29.08.2009 Interview

Sag niemals nie!

Robert von Radetzky im Gespräch mit Felix Below

RvR: Du bist ja mit Timo Hampf der dienstälteste Spieler bei TeBe. Erzähl doch noch einmal kurz, wie und warum du zu TeBe gekommen bist.

FB: Ich bin nach der Saison 2004/05 von Union zu TeBe gewechselt. Dort war ich zwar mit 20 Spielen in meiner ersten Saison in der ersten Mannschaft mehr oder weniger Stammspieler, ich kam aber mit dem damaligen Trainer Frank Lieberam nicht so zurecht wie man es sich vielleicht wünscht. Ursprünglich hatte ich vor zu bleiben, aber man vermittelte mir dann über ein deutlich abgeschwächtes zweites Angebot - das für mich nicht annehmbar war - dass man nicht so mit mir plant wie in der Saison davor.

Viele Union-Fans denken bis heute, dass ich wegen des Geldes zu TeBe gewechselt bin. Dem war aber nicht so. Ich musste schlicht und ergreifend einfach meine Miete bezahlen. Deswegen habe ich mich dann nach Alternativen umgeschaut, die auch gewisse sportliche Ambitionen haben sollten. Weg aus Berlin wollte ich nicht. Deswegen fiel die Entscheidung zwischen TeBe und dem BFC, meinem Jugendverein. Ich habe mich dann für Tebe entschieden, weil das sozusagen der schwierige Weg war. Beim BFC hätte ich das meiste gekannt. TeBe war dagegen unbekanntes Terrain.

Mit Beginn der neuen Saison bist du Mannschaftskaptän. Bist du von der Mannschaft gewählt worden oder hat dich der Trainer bestimmt?

Der Trainer hat der Mannschaft vier Namen zur Wahl gestellt aus denen diese dann den Kapitän gewählt hat.

Das ist ja eine ziemlich deutliche Aufwertung. Am Anfang der letzten Saison hast du ja nicht zur Stammformation gehört. Wie kam es dazu, dass du den Platz dort zurückerobern konntest?

Im Fußball ist es immer wichtig Geduld zu haben. Es gibt Phasen, in denen man aus vielerlei Gründen nicht zum Einsatz kommt. Weil andere an gewissen Punkten, wie bei mir in der Vorbereitung auf die letzte Saison, vielleicht besser waren oder wie in meinem Fall auch, weil eine Mannschaft einfach Erfolg hat und man dementsprechend schlechte Karten auf einen kurzfristigen Wechsel der Formation hat. In diesem Fall hat man dann auch keine Argumente und muss die Situation einfach so akzeptieren wie sie ist. Ich muss zugeben, dass es am Anfang ziemlich schwer war, in jedem Training trotzdem Gas zu geben, im großen und ganzen habe ich mich aber davon nicht herunterziehen lassen und mich im Training weiter reingehängt. Geholfen haben mir dabei auch Gespräche mit dem Trainer, der mich darauf hingewiesen hat, dass Fußball oftmals nur eine Momentaufnahme ist. Und an dieser Stelle kommt dann wieder die Geduld ins Spiel, auch wenn diese manchmal eine halbe Saison halten muss.

Gab es in der Vergangenheit, und gerade zu Ende der letzten Saison, nicht Angebote von höherklassigen Vereinen? Warum hast du dich entschieden, bei TeBe zu bleiben?

Mit Angeboten ist das immer so eine Sache. Wenn man wie ich keinen Berater hat, ist es ziemlich schwer mit Vereinen ins Gespräch zu kommen. Sicherlich gab es die eine oder andere Anfrage, aber im Endeffekt war für mich klar, dass ich auch wegen meines Studiums in Berlin bleiben möchte. Grundsätzlich war es auch so, dass ich bei TeBe bleiben wollte, weil wir endlich den Aufstieg geschafft hatten und ich mich für diesen Erfolg dann auch eine Liga höher belohnen wollte. Die Regionalliga ist ja im Vergleich zur Oberliga schon eine andere Welt und ich bin froh, dass wir diesen Schritt geschafft haben. Außerdem ist es ja auch so, dass es einem, je länger man bei einem Verein ist, auch immer schwerer fällt zu wechseln, weil einem vieles, oftmals auch Personen, ans Herz gewachsen sind, mit denen man weiter zu tun haben möchte.

Wenn ich richtig informiert bin, bist du Student. Was studierst du eigentlich, welchen Berufswunsch hast du?

Ja das ist richtig. Ich studiere jetzt im 7. Fachsemester im Monomasterstudiengang Sport an der HU Berlin. Ich hatte ursprünglich ein Lehramtsstudium in der Kombination Sport/Geschichte begonnen, dann aber festgestellt, dass ich kein Lehrer werden möchte. Einen konkreten Berufswunsch habe ich eigentlich noch gar nicht. Für mich ist aber klar, dass es etwas mit Sport zu tun haben wird. Ob dies als Trainer oder in anderen Bereichen sein wird, muss sich noch zeigen.

Wie siehst du deine persönliche Zukunft als Fußballer, was möchtest du noch erreichen?

Über meine Zukunft als Fußballer habe ich mir eigentlich noch nicht so viele Gedanken gemacht. Grundsätzlich bin ich mit der jetzigen Situation sehr zufrieden und möchte zunächst mal mit TeBe den Klassenerhalt schaffen und dabei ein tragende Rolle spielen. Alles weiter hängt dann natürlich auch vom Abschluss meines Studiums ab,der für mich oberste Priorität hat, und den ich in zwei Jahren geschafft haben möchte. Das bedeutet dementsprechend auch, dass ich auf jeden Fall bis dahin in Berlin bleiben werde. Wobei man ja mit solch kategorischen Aussagen immer aufpassen muss. Aber so ist zumindest der Plan. Ich verfolge nicht mehr unbedingt das große Ziel, noch Profi zu werden oder ähnliches. Man soll zwar nie nie sagen, aber im Endeffekt ist emit zunehmenden Alter auch immer schwerer dort reinzurutschen.

Zurück zur aktuellen sportlichen Situation: Wie sind aus deiner Sicht die ersten drei Spiele zu bewerten. Schlaglichter? Oder eine Tendenz?

Ich denke zunächst einmal, dass wir mit diesem Saison-Start zumindest von den Ergebnissen her absolut zufrieden sein können. Ich bin der Meinung, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern und uns als Mannschaft immer stabiler präsentieren konnten, was grundsätzlich erstmal ein gutes Zeichen ist. Das Spiel gegen Rostock spiegelt dies leider nicht im Ergebnis wider, obwohl wir dort einen Sieg oder etwas zählbares vielleicht mehr verdient hatten als gegen Türkiyem. Aber in dieser Liga werden Fehler nunmal anders bestraft als in der Oberliga. Für eine Tendenz ist es noch zu früh. Wir haben aber nun gesehen, dass wir mit der entsprechenden Arbeitseinstellung in dieser Liga Siege erringen und Punkte sammeln können. Wo wir letztendlich leistungsmäßig stehen, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Es werden sicher noch Gegner kommen, die uns auch unsere Grenzen sehr deutlich aufzeigen werden. Aber wichtig ist, wie gesagt, erst einmal die Erkenntnis mithalten und in dieser Liga bestehen zu können, was aber keine Garantie dafür ist, dies auch dauerhaft in Punkte ummünzen zu können.

Wie schätzt Du unseren heutigen Gegner, Wilhelmshaven, ein?

Wilhelmshaven hatte wie wir auch einen größeren personellen Umbruch zu überstehen. Insofern ist eine konkrete Einschätzung schwer. Der Saisonstart der Wilhelmshavener ist rein von den Punkten her missglückt. Man sollte aber nicht versuchen, daraus irgendwelche Konstellationen für das heutige Spiel abzuleiten. Ich denke, dass es wiederum ein Spiel wird, in dem beide Mannschaften ungefähr dasselbe Niveau haben und in dem Kleinigkeiten über den Ausgang entscheiden.

Wo steht TeBe am Ende der Saison?

Oberhalb der Abstiegsplätze.

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