{"id":2038,"date":"2013-12-23T08:46:10","date_gmt":"2013-12-23T07:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=2038"},"modified":"2014-01-02T08:10:07","modified_gmt":"2014-01-02T07:10:07","slug":"mutmassungen-ueber-tennis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/mutmassungen-ueber-tennis\/","title":{"rendered":"Mutma\u00dfungen \u00fcber Tennis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die VBB-Meisterschaft 1931\/32<\/strong><\/p>\n<p>Aber Tennis ist immer als Zweiter \u00fcber die Gerade gegangen.<\/p>\n<p>Von 1925 an gelingt den Lila-Wei\u00dfen drei Jahre lang nur die Vizeabteilungsmeisterschaft, 1925 hinter Alemannia, und 1926 und 1927 hatten die Veilchen das Pech, in der zweigleisigen Berliner Oberliga in einer Abteilung mit Hertha\u00a0 BSC anzutreten. Anders in den Folgejahren, in denen TeBe auch prompt jeweils souver\u00e4n Abteilungsmeister wird.<\/p>\n<p>In den Finals um die Berliner Meisterschaft treten die Abteilungsmeister gegeneinander an. F\u00fcr die Veilchen enden diese Spiele 1927\/28 als Zweiter. 1928\/29: Zweiter. 1929\/30: Zweiter. 1930\/31 wird der Modus ge\u00e4ndert, es spielen nun die beiden Abteilungsmeister, der Berliner Pokalsieger und der Pommersche Meister um die VBB-Meisterschaft. Ergebnis f\u00fcr die Lila-Wei\u00dfen: Zweiter. F\u00fcnf Jahre Kampf gegen Hertha um die Vorherrschaft im Berliner Fu\u00dfball. F\u00fcnf Jahre setzt es in den entscheidenden Spielen gegen die Konkurrenten aus dem Wedding Niederlagen.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre: Zweiter.<\/p>\n<p>Nun aber. In einer bis zuletzt packenden Spielzeit 1931\/32 erringt TeBe die Abteilungsmeisterschaft. Aber die Veilchen hatten sich bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag f\u00fcr die Teilnahme in der Endrunde um die VBB-Meisterschaft qualifiziert, nachdem Wacker im Pokalfinale 6:0 deklassiert werden konnte. In der Endrunde stehen Minerva 93, der Stettiner SC und Tennis als Abteilungsmeister und Pokalsieger.<\/p>\n<p>In vier Spielen ungeschlagen werden die Lila-Wei\u00dfen endlich, endlich VBB-Meister. Ausrufezeichen! Ausrufezeichen?<\/p>\n<p>In all den Jahren zuvor waren die Spiele um die Meisterschaft in aller Ausf\u00fchrlichkeit von den Club-Nachrichten gew\u00fcrdigt worden. Vorberichterstattung, seitenlange Spielberichte, ausf\u00fchrliche Zitate aus der Presse, Nachberichterstattung einschlie\u00dflich der <i>gesellschaftlichen<\/i> Umst\u00e4nde, also Anekdotisches\u00a0 rund um An- und Abreise, Bewirtung und das Miteinander mit den gegnerischen Vereinen vor und nach den Spielen sowie Berichte \u00fcber die Feierlichkeiten des Vereins. Texte, die \u00fcber zwei, drei Ausgaben stets mehrere Seiten der Vereinszeitschrift f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Und im Fr\u00fchjahr 1932? Der gr\u00f6\u00dfte Erfolg der Vereinsgeschichte wird in Ausgabe 5 &amp; 6, 1932, vom Vorsitzenden Dr. Otto Kuttner mit sechs S\u00e4tzen gerade einmal annotiert. Und die Spielberichte von Cheftrainer Herberger? Ein ansonsten belangloses Freundschaftsspiel gegen Hertha vom 9.4. wird von ihm immerhin auf rund einer dreiviertel Seite gew\u00fcrdigt; die erste Meisterschaftsbegegnung gegen Minerva ist ihm hingegen mit ganzen sieben S\u00e4tzen (einschlie\u00dflich der Aufstellung!) nicht einmal ein F\u00fcnftel des Raumes wert, das erste Aufeinandertreffen mit dem Stettiner SC nicht einen einzigen Satz.<\/p>\n<p>Diese disparate Berichterstattung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Denn kaum kann der Verlauf der VBB-Meisterschaft 1931\/32 auf dieser Grundlage auch nur ann\u00e4hernd befriedigend gekl\u00e4rt werden. Liegt es an der <a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/reichlich-pech-aber-auch-etwas-unvermogen\/\">notorischen Schreibfaulheit von Sepp Herberger<\/a>, dessen Berichtswesen w\u00e4hrend seiner Zeit als Trainer bei Tennis Borussia mit dem Adjektiv \u201espr\u00f6de\u201c nicht einmal euphemistisch umschrieben w\u00e4re? Wohl kaum. Die Tennis Borussen konnten auf eine breite Basis an Stammautoren im unmittelbaren Umfeld zur\u00fcckgreifen, deren ausf\u00fchrlichen und teilweise \u00fcberaus blumigen Texte wie in kaum einem anderen Verein dieser Tage das sportliche und soziale Leben der Veilchen fassbar machen. Vereinsgr\u00fcnder Lesser etwa, Vereinsarzt Wisotzki, und der amtierende 2. Vorsitzende Jacques Karp, um nur einige zu nennen. Daneben tummelte sich im weiteren Vereinsumfeld eine Reihe an Edelfedern, auf deren schreibfreudige Unterst\u00fctzung die Club-Nachrichten gerne und regelm\u00e4\u00dfig zur\u00fcckgriffen. Reichstrainer Otto Nerz beispielsweise oder der Journalist und DFB-Funktion\u00e4r Carl Koppehel griffen auch nach ihrer aktiven Zeit bei Tennis Borussia immer wieder zum lila-wei\u00dfen Bleistift.<\/p>\n<p>In der Weimarer Republik macht sich seit geraumer Zeit d\u00fcsterste Endzeitstimmung breit. T\u00e4glich berichtet (nicht nur) die b\u00fcrgerliche Presse von den gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf alle, die den Nazis gegen den Strich gehen. Kaum vergeht ein Tag in diesem Fr\u00fchjahr 1932, an dem etwa die Berliner Morgenpost nicht mit einem Anti-Nazi-Titel aufmacht. Aber nicht nur der Titel, das gesamte Blatt muss sich tagein, tagaus mit den gro\u00dfen politischen Frontstellungen besch\u00e4ftigen. Von den <em>L\u00fcgen der Nationalsozialisten<\/em>, berichtet eine eigene Rubrik, und stets m\u00fcssen aufs Neue Gewalttaten vermeldet werden. Am Donnerstag, den 15. April, drei Tage vor der zweiten Begegnung der Tennis Borussia mit Minerva, berichten die Zeitungen \u00fcber das Verbot der SA, erlassen von Reichskanzler Br\u00fcning wegen b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlicher Zust\u00e4nde. Und der Titel der gleichen Ausgabe der Morgenpost, in der die Berichterstattung zur letzten Meisterschaftsbegegnung zu finden ist, besch\u00e4ftigt sich mit einem feigen Angriff auf den sozialdemokratischen Abgeordneten Otto Wels und den K\u00f6lner Polizeipr\u00e4sidenten Bauknecht, ver\u00fcbt vom sp\u00e4teren Reichsleiter der NSDAP und Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Robert Ley.<\/p>\n<p>Ein tiefer Riss geht durch die instabile Republik, und die Auseinandersetzung findet ihren Niederschlag auch bei Tennis Borussia. Im Sport wird seit einem Jahrzehnt um die Frage nach dem Profitum gerungen, \u201eKommerzfu\u00dfball\u201c, w\u00fcrde man heute vielleicht sagen. Es ist keine Auseinandersetzung pro oder contra Nationalsozialismus, aber es ist ein Streit um die Rolle des Sports innerhalb der Gesellschaft \u2013 und damit um die Vorstellung \u00fcber Gesellschaft und Nation schlechthin. <a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/dissonanzen\/\">Schon Anfang 1930 hatten sich die beiden Funktion\u00e4re Otto Kuttner und Georg Michaelis tief zerworfen<\/a>. Die Auseinandersetzung um den bezahlten Sport wird bei TeBe durch die notorische Erfolglosigkeit im entscheidenden Moment versch\u00e4rft. Die Rolle der Tennis Borussen als ewige Zweite zehrt an den Nerven, und damit steht seit geraumer Zeit die Frage auf der Tagesordnung, ob und wie dem Erfolg auf die Spr\u00fcnge geholfen werden kann, ohne die <em>Ideale<\/em> des Sports oder des <em>Deutschtums<\/em> zu verraten. Aufgabe des Sportes sei es, schreibt unmittelbar im Vorfeld der Spiele um die VBB-Meisterschaft im M\u00e4rz \/ April 1932 der Vorsitzende Kuttner in seinen Jubil\u00e4umsbetrachtungen zum 30j\u00e4hrigen \u2013 Aufgabe des Sports sei es also, <em>die Jugend zu gefestigten und wohldisziplinierten M\u00e4nnern<\/em> zu erziehen und so einen Beitrag zum <em>Aufstieg und Wiedererwachen unseres teuren Vaterlandes<\/em> zu leisten. Solche Auffassungen, die vehement auf Disziplin\u00a0 und Unterordnung im Dienste des Volkes setzen, stehen im Widerspruch zur Orientierung an famili\u00e4ren Leitbildern und freundschaftlicher Verbundenheit im Club, denen sich andere Borussen verpflichtet f\u00fchlen. Die <em>Borussen-Familie<\/em> solle ihre Jugend zum Ausgleich von Gegens\u00e4tzen erziehen, hei\u00dft es etwa 1925. <em>Kampf und Ehrgeiz sind Eigenschaften eines t\u00fcchtigen Sportmannes. Diese sollen wir aber nicht zu missbr\u00e4uchlichen Dingen ausn\u00fctzen.<\/em> In die Jugend <em>die Saat des Hasses zu streuen, ist der gr\u00f6\u00dfte Verrat, den man an ihr aus\u00fcbt.<\/em> Ein Text aus der Feder von Ernst Ro\u00dfkopf, der um 1910 in der 1. Herren auflief, forderte 1928 strenge politische (und konfessionelle) Neutralit\u00e4t. <em>Auch soll ein Sportsverein vern\u00fcnftigerweise nicht fanatisch national gef\u00fchrt werden. Internationale Beziehungen, mit W\u00fcrde gepflegt, vermitteln die verschiedenen Kulturen, f\u00f6rdern das gegenseitige V\u00f6lkerverstehen und damit den notwendigen V\u00f6lkerfrieden.<\/em><i> <\/i>Beide Seiten konnten sich auf die Formel einigen, nach der die Jugend die <em>Zukunft des Vaterlands<\/em> sei, die auch in den b\u00fcrgerlichen Milieus zum guten Ton geh\u00f6rte. Aber sp\u00e4testens die Forderung von 1925, der Vereinsjugend sei Gelegenheit zu geben, sich <i>im <\/i><em>parlamentarischen Sprachgebrauch<\/em> zu \u00fcben, ist nicht mehr in Einklang zu bringen mit jener vom November 1931 (wohl aus der Feder des Cheftrainers Herberger), <em>sich unterzuordnen unter den Willen eines Einzelnen, des <strong>F\u00fchrers<\/strong><\/em> (Hervorhebung im Original). Sport k\u00f6nne dazu erziehen, die <em>Pers\u00f6nlichkeit schweigend zur\u00fccktreten zu lassen hinter den Gedanken der Gemeinschaft und sich im Dienste gro\u00dfer Ideen unterzuordnen. Das ist die Disziplin des Lebens, die wir im Sport sehr wohl erlernen k\u00f6nnen.<\/em><i> <\/i>Michaelis und Kuttner rauften sich wieder zusammen, beide \u00fcberlebten den Nazi-Terror in der Emigration. So illustriert der Streit um die (sport)politisch-ideologische Ausrichtung des Vereins und die Rolle des Sports, der vor dem eskalierenden politischen Zeitgeschehen Anfang der 1930er Jahre nur umso heftiger ausgetragen wurde, die Tragik des B\u00fcrgertums in Deutschland. Die eine Seite f\u00fchlte sich Toleranz, V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und republikanischen Werten verbunden, glaubte aber, mit der Verpflichtung auf politische Neutralit\u00e4t dem erzieherischen Auftrag Gen\u00fcge zu tun. Die andere Seite vermochte das terroristische Potential der Forderung nicht zu erkennen, nach der die Pers\u00f6nlichkeit sich in der Gemeinschaft gleichsam aufzul\u00f6sen und unter den Willen eines Einzelnen unterzuordnen habe.<\/p>\n<p>Profisport zerst\u00f6re die Gemeinschaft, indem er durch seine Orientierung an Materialismus und Egoismus ihre Ideale vergifte, war seit Jahren das Credo der Verfechter vom Amateursport. Diese Vorstellung erhielt durch die auch 1932 ungebrochen anhaltenden Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zus\u00e4tzlich Brisanz. Unter den 24.800 Zuschauern, die w\u00e4hrend der VBB-Meisterschaft das Auftaktspiel der Veilchen gegen Minerva 93 sehen wollten, waren 1.000 Sch\u00fcler auf Freikarten, weitere 4.000 Sch\u00fcler kamen mit verbilligten Karten auf den Herthaplatz, und 11.000 Erwerbslose erwarben ebenfalls verbilligte Tickets. Neben den Mitgliedsbeitr\u00e4gen, die aber bei einem kleinen Verein wie Tennis Borussia tendenziell marginal waren (403 Mitglieder im November 1927), geh\u00f6rten die Zuschauereinnahmen zu den zentralen Einnahmequellen der Sportvereine. Sanken sie, r\u00fchrte das rasch an der Existenz der Vereine. Ein Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte war die Saison 1921\/22, als die Erste Herren erstmals seit 1914 aus der h\u00f6chsten Berliner Spielklasse abgestiegen waren. Zwar gelang unmittelbar in der n\u00e4chsten Saison der Wiederaufstieg, aber das Jahr 1923 bescherte mit seiner Hyperinflation der Weimarer Republik zugleich eine unerh\u00f6rte Wirtschaftskrise, deren Folgen die Sportvereine noch einige Jahre besch\u00e4ftigen sollten. Von den 209 erwachsenen Mitgliedern Ende 1923 waren rund 80 Mitglieder erst seit 1922 im Verein, und allein 1923 standen dem 100 Austritte gegen\u00fcber. Davon war die H\u00e4lfte wegen wiederholt ausbleibender Mitgliedsbeitr\u00e4ge ausgeschlossen worden. Im letzten Quartal 1923 konnten gar nur zehn Mitglieder ihren Beitrag in H\u00f6he von 1,50 RM aufbringen, in der ganzen Saison 1924\/25 kamen nicht einmal 5 % der Mitglieder ihren finanziellen Verpflichtungen nach. Mitgliedern, die durch Arbeitslosigkeit nicht zahlen konnten, wurde in der Regel der Beitrag gestundet.<\/p>\n<p>Anfang Januar 1925 war f\u00fcr den Verein ein Rekordtief erreicht (150 erwachsene Mitglieder, 100 jugendliche). Selbst in wirtschaftlich ruhigerem Fahrwasser \u00e4nderte sich der starke Austausch kaum: So waren etwa von 58 Herren, die 1924 ihren Eintritt erkl\u00e4rt hatten, nur noch 21 in der Mitgliederlisteliste von 1927 vertreten. Das lag auch an der Arbeitslosigkeit, von der auch die Mitglieder der Tennis Borussia stark betroffen waren. In den Clubnachrichten kam es daher zu vielen Solidarit\u00e4tsaufrufen, so 1926:<\/p>\n<blockquote><p>Vereinskameraden! Denkt bei Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften zuerst an die arbeitslosen Vereinsmitglieder. Vermittlung \u00fcbernimmt gern die Vereinsgesch\u00e4ftsstelle, bei der auch erwerbslose Klubmitglieder vertrauensvoll nachfragen k\u00f6nnen. Der Vereinsvorstand.<\/p><\/blockquote>\n<p>In diesen unruhigen Fahrwassern entwickeln die Verantwortlichen eine Strategie, die sich bald als Erfolgskurs erweist. Sportlich lockt man eine Reihe an erfahrenen Spielern aus dem ganzen Land nach Berlin, Herrmann Lux etwa, der sportliche Meriten bei Union 08 Kiel gesammelt hatte und um den auch die Unioner aus Obersch\u00f6neweide buhlten, Otto Martwig, der von Schwaben Augsburg ebenfalls \u00fcber Union Obersch\u00f6neweide bei den Veilchen zu voller Bl\u00fcte trieb, Albert Eschenlohr (u. a. Bayern M\u00fcnchen) oder Konrad Patrzek, <em>der beste Torwart, den wir je hatten<\/em> (Otto Wiese). Ein Vereins-, vor allem aber ein Ortswechsel stellt die Spieler vor einen gravierenden Einschnitt. Gelingt es am neuen Wohnort das t\u00e4glich Brot zu verdienen, wo doch die galoppierende Geldentwertung und Arbeitslosigkeit allgegenw\u00e4rtig sind? Wie schwierig die Entscheidung ist, zeigt das Beispiel Otto Martwigs. Er \u2013 von Beruf Kaufmann \u2013 findet 1924 \u00fcber Union Obersch\u00f6nweide von Schwaben Augsburg seinen Weg zu TeBe, tritt kurz nach seinem Eintritt wieder aus, um wiederum wenige Wochen danach bei TeBe seine Mitgliedschaft zu erkl\u00e4ren. Gelderwerb durch den Sport ist nicht nur offiziell verboten. Denn die hoch ideologisierte Debatte um den unantastbaren Amateurstatus stellt alle Beteiligten aus den Vereinen und die Sportler vor ein Dilemma. Ist es moralisch vertretbar, das Verbot zu verw\u00e4ssern? Die Verantwortlichen bei den Veilchen wissen: sportlich attraktive Spieler gewinnt man nur, wenn sie in allen Fragen die volle Unterst\u00fctzung durch den Verein erhalten, und so finden eine Reihe namhafter Spieler einen Lebensunterhalt bei wohlhabenden Mitgliedern des Clubs. Allen voran Sepp Herberger, der eine Anstellung im Bankhaus von Georg Michaelis und Max Berglas erhalten hatte. Zugleich bieten die Lila-Wei\u00dfen ein in Fu\u00dfballdeutschland wohl einmaliges Umfeld. Trainiert werden die Veilchen auf der H\u00f6he der sportwissenschaftlichen Erkenntnis von professionellen Trainern aus dem Umfeld der Deutschen Hochschule f\u00fcr Leibes\u00fcbungen, es gibt zwei Vereins\u00e4rzte, ein <em>Propagandaausschuss<\/em> besorgt<i> <\/i>\u00a0die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und alles l\u00e4uft in den H\u00e4nden eines bezahlten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers zusammen (sein Gehalt erhielt er nach heftigen internen Debatten aus der Privatschatulle vom Vereinsgr\u00fcnder Lesser und dem Bankier Ernst Salinger). Das aber ist das <em>verkappte Berufsspielertum<\/em>, f\u00fcr das <em>Seppl<\/em> bereits 1921 w\u00e4hrend seiner Zeit beim VfR Mannheim vom S\u00fcddeutschen Fu\u00dfballverband ausgesperrt worden war. Der Druck, der auf den Spielern und Entscheidungstr\u00e4gern lastet, ist gro\u00df, denn einen Sturm der Entr\u00fcstung erntet so sicher wie das Amen in der Kirche, wer als (Semi-)Profi geoutet wird. <a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/auch-eine-tradition\/\">Mit bei\u00dfendem Sarkasmus kommentiert Willi Braubach in der Festschrift zum 25j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um die belastende Situation<\/a>. <em>M\u00f6glichst viel Vereine mit m\u00f6glichst wenig Mitgliedern und m\u00f6glichst hohen Schulden ist hier der Grundsatz<\/em> der Verfechter des Amateurgedankens, allen voran des DFB.<\/p>\n<p><div id=\"attachment_2059\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Heini-Schmidt.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2059\" class=\"size-medium wp-image-2059\" alt=\"Leistungsttr\u00e4ger aus der Vereinsjugend: Heini Schmidt.\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Heini-Schmidt-620x973.jpg\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Heini-Schmidt-620x973.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Heini-Schmidt-63x100.jpg 63w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Heini-Schmidt.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2059\" class=\"wp-caption-text\">Leistungsttr\u00e4ger aus der Vereinsjugend: Heini Schmidt. Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>Die sportlich hoch entwickelten Strukturen tragen auch bei der Ausbildung der Jugend Fr\u00fcchte, die sich rasch zur zweiten S\u00e4ule f\u00fcr die Rekrutierung herausragender Fu\u00dfballer entwickelt. Hanne Brunke, Heinz Emmerich, der <em>kleene<\/em> Uli Klaa\u00df, Heini Schmidt, die Br\u00fcder Raue, Hanne Schr\u00f6der, Viktor Katzer \u2013 dass aus dem Nachwuchs <em>so gute Spieler in unserer Mannschaft standen, gab uns ja die Gewissheit, dass trotz mancher Entt\u00e4uschung mit der Pflege der Jugend doch der richtige Weg gegeben war. Und es ist uns aus dem Beibehalten dieses Grundsatzes auch sp\u00e4terhin noch viel Freude geworden!<\/em><\/p>\n<p>Wirtschaftlich sind die Vereine existentiell auf die Zuschauereinnahmen angewiesen, und so entwickeln die Veilchen in Krisenzeiten schon fr\u00fch eine \u00dcberlebensstrategie, die auf das launische Interesse des Berliner Publikums zielt. Dank einer Reihe an <em>wohlhabenden Mitgliedern<\/em> und Funktion\u00e4ren mit besten Verbindungen gelingt es, beginnend mit der Wiener Hakoah im April 1924, einige der bekanntesten deutschen und internationalen Clubs f\u00fcr Freundschaftsspiele nach Berlin zu locken. In der spielfreien Zeit setzt eine rege Reiset\u00e4tigkeit von und nach Berlin ein, verst\u00e4rkt immer dann, wenn dem Verein finanziell das Wasser zum Hals steht. Strukturen f\u00fcr Fu\u00dfball auf h\u00f6chstem Niveau zu schaffen, schielt daher nicht allein auf das Interesse der Fans, sondern ist die Voraussetzung daf\u00fcr, gegen Mannschaften wie Hakoah Wien, Cardiff City, Corinthians FC, 1. FC N\u00fcrnberg, VfB Leipzig, HSV und viele andere mehr antreten zu d\u00fcrfen. Die Prominenz der Gegner wiederum ist ein verl\u00e4sslicher Zuschauermagnet, sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand.<\/p>\n<p>Dass die Veilchen im Fr\u00fchjahr 1932 wirtschaftlich die K\u00f6pfe h\u00e4ngen lassen, kann daher verl\u00e4sslich am Reiseprogramm abgelesen werden. Seit Beginn der Saison 1931\/32 treffen die Lila-Wei\u00dfen au\u00dferhalb des regul\u00e4ren Ligabetriebs auf Slavia Prag (9.8.31), Real Madrid (29.8.31),\u00a0 VfB Sportfreunde-Leipzig (11.10.31), 1860 M\u00fcnchen (18.11.31), \u00dajpest Budapest (10.01.32), Holstein-Kiel (13.3.32), 1860 M\u00fcnchen (Jubil\u00e4ums-Turnier, 26.3.32), Eintracht Frankfurt (Jubil\u00e4ums-Turnier, 27.3.32), Fortuna Magdeburg (28.3.32), Hertha BSC (9.4.32), VfB Stuttgart (1.5.32) sowie 1860 M\u00fcnchen am 2. Mai. Schon am 8. Mai trifft der frisch gebackene VBB-Meister gegen Viktoria Stolp in der Deutschen Meisterschaft den Ball (3:0 f\u00fcr die Borussen).<\/p>\n<p>In der gesamten Zeit zwischen dem 1. August 1931 und dem letzten Spiel um die Deutsche Meisterschaft (am 25. Mai 1932 gegen Fortuna D\u00fcsseldorf) hatte die Mannschaft sage und schreibe ganze zwei spielfreie Wochenenden gehabt (Samstag und Sonntag, 12. und 13. September 1931, sowie 2. und 3. Januar 1932), im Verlauf von insgesamt elf Wochen hatten die Ersten Herren hingegen je zweimal gegen den Ball treten m\u00fcssen, nicht selten an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Am Wochenende 26. und 27. M\u00e4rz absolvieren die Veilchen beispielsweise das Turnier zum 30j\u00e4hrigen Clubjubil\u00e4um, in dessen Verlauf sie auf 1860 M\u00fcnchen und die Frankfurter Eintracht treffen. Schon am folgenden Montag, den 28. M\u00e4rz, sitzt die Mannschaft im Zug nach Magdeburg, um ein <em>Gesellschaftsspiel<\/em> gegen die Fortuna Magdeburg auszutragen. Und bereits am n\u00e4chsten Sonntag, den 3. April, reisen die Lila-Wei\u00dfen nach Stettin zu ihrem richtungsweisenden zweiten Spiel um die VBB-Meisterschaft. Zu solch stramm gezurrten Programm kommt die <a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/das-repraesentativ-dilemma\/\">Belastung durch so genannte <em>Repr\u00e4sentativspiele<\/em><\/a>, also Spiele der Nationalmannschaft und vor allem der Berliner Auswahl; an sechs Spielen der Stadtmannschaft in diesem Zeitraum, die zus\u00e4tzlich zum normalen Programm zu absolvieren sind, wirken zw\u00f6lfmal Tennis Borussen mit. Doch es wird nicht nur gespielt. Trainiert werden die Borussen dienstags und donnerstags ab 18:00 Uhr, seit Januar 1932 ab 17:00 Uhr im Poststadion. Trainer Herberger gilt wie sein Mentor und Vorg\u00e4nger bei den Veilchen, Otto Nerz, als humorloser Schleifer, der insbesondere von den jungen Spielern gef\u00fcrchtet wird. <em>Und dann, meine Herre, laafe! Laafe m\u00fcsset sie! Und auf den freie Raum spiele, ins Loch nei spiele! <\/em>Fr\u00fch hatte Herberger den Tonfall und Habitus des Reichstrainers verinnerlicht. <em>Fu\u00dfball is koi Schildwach, Fu\u00dfball is ein Bewegungsspiel.<\/em><\/p>\n<p>Ein Riss geht durch die Tennis Borussia. Ihre liberalen Mitglieder, M\u00e4zene und Funktion\u00e4re, die Anfang, Mitte der 1920er Jahre die Weichen f\u00fcr den sportlichen Erfolg entscheidend gestellt hatten, stehen dem Kasernenhofton der sportlichen Funktionstr\u00e4ger gegen\u00fcber mit ihren v\u00f6lkisch inspirierten Vorstellungen von der Rolle des Sports f\u00fcr Volk und Vaterland. Diese Auseinandersetzung ist eingebettet in die ideologischen Debatten in der Weimarer Republik der fr\u00fchen 1930er Jahre, versch\u00e4rft wird sie durch die wirtschaftlich raue See, in der sich der Club seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 befindet. Das Schlimmste abzuwenden, hei\u00dft Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die jenen ein Dorn im Auge sind. Es ist eine Gratwanderung. Will man sportlich erfolgreich sein, um den Verein wirtschaftlich solide aufzustellen, m\u00fcssen Verpflichtungen eingegangen werden, <em>deren H\u00f6he in gar keinem Verh\u00e4ltnis zur finanziellen Leistungsf\u00e4higkeit der Vereine<\/em> steht, wie Willi Braubach bereits 1927 geklagt hatte. <em>Wir leben heute in einer Zeit, in der so viel von Rationalisierung gesprochen wird. Der Sportbewegung sind derartige Gedankeng\u00e4nge vollkommen fremd geblieben.<\/em> Rationalisierung ist im Sport als Profitum verp\u00f6nt, Rationalisierung gilt als Ausverkauf der <i>Seele <\/i>des deutschen Fu\u00dfballs. Der Hass fokussiert sich aufs Zerrbild vom <em>Berufsfu\u00dfballer<\/em>; er gilt im Sportbetrieb als der Vaterlandsverr\u00e4ter schlechthin. Zugleich diktiert das wirtschaftliche Prekariat, unter dem der Club und seine Mitglieder leben, den Sportlern ein gewaltiges Pensum. An Arbeit nebenher ist da kaum zu denken. Wer so lebt, richtet sein Leben am Fu\u00dfball aus: Der verhasste moderne Fu\u00dfball ist auch ein Ergebnis der wirtschaftlichen Not.<\/p>\n<p>Mutma\u00dfungen \u00fcber Tennis Borussia. Die Lila-Wei\u00dfen sind im Fr\u00fchjahr 1932 zu sehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt, um sich allzu sehr \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Erfolg ihrer Vereinsgeschichte freuen zu k\u00f6nnen. Hatte man die Br\u00fcche zuvor mit dem Verweis auf Freundschaft und <em>Borussenfamilie<\/em>, auf innere Verbundenheit und famili\u00e4re Verantwortlichkeit \u00fcbert\u00fcnchen k\u00f6nnen, ist der Ton nun sch\u00e4rfer geworden, die Nerven liegen blank. Ein Artikel in den Club-Nachrichten Nr. 3 \/ 4, 1932 appelliert noch einmal an die alten, liberalen <em>Borussen-Tugenden<\/em>. <em>Jugend in Not!<\/em>, klagt der Text, und wie nebenbei berichtet er davon, dass dem Club finanziell das Wasser zum Hals steht. Die Zeitl\u00e4ufe diktieren den Finanzgewaltigen erhebliche Sparma\u00dfnahmen, aber <em>Vereine, die angesichts der N\u00f6te der Zeit sich mit dem Gedanken tragen, den Jugendbetrieb ganz systematisch einzuschr\u00e4nken, schaufeln sich selbst und dar\u00fcber hinaus unserem Sport langsam, aber umso sicherer, das Grab<\/em>. Denn:<\/p>\n<blockquote><p>In der Bilanz, in der ideellen Bilanz eines Sportklubs geh\u00f6rt die Jugend, die den nun einmal nicht zu entbehrenden Nachwuchs stellt, auf die Seite der Aktiven. In unserer Zeit der Wirtschaftsprobleme ist dies der einzige Aktivposten, den keine \u201eNotverordnungsma\u00dfnahme\u201c und keine \u201eKapitalzusammenlegungen\u201c in seinem Werte herabmindern k\u00f6nnen. Wir haben also die doppelte Pflicht, uns diesem Wertposten mit besonderer Liebe und Sorgfalt zu widmen und d\u00fcrfen uns in keiner Weise zu Ma\u00dfnahmen verleiten lassen, die den Ertrag schm\u00e4lern oder mindern k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben\u00a0 dem Geld f\u00fcr den Jugendbetrieb fehle es besonders an ehrenamtlichem Engagement in den Jugendabteilungen, und es sind jene, die im kulturpessimistischen Duktus die Wurzellosigkeit und den <em>Wandertrieb<\/em> (den Vereinswechsel also) bei der Jugend beklagen, die es besonders an Einsatz f\u00fcr den Nachwuchs vermissen lassen. Denn ihre Klage \u00fcber fehlende Ideale der Jungen ger\u00e4t ihnen unter der Hand zur Begr\u00fcndung, sich nicht einsetzen zu m\u00fcssen: sie ist es nicht wert, diese Jugend, die es an Disziplin und Tugend vermissen l\u00e4sst. Um <em>Ordnung und Disziplin<\/em> aufrecht zu erhalten, um Vereinsbindung zu schaffen, bedarf es aber gerade in Zeiten, in denen die <em>Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen bezw. unter den Ern\u00e4hrern der Jugendlichen<\/em> besonders hart ausf\u00e4llt, anstelle von Kommissbelfereien liebevoller Aufmerksamkeit und eines <em>warmen Herz<\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>Soll sich doch hier die T\u00e4tigkeit der einzelnen Herren nicht auf das \u201eDabei-gewesen-sein\u201c beschr\u00e4nken, sondern Aufgaben erzieherischer und p\u00e4dagogischer Art sind in weitem Umfange zu erf\u00fcllen. Es wird daher verst\u00e4ndlich sein, dass eine Jugendleitung, die auf Ordnung und Disziplin in ihren Reihen h\u00e4lt, als Mitarbeiter gern solche Mitglieder z\u00e4hlen m\u00f6chte, die neben Fu\u00dfball-Wissen auch Lebenserfahrung und ein warmes Herz f\u00fcr die Jugend besitzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nein, am Jugendbetrieb darf nicht allzusehr gespart werden. Aber das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Die Club-Nachrichten vom Berliner Tennis-Club \u201eBorussia\u201c 1902 erscheinen seit Anfang 1931 nur noch in Doppelausgaben; auch das ein sicheres Indiz f\u00fcr den klammen Geldbeutel der Borussen, und so ist die sparsame Berichterstattung zum Sportbetrieb auch schlicht dem Raummangel geschuldet. Zumal mit dem 30j\u00e4hrigen Vereinsjubil\u00e4um ein Ereignis aus dem Borussenkalender einen zentralen Platz zugewiesen bekommt.<\/p>\n<p>Endzeitstimmung in der Weimarer Republik also. Aber gibt es neben Armut und Sorgen, neben den gro\u00dfen politischen K\u00e4mpfen und den clubinternen Auseinandersetzungen, neben dem ganz pragmatischen Platzmangel in den Vereinsnachrichten und dem Charakter des Berichterstatters Herberger nicht doch noch andere Gr\u00fcnde, warum der sportliche Erfolg, auf den die Borussen 30 lange Jahre hin gefiebert hatten, so wenig Bedeutung zugemessen bekommt?<\/p>\n<p><div id=\"attachment_2064\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Hanne-Schroeder.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2064\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Hanne-Schroeder-620x890.jpg\" alt=\"Anstatt die Meisterschaft zu feiern, finden die Club-Nachrichten Nr. 5 &amp; 6, 1932, die w\u00e4rmsten Worte f\u00fcr St\u00fcrmer-Ass Hanne Schr\u00f6der\" width=\"200\" class=\"size-medium wp-image-2064\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Hanne-Schroeder-620x890.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Hanne-Schroeder-69x100.jpg 69w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2013\/12\/Hanne-Schroeder.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2064\" class=\"wp-caption-text\">Anstatt die Meisterschaft zu feiern, finden die Club-Nachrichten Nr. 5 &#038; 6, 1932, die w\u00e4rmsten Worte f\u00fcr St\u00fcrmer-Ass Hanne Schr\u00f6der: &#8222;Und dieses Erhebende an Freundschaft gepaart mit Frohsinn und Humor. Ich glaube im Sinne aller Mitdabeigewesenen zu handeln, wenn ich hier den Namen eines unserer Getreuen f\u00fcr alle Zeiten festhalte. Ich k\u00f6nnte nat\u00fcrlich mehrere Namen nennen, aber jeder wird neidlos anerkennen und zugeben, dass es einen gab, der alle \u00fcberragte: unser lieber, treuer Hanne Schr\u00f6der. Habe Dank, mein Hanne, Du lieber treuer Junge! Unvergesslich werden uns allen die Stunden, die Tage und N\u00e4chte sein, w\u00e4hrend derer Du uns mit Deinem unsagbar guten und niemals verletzend wirkenden Humor die Tr\u00fcbsal der augenblicklichen Verh\u00e4ltnissehast vergessen lassen. Der Geist der Freundschaft und das Gef\u00fchl der Verbundenheit innerhalb der Mannschaft und auch zwischen den Mannschaften und ihren Betreuern ist tief!&#8220; Foto: Die Deutschen Nationalspieler. Kicker-Bilderwerk, Nr. 265, Hans Schr\u00f6der; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>Sportlich beginnt die VBB-Meisterschaft gro\u00dfartig. Sonntag, 20. M\u00e4rz 1932. <em>Fr\u00fchlings-Anfang \u2013<\/em> Borussen<em>-Freude.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich die Veilchen. Am ersten \u201eoffiziellen\u201c Fr\u00fchlingsanfang sollen die \u201eVeilchen\u201c nicht \u201ebl\u00fchen\u201c? Das w\u00e4re ja gelacht! Was die wenigsten erwarteten und die meisten \u00fcberraschte: Tennis-Borussia \u2013 in ihren lila Hemdchen \u2013 war wieder da!<\/p><\/blockquote>\n<p>Sieben Tage zuvor hatte im Er\u00f6ffnungsspiel um die Berliner Meisterschaft Minerva die Pommern aus Stettin 5:2 geschlagen. Minerva gilt als haushoher Favorit um den Meistertitel, zumal den Borussen seit zehn Jahren in den entscheidenden Spielen die Nerven flattern. Als L\u00e4ufer fehlt Kauer verletzungsbedingt. Wer wird ihn ersetzen? Wie werden die Borussen vor den 25.000 Zuschauern auflaufen? <em>Lux Mittell\u00e4ufer, Th\u00f6nissen rechter L\u00e4ufer und Martwig Verteidiger<\/em>. Trainer Herberger setzt auf die Tugenden, die er bei seinem Freund und Mentor Nerz gelernt hat. Zu keinem Zeitpunkt sieht sich Minerva, die ihre St\u00e4rke aus der Offensive bezieht, in der Lage, den eisernen Verteidigungsriegel der Borussen zu knacken. <em>Die taktische Ma\u00dfnahme, Lux als dritten Verteidiger zur\u00fcckzuziehen, und das gl\u00e4nzende Spiel von Butterbrodt und Martwig gewannen den Borussen ein Treffen, von dessen Gewinn sie selbst wohl nicht allzu sehr \u00fcberzeugt waren<\/em>. 4:2 &#8212; ein Ergebnis nach Ma\u00df.<\/p>\n<p><em>Wir<\/em>, stellt Herberger selbst befriedigt fest, <em>wir hatten nichts dagegen, dass Minerva im Mittelfeld dominierte. Minerva kombinierte oft sch\u00f6n und gut \u2013 bis zum Strafraum. Dort bestimmten dann wir.<\/em> So klingt der Coach, wenn er gut drauf ist.<\/p>\n<blockquote><p>Jeder Spieler hat durch die Konzentration auf die besondere Aufgabe und den Willen, mit jedem und f\u00fcr jeden zu stehen, sein[sic!] Teil zu diesem sch\u00f6nen Sieg beigetragen, zu einem Erfolg, auf den wir stolz sein k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch schon das n\u00e4chste Spiel, am 3. April in Stettin, wird von Herberger mit keinem einzigen Satz gew\u00fcrdigt. Was ist hier los?<\/p>\n<p><em>Nie wieder Stettin!<\/em>, fordert die Berliner Morgenpost.<\/p>\n<p>Eine entt\u00e4uschende Leistung der Veilchen. Stettin geht fr\u00fch in F\u00fchrung. Zwar ist <em>Tennis stets ein wenig besser<\/em>, doch die Pommern halten die F\u00fchrung bis 18 Minuten vor Schluss fest. Dann gelingt Heini Schmidt der Ausgleich, das Spiel ist wieder offen.<\/p>\n<p>Foul im Strafraum der Stettiner, die 4.000 Anwesenden erwarten l\u00e4ngst den erl\u00f6senden Abpfiff, der den Pommern ein vorteilhaftes Unentschieden eintr\u00fcge. Die Straftat ist unumstritten, aber zuvor hatte der ansonsten <em>tadellose<\/em> Berliner Schiedsrichter Camnitzer eine vergleichbare Szene vor dem Tor der Lila-Wei\u00dfen nicht geahndet.<\/p>\n<p>Hanne Schr\u00f6der legt sich den Ball zurecht.<\/p>\n<p>Stille in Stettin.<\/p>\n<p>Wumms! Souver\u00e4n schl\u00e4gt das Spielger\u00e4t im Netz des Gegners ein. 1:2 f\u00fcr die Veilchen!<\/p>\n<p>Die verletzte pommersche Seele h\u00e4lt nun nichts mehr auf ihren Pl\u00e4tzen, sie ergie\u00dft sich \u00fcbers Feld, um aus ihrem Herzen keine M\u00f6rdergrube zu machen. <em>Nachdem Schr\u00f6der den Strafsto\u00df verwandelt hatte, str\u00f6mten hunderte von Zuschauern auf den Platz und bedrohten Schiedsrichter und Berliner Spieler. Mit Gummikn\u00fcppeln musste die Polizei vorgehen, um den Platz zu r\u00e4umen. Und nur unter Polizeischutz konnte der Unparteiische den Platz nach Spielende verlassen.<\/em> Heini Schmidt, der Sch\u00fctze zum Ausgleich zieht die lila-wei\u00dfe Bilanz. <em>Sechs verletzte Spieler. Herrmann Lux wackelten s\u00e4mtliche Vorderz\u00e4hne. Was sich am Sonntag auf dem Lindemann-Sportplatz in Stettin abspielte, geh\u00f6rt zu den Ausnahmef\u00e4llen im Sport<\/em>, findet auch die Berliner Morgenpost:<\/p>\n<blockquote><p>Schon bei dem Fu\u00dfball-Meisterschaftskampf Minervas in Stettin zeigten sich die Stettiner Zuschauer von keiner guten Seite. Sie sind von einem blinden Fanatismus beseelt, dessen Ausma\u00dfe am Sonntag zu einer Katastrophe f\u00fchren konnten. Leben und Gesundheit unserer Sportsleute steht auf dem Spiel, au\u00dferdem ist es notwendig, dass der Sport vor fanatisierten Massen gesch\u00fctzt wird. Wenn der Schiedsrichter von Polizeibeamten vom Platz gef\u00fchrt werden muss, damit ihn die Menge nicht lyncht, wenn die Spieler eines Fu\u00dfballvereins sich nicht mehr den sportlichen Regeln unterwerfen k\u00f6nnen, dann ist es h\u00f6chste Zeit, dass der Berliner Verband diesen unhaltbaren Zust\u00e4nden ein Ende bereitet. Keinem Berliner Verein kann mehr zugemutet werden, in Stettin Meisterschaftsspiele auszutragen! Au\u00dferdem ist die Frage zu erw\u00e4gen, ob der Berliner Verband die jetzige Verbindung mit den Pommern aufrecht erhalten kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weil am Wochenende drauf in der Meisterschaft spielfrei ist, treffen die Tennis Borussen am Samstag in einem eilig anberaumten Freundschaftsspiel auf den Dauerkonkurrenten Hertha BSC. Herberger und die Berliner Zuschauer sind unzufrieden mit dem Meisterschaftsaspiranten. Die Veilchen verspielen zweimal einen Vorsprung, das Spiel endet 3 zu 2 f\u00fcr Hertha. Steht nicht am Ende die falsche Mannschaft im Kampf um die Meisterschaft? Diese Frage stellen sich viele Berliner Fu\u00dfballfans vor dem R\u00fcckspiel der Veilchen auf dem Preu\u00dfenplatz in Tempelhof gegen Minerva am 17. April.<\/p>\n<p>Minerva, H\u00fcterin des Wissens, r\u00f6mische G\u00f6ttin der Weisheit und der taktischen Kriegsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Minerva aus Moabit spielt taktisch klug, hat <em>sich zu dieser Auseinandersetzung viel vorgenommen<\/em>. Zur Halbzeit steht es 0:0, aber schon in der ersten Viertelstunde des zweiten Durchgangs steht es 0:2 f\u00fcr die G\u00e4ste aus Moabit. Meisterschaft ade? Herberger reagiert und zieht <em>unsere Allzweckwaffe<\/em> Lux aus dem Sturm in die Verteidigung zur\u00fcck. F\u00fcr ihn wechselt Th\u00f6nissen von der L\u00e4uferposition in die Spitze. Das ist das richtige Signal zur rechten Zeit. <em>Ein Ruck nach vorw\u00e4rts<\/em> geht durch die Mannschaft. Heini Schmidt verk\u00fcrzt auf 1:2, kurz darauf verwandelt Handschumacher einen Strafsto\u00df: 2:2!<\/p>\n<blockquote><p>Nun wurde das Spiel unsch\u00f6n, verkrampft. Tennis musste unter allen Umst\u00e4nden das unentschiedene Resultat halten, das die Meisterschaft bedeutete, und Minerva konnte nur durch einen Sieg einen dritten, entscheidenden Gang erzwingen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Endlich die Erl\u00f6sung durch den Schlusspfiff, <em>nicht mehr Zweiter!<\/em> Tennis ist Meister und Herberger unzufrieden: <em>Fast ohne jeden Versuch zur Gegenwehr wurde die Flinte ins Korn geworfen.<\/em><\/p>\n<p>Der Gegenbesuch der Stettiner ist nun nur noch Zierwerk. Wer aber erwartet hatte, dass die <em>beste Berliner Elf<\/em> sich selbst <em>die Krone aufsetzen<\/em> w\u00fcrde, sieht sich get\u00e4uscht. Die Veilchen liefern an diesem 24. April auf dem NNW-Platz am Gesundbrunnen <em>krasse Schulbeispiele daf\u00fcr, wie man eine so starke \u00dcberlegenheit nicht \u201everwerten\u201c soll<\/em>. Das Spiel gegen einen Gegner, den der Berliner Meister <em>glatt 6:1 schlagen musste<\/em><i>, <\/i>endet mit einem Unentschieden. Die Veilchen lassen sich von den Vorpommern <em>ein 2:2 abkn\u00f6pfen<\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>Noch nie ist wohl ein Berliner Fu\u00dfball-Meister beim Abgang vom Spielfeld ausgepfiffen, und sicher w\u00e4re das Pfeifkonzert noch lauter geworden, wenn man den \u201eVeilchen\u201c den Meisterschaftskranz auf dem Platz \u00fcberreicht h\u00e4tte, wie man es sonst freudig und bewegten Herzens tat. Aber der Kranz blieb wohlwei\u00dflich unsichtbar\u2026<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Berliner sind mehr Glamour gew\u00f6hnt. Anstatt eine bis zuletzt spannende Meisterschaft zu feiern, sind sich Presse und Herberger selten einig. <em>Keine Meister-Elf<\/em>, res\u00fcmiert die Morgenpost, <em>nicht das Spiel eines Meisters<\/em>, findet auch der Chef. Die Geburt eines Mythos. Eine Mannschaft wird Meister, die nicht meisterlich ist. Das ist kalter Erfolgsfu\u00dfball, der nicht arbeitet, rackert, ehrlich ist. Ein Verein, der sich mit k\u00fchlem Kalk\u00fcl die Meisterschale verschafft.<\/p>\n<p>Und Tennis sah nicht aus wie eine Mannschaft, die Erste geworden war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die VBB-Meisterschaft 1931\/32 Aber Tennis ist immer als Zweiter \u00fcber die Gerade gegangen. Von 1925 an gelingt den Lila-Wei\u00dfen drei Jahre lang nur die Vizeabteilungsmeisterschaft, 1925 hinter Alemannia, und 1926 und 1927 hatten die Veilchen das Pech, in der zweigleisigen Berliner Oberliga in einer Abteilung mit Hertha\u00a0 BSC anzutreten. 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