Wenn das Schicksal zuschlägt

Vom Eichkamp nach Alanya – Beese verlässt Berlin

Der folgende Artikel ist erschienen in der Fußball-Woche Nr. 17/2019:

„Ich bin Lila-Weiß“, sagt Andreas Beese über sich – und wer will ihm widersprechen? Seit 32 Jahren ist er Mitglied bei Tennis Borussia. Unzählige Jugendspieler hat der 58-Jährige bei den Veilchen vom Rohdiamanten zum Juwel geschliffen. TeBe-Mitglied wird Beese weiterhin bleiben, U15-Trainer nicht. Der Ur-Berliner geht im Sommer zu Alanyaspor in die Türkei und wird dort Trainer in der internationalen Jugendakademie. Ein Zufall ist das laut Beese nicht. „Ich glaube das ist Schicksal“, so der Trainerroutinier – und auch da mag man ihm nicht widersprechen.

Vor etwas mehr als einem Jahr begleitete Beese das Männerteam von TeBe ins Trainingslager nach Side. Gemeinsam mit einem Trainerkollegen machte er damals einen Tagesausflug nach Alanya. „Als ich die Stadt gesehen habe“, erinnert sich Beese, „dachte ich mir nur: ‚hier will ich leben‘.“ Vorerst blieb es bei dem Gedanken. Im vergangenen Oktober dann aus heiterem Himmel die Anfrage von Alanyaspor: der türkische Profi-Club suchte einen deutschen Jugendtrainer. Beese stellte sich in der Türkei vor; er passte perfekt ins Profil des Vereins. Im Februar ging er mit seiner U15 zum Trainingslager nach Alanya, wurde dort beobachtet – und unterzeichnete noch vor Ort den Vertrag.
Ende Juni beginnt seine nächste Mission – eine komplett Neue. „Internationale Erfahrung hat mir bisher gefehlt“, so Beese. Zunächst übernimmt er keine Mannschaft in Alanya, wird erstmal nur beobachten und versuchen, sich zu integrieren. Die ersten zwei Monate ist er zur Probe dort. „Wenn‘s nicht passt, bleib ich da wohnen“, ist sich Beese sicher. „Ich will da meinen Lebensabend verbringen.“ Der erste Integrationsschritt ist schon gelungen – Beese hat bereits einen Spitznamen in der Türkei: Alanya-Andy.
An der türkischen Riviera darf man sich auf 43 Jahre geballte Jugendfußball-Erfahrung freuen. Mit 15 Jahren trainierte Beese bei Rapide Wedding seine erste Jugend-Mannschaft. Zwischenzeitlich betreute er auch beim BFV und beim SC Staaken Jugendspieler. Zwischen 2010 und 2015 war Beese als Scout für die TSG Hoffenheim aktiv. In all der Zeit haben mehr als 30 Spieler den Weg aus seiner fußballerischen Obhut in den Profifußball gefunden. Darunter die Kovac-Brüder, Jérôme Boateng oder Maximilian Philipp. Das Trainer-Handwerk hat Beese bei internationalen wie lokalen Größen erlernt. In den 90ern hospitierte er bei Arsène Wenger und Foppe de Haan; Jörg Schmidt (VfB Hermsdorf) war sein Mentor in jungen Jahren.
Bei all seinen Stationen und Hospitationen hat Beese viel beobachtet, er hat einen kritischen Blick entwickelt. Besonders argwöhnisch schaut er auf die derzeitige Entwicklung im deutschen Jugendfußball. „Mir fehlt der rote Faden“, bemängelt Beese. Der Trainer kritisiert die Fokussierung auf Taktik und Ergebnisse, während technische Fähigkeiten und individuelle Qualitäten vernachlässigt würden. „Es muss um die Ausbildung gehen“, fordert Beese. „Ergebnisse sind sekundär.“ Er würde den Jugendfußball gerne reformieren. „Keine Liga-Wettbewerbe bis zur U17 und dafür Turnierformen mit vielen Spielen und Ballkontakten für die Kinder“, lautet sein Vorschlag. Beeses Ideen schließen sich den Reformen im bayerischen Jugendfußball an. Er würde bis zur D-Jugend im Vier-Gegen-Vier spielen lassen. Der frühe Abstiegs- und Leistungsdruck sei fatal für die Kinder, der deutsche Fußball kranke daran.
Sicher ist: Andreas Beese wird die Entwicklung des deutschen Jugendfußballs in der Türkei weiterverfolgen. Er verspricht: „Ich bin der ewige Student des Fußballs und werde der ewige Student des Fußballs bleiben.“ Autor: Sascha Hagemann

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