Aber Zuhause lege ich gerne mal eine Platte von ihm auf und denke an meine Heimat.

Paulo, Stanko, danke für das Gespräch.

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