{"id":149,"date":"2011-03-27T17:47:25","date_gmt":"2011-03-27T16:47:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=149"},"modified":"2012-06-06T22:18:41","modified_gmt":"2012-06-06T21:18:41","slug":"das-repraesentativ-dilemma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/das-repraesentativ-dilemma\/","title":{"rendered":"Das Repr\u00e4sentativ-Dilemma"},"content":{"rendered":"<p>Es war die hei\u00dfe Phase im Kampf um die Teilnahme an der Finalrunde um die Berliner Meisterschaft. Das Ziel schien zum Greifen nah. Auf den Dauerrivalen Hertha fehlte ein Punkt.<\/p>\n<p><strong>Bu\u00dftag, 17. November 1926<\/strong>.<\/p>\n<p>Der Verband hat zehn Tennis Borussen zu so genannten <em>Repr\u00e4sentativspielen<\/em> abgestellt. Zu Spielen der Stadtauswahl also. Gleich zwei Spiele an einem Tag!<\/p>\n<p>In Hamburg spielten: Sch\u00f6nherr, Brunke, Eschenlohr, Lux, Martwig. Schumann als Reserve.<\/p>\n<p>Gegen S\u00fcdschweden traten an: Gl\u00e4ser, Hoffmann und Raue.<\/p>\n<p>Schr\u00f6der, der ebenfalls abbestellt war, musste verletzungsbedingt absagen.<\/p>\n<p>Hamburg &#8211; Berlin: eine katastrophale Klatsche. 7:4.<\/p>\n<p>Berlin &#8211; S\u00fcdschweden: 1:0.<\/p>\n<p><strong>Totensonntag, 21. November 1926<\/strong><\/p>\n<p>Der Gegner hei\u00dft Vorw\u00e4rts aus Tempelhof. Der Platz ist klein und miserabel. Vorw\u00e4rts hoch motiviert. Es ist Joseph, genannt &#8222;Sepp&#8220; Herbergers Einstand in den lila-wei\u00dfen Farben. Brunke mit Show-Einlagen. Herberger entt\u00e4uscht auf ganzer Linie. So sehr, dass TeBe-Coach Nerz sich berufen f\u00fchlt, die Verpflichtung seines Sch\u00fctzlings zu verteidigen:<\/p>\n<blockquote><p>Ich kenne Herberger. Solche Spiele liegen ihm nicht. Der schlechte Platz, die kleinen Ma\u00dfe und das scharfe Spiel sind alles Umst\u00e4nde, die ihn an der Entfaltung seines K\u00f6nnens sehr behinderten. Au\u00dferdem stand er in einer ihm immer noch ziemlich fremden Mannschaft. Ihn nach seiner heutigen Leistung beurteilen zu wollen, w\u00e4re ebenso verfehlt, wie es falsch ist, auf einen Mann allzu gro\u00dfes Gewicht \u00fcberhaupt zu legen. Unsere Mannschaft muss im ganzen anders werden, sonst wird sich auch Herberger nutzlos verbrauchen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vorw\u00e4rts gewinnt verdient 3:1.<\/p>\n<p><em>Bu\u00dftag und Totensonntag! Nomen est omen!<\/em><\/p>\n<p>Beim Berliner Tennis-Club &#8222;Borussia&#8220; f\u00fchlte man sich hintergangen. Angesichts der Belastung durch die Repr\u00e4sentativspiele nur vier Tage vor einem derart wichtigen Verbandsspiel hatten die Veilchen beim Verband den Antrag eingereicht, das Match gegen Vorw\u00e4rts zu verschieben. Daf\u00fcr gab es zun\u00e4chst gr\u00fcnes Licht.<\/p>\n<blockquote><p>Man wollte h\u00f6heren Ortes aber erst die Folgen des Bu\u00dftagkampfes abwarten. Wir haben sie doppelt zu sp\u00fcren bekommen, denn als wir zwei Tage vor dem Vorw\u00e4rtstreffen unseren Antrag aufrechterhielten, stellte sich der Verband taub, er lehnte den vorher als berechtigt angesprochenen Antrag mit der Begr\u00fcndung ab, dass unsere Spieler keine Verletzungen nachgewiesen h\u00e4tten. Zu zweit[sic!] verloren wir das Spiel gegen Vorw\u00e4rts, weil unsere Spieler eine Form an den Tag legten, die die Sch\u00e4rfe der Bu\u00dftagsk\u00e4mpfe noch klar erkennen lie\u00df.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tennis Borussia beantragte die Revision der Verbandsentscheidung. Und als man in der Interessengemeinschaft der Verbandsligavereine die Veilchen zwingen wollte, in dieser Sache gegen die eigenen Interessen zu stimmen, trat TeBe kurzerhand aus. Dabei hatten die Lila-Wei\u00dfen gewichtige Argumente. Denn in den Jahren 1924 bis 1926 hatten in 28 Repr\u00e4sentativspielen 94 mal Tennis-Borussen die Berliner Farben vertreten. So viele Auswahlspieler hatte kein anderer Verein gestellt.<\/p>\n<div id=\"attachment_150\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-150\" class=\"size-full wp-image-150 \" title=\"Repr\u00e4sentativspiele\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Repraesentativspiele.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Repraesentativspiele.jpg 1344w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Repraesentativspiele-620x447.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Repraesentativspiele-1024x739.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><p id=\"caption-attachment-150\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbersicht der an Spielen der Berliner Stadtauswahl beteiligten Spieler - nach Vereinen - 1924 bis 1926. Club-Nachrichten vom Berliner Tennis-Club Borussia Nr. 1, 1927. S. 5.<\/p><\/div>\n<p>Der Verband befand sich in einem Dilemma. Die Spiele der Berliner Stadtauswahl waren die einzige Einnahmequelle des notorischen klammen VBB. Nat\u00fcrlich setzte man auf die besten Pferde im Stall. Und Tennis Borussen hatten sich bew\u00e4hrt. Nicht zuletzt in den <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/sport\/art272,1957612\">\u00e4u\u00dferst heiklen Aufeinandertreffen mit franz\u00f6sischen Mannschaften<\/a>.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gab der VBB der Revision statt. Das Vorw\u00e4rts Spiel wurde nicht gewertet. Von Hertha trennt Tennis nun nur noch ein Punkt. Ein zweites Mal trifft TeBe im Januar auf Vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>0:0! Immerhin.<\/p>\n<p><em>Lux spielte wie in alter Zeit, \u00fcberall zu finden, unerm\u00fcdlich, der 3. Verteidiger, der 6. St\u00fcrmer, und der scharfe Sch\u00fctze.<\/em><\/p>\n<p><em>Patrzek war gut und sicher.<\/em><\/p>\n<p>Auch in den kommenden Jahren klagen die Veilchen immer wieder \u00fcber die unausgewogene Belastung durch Repr\u00e4sentativspiele.<\/p>\n<div id=\"attachment_152\" style=\"width: 590px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-152\" class=\"size-full wp-image-152 \" title=\"Berlin - Schweiz: Patrzek\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Berlin_Schweiz_Patrzek.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Berlin_Schweiz_Patrzek.jpg 700w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Berlin_Schweiz_Patrzek-620x383.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><p id=\"caption-attachment-152\" class=\"wp-caption-text\">Die Berliner Stadtauswahl gegen die Zentralschweiz. Das Match endete 1:1. Foto: unbekannt, Archiv Buschbom<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war die hei\u00dfe Phase im Kampf um die Teilnahme an der Finalrunde um die Berliner Meisterschaft. Das Ziel schien zum Greifen nah. Auf den Dauerrivalen Hertha fehlte ein Punkt. Bu\u00dftag, 17. November 1926. Der Verband hat zehn Tennis Borussen zu so genannten Repr\u00e4sentativspielen abgestellt. Zu Spielen der Stadtauswahl also. 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