{"id":328,"date":"2011-08-13T18:02:22","date_gmt":"2011-08-13T17:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=328"},"modified":"2012-06-06T22:10:31","modified_gmt":"2012-06-06T21:10:31","slug":"oh-brother-can-you-kill-that-nazi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/oh-brother-can-you-kill-that-nazi\/","title":{"rendered":"\u201eOh, Brother, Can You Kill That Nazi? \u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>The Battle of the Maxes \u2013<\/em><\/strong><strong> Baer gegen Schmeling am 8. <\/strong><strong>Juni 1933, und was TeBe damit zu tun hatte<\/strong><\/p>\n<p>Der unbekannte Fotoredakteur machte aus seinem Herzen keine M\u00f6rdergrube. \u201eHAIL HITLER!\u201c, ist als zynischer Kommentar w\u00fctend auf den Presseabzug des Fotos vom Kampf Baer gegen Schmeling am 8. Juni 1933 geschmiert. Auch vom S\u00e4nger Al Jolson wird kolportiert, er habe auf einem der besten Pl\u00e4tze des mit 60.000 zahlenden Zuschauern ausverkauften Yankee-Stadiums getobt, <em>Come on, Jewboy! Kill that Nazi!<\/em> Mit der Depressions-Ballade \u201eBrother Can You Spare A Dime\u201c war Jolson selbst eine Ikone seiner Zeit.<\/p>\n<p>Es ist ein Jahrhundertfoto. Stadium-Sprecher Joe Humphries erkl\u00e4rt auf ihm Max Baer soeben zum Sieger. Die Hand zum Sieg erhoben, das Handtuch noch \u00fcber den Schultern, sieht der 24j\u00e4hrige Fleischergehilfe aus Livermore, Kalifornien, ein wenig benommen den Betrachter an, als glaube er noch nicht so recht an seinen Sieg. Hatte er nicht selbst vor dem Kampf geprahlt, mit F\u00e4usten k\u00f6nne man ihm keinen Schmerz bereiten?<\/p>\n<p>Der Verlierer, <em>the real German<\/em>, wie er von der Chicago Tribune genannt wurde, steht zu seiner Linken. Sein Manager h\u00e4lt den ehemaligen Weltmeister Max Schmeling besorgt unter den Armen. <em>Selbst Joe Jacobs,\u2026 sonst einer der lautesten Free-Style-Jammerer im Preiskampf-Business, hatte nichts zu protestieren. Sobald der Kampf gestoppt war, war der kleine Manager durch die Seile geklettert und \u00fcberquerte den Ring, um sich um seinen Deutschen zu k\u00fcmmern. Er war sich bewusst, dass der finale Punch, den <\/em>Ringrichter <em>Donovan zu verhindern wusste, seinen Mann h\u00e4tte t\u00f6ten k\u00f6nnen. <\/em>Jacobs<em> Gesicht war leichenblass und er war zutiefst best\u00fcrzt, als er den K\u00e4mpfer in die Ecke f\u00fchrte und einen Stuhl unter ihn schob.<\/em><\/p>\n<p>Wenn die Metapher vom gepr\u00fcgelten Hund irgends einen Sinn macht, dann auf diesem Foto. <em>Schmeling wirkte k\u00f6rperlich und geistig in seinen Grundfesten ersch\u00fcttert. Das k\u00f6nnte das Ende seiner Karriere als einer der gro\u00dfen M\u00e4nner im Kampf-Gesch\u00e4ft sein.<\/em><\/p>\n<p>Max Adalbert Baer tr\u00e4gt stolz den Davidstern auf seiner Hose.<\/p>\n<p>Das war eine Provokation, denn die Regeln verbaten jede Zurschaustellung religi\u00f6ser oder politischer Symbole auf der Sportkleidung.<\/p>\n<p>Auch Max Schmeling tr\u00e4gt auf dem Print ein Zeichen \u2013 ein Hakenkreuz n\u00e4mlich, das ihm nachtr\u00e4glich vom w\u00fctenden Fotoredakteur auf den linken Oberarm appliziert worden war. Es sieht aus wie ein etwas zu blass geratenes Tattoo.<\/p>\n<p>In Reaktion auf den Davidstern, so war allgemein erwartet worden, <em>h\u00e4tte es Schmeling aufgrund eines \u00e4hnlichen Entgegenkommens erlaubt werden m\u00fcssen, das Nazi-Hakenkreuz zur Schau zu stellen. Manche der Zuschauer mit einem Auge f\u00fcrs Detail, sahen Baer den Davidstern ergreifen und nach Schmeling werfen, doch der verneinte jedes politische Interesse an dem Kampf. F\u00fcr ihn war es nichts als eine gesch\u00e4ftliche Transaktion. Er zeigte keine Anteilnahme<\/em>.<em> <\/em>Worin aber lag die Anteilnahme, die der Kolumnist der Chicago Tribune hier mit so vorsichtigen Worten vermisst? Worin lag der Zweck, worin der Grund daf\u00fcr, dass Baer den Davidstern trug?<\/p>\n<p>Viel ist dar\u00fcber spekuliert worden, ob Baer tats\u00e4chlich Jude war. Mancher wartete mit intimen Beweisen auf, wie der Promoter Leo Bodner, der bei dem einen oder anderen \u00a0Besuch in der Kabine einen Blick riskiert hatte: <em>Max Baer war ein guter K\u00e4mpfer, aber wei\u00dft Du, er war nicht einmal beschnitten. Ich war viele Male in seinem Umkleideraum.<\/em><em> <\/em>Nein, der Katholik Baer war kein Jude. Aber er war ein Jude nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Nazis \u2013 ein Umstand, der ihm wohl bewusst war. <em>Mein Vater ist j\u00fcdisch, und meine Mutter ist schottisch-irisch, sagte Baer. Ich habe den <\/em>Davidstern<em> getragen, weil ich dachte, es ist das Richtige, und ich werde ihn in jedem weiteren Kampf tragen<\/em>.<\/p>\n<p>Die Nazis schwiegen sich \u00fcber die heiklen Aspekte des Kampfes aus, weil Ihnen das Ergebnis peinlich war, wie die New York Times registriert. <em>S\u00e4mtliche Zeitungen ignorieren die Tatsache, dass Schmeling von einem Mann geschlagen worden ist, der in Deutschland als Jude klassifiziert w\u00fcrde. Stattdessen tr\u00f6sten sie sich damit, dass Schmeling von einem \u201eDeutsch-Amerikaner\u201c besiegt wurde<\/em>. Als im M\u00e4rz 1934 Baers Film <em>The Price Fighter and the Lady<\/em> in die deutschen Kinos kommen sollte, wurden die Zensurbeh\u00f6rden aktiv. Sie standen vor einem Dilemma, denn die propagandistische Vorbereitung der Olympischen Spiele war im vollen Gange. Goebbels hatte die Losung ausgegeben, dass Max Baer im Dritten Reich einen \u00e4hnlich warmen Empfang bekommen solle wie Schmeling in Amerika. In den Verhandlungen mit den Produzenten von Metro-Goldwin-Mayers r\u00e4umte der Vertreter des Propagandaministeriums hingegen ein, dass der Film nicht nur wegen Verletzung der <em>hohen moralischen Standards<\/em> des Dritten Reichs von den deutschen Leinw\u00e4nden verbannt worden war, sondern weil der <em>Hauptdarsteller der j\u00fcdische Boxer Max Baer<\/em> ist. Baer nahm\u2019s gelassen. <em>Ich habe wirklich Mitleid mit den Frauen und Kindern in Deutschland<\/em>, sagte er. <em>Ein Jammer, dass sie keine Chance bekommen, den gr\u00f6\u00dften Liebhaber der Welt und den gr\u00f6\u00dften K\u00e4mpfer der Welt in Aktion zu erleben.<\/em><\/p>\n<p>Die Frage, ob Baer Jude war oder nicht, \u00fcber die auch mancher Schmeling-Biograph orakelt, ist bigott. Das offizielle deutsche Magazin Box-Sport hatte bereits im Vorfeld des Kampfes die offizielle Linie der Nazi-Propaganda vorgegeben, wonach Baer eigentlich kein Jude sei, und es nur aus <em>Reklamegr\u00fcnden<\/em> vorgebe.<\/p>\n<p>Blo\u00df kommerzielles Interesse, das sich die Gunst des j\u00fcdischen Publikums mit Zurschaustellung eines Davidsterns erschleichen m\u00f6chte?<\/p>\n<p>Baers Solidarit\u00e4t galt j\u00fcdischen Sportlerinnen und Sportlern in Deutschland, deren Schicksale wenige Wochen vor dem Kampf gegen Schmeling die Welt\u00f6ffentlichkeit geschockt hatten. Darunter zuv\u00f6rderst die Namen einer Sportlerin und zweier Sportler, die eng mit der Berliner Tennis Borussia verbunden sind.<\/p>\n<p>Die Deutsche Tennis-Meisterin im Damen-Einzel von 1925, Nelly Neppach, ging genau einen Monat vor dem Kampf zwischen Baer und Schmeling in den Freitod, nachdem der Deutsche Tennis Bund die j\u00fcdischen Verbandsmitglieder aus dem Sportbetrieb ausgeschlossen hatte. Der Berliner Korrespondent der New York Times berichtete am 8. Mai, das <em>Vordringen der Naziideologie in den deutschen Tennissport<\/em> sei nach Meinung von Freunden der Grund f\u00fcr ihren Selbstmord gewesen:<\/p>\n<blockquote><p><em>Die j\u00fcngste Aktion des deutschen Tennis, nicht-arische Spieler von der Teilnahme an offiziellen Begegnungen auszusperren, die u. a. Daniel Prenn, Deutschlands Nr. 1, aus dem Davis Cup ausschloss, gilt als verantwortlich f\u00fcr ihren depressiven Schub.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Ausschluss insbesondere Prenns, der noch 1927 zusammen mit Teamkollegin Neppach f\u00fcr die Berliner Veilchen auf dem Tennis Court Hof gehalten hatte, sorgte international f\u00fcr Emp\u00f6rung. <em>Mit gro\u00dfer Best\u00fcrzung lesen wir die offizielle Stellungnahme \u2026, dass Dr. D. D. Prenn Deutschland im Davis Cup nicht repr\u00e4sentieren wird, aus dem einzigen Grund, dass er j\u00fcdischer Herkunft ist<\/em>, schreiben mit \u201eBunny\u201c Austin und Fred Perry zwei der profiliertesten britischen Tennis-Spieler in einem offenen Brief vom 13. April. Der Protest machte international Furore; am 15. April berichtete etwa die New York Times.<\/p>\n<div id=\"attachment_334\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-334\" class=\"size-full wp-image-334 \" title=\"Erich Seelig \" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/08\/Seelig1.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"400\" \/><p id=\"caption-attachment-334\" class=\"wp-caption-text\">Dem Tennis-Borussen Erich Seelig sprachen die Nazis gleich zwei Deutsche-Meister-Titel ab. Seelig floh \u00fcber Frankreich und Kuba in die USA. Foto: unbekannt.<\/p><\/div>\n<p>Am 3. April gab der Boxverband, der Verein deutscher Faustk\u00e4mpfer, den Rauswurf aller j\u00fcdischen Mitglieder bekannt und untersagte ihnen jegliche sportlichen Aktivit\u00e4ten. Pikant: Schmeling hielt sich seit dem 14. April in den USA auf, bei ihm sein j\u00fcdischer Manager, der Amerikaner Joe Jacobs. Die Nazis beeilten sich klarzustellen, dass das Verbot der Zusammenarbeit von arischen Sportlern mit Juden au\u00dferhalb Deutschlands keine G\u00fcltigkeit habe.<\/p>\n<p>Andere waren weniger gl\u00fccklich als Schmeling.<\/p>\n<p>Dem damals noch 17j\u00e4hrigen Erich Seelig war \u2013 zusammen mit einem p\u00e4dagogischen Wink mit dem Zaunpfahl \u2013 bereits in der Festschrift zum 25ten Jubil\u00e4um der Tennis Borussen eine gl\u00e4nzende Karriere prophezeit worden.<\/p>\n<blockquote><p><em>Seelig, \u2013 na, der Junge ist ein Kapitel f\u00fcr sich. Wir k\u00f6nnen uns freuen, dass wir ihn haben, denn er ist bereits erste Klasse und geh\u00f6rt zu denen, die den Marschallstab im Tornister tragen. Sein klarer Sieg \u00fcber den gef\u00fcrchteten K.o-Schl\u00e4ger Bolz war eine Glanzleistung. Aber: das Bittere ist die Kehrseite der Medaille. Dieser hochveranlagte Boxer, der bei sachgem\u00e4\u00dfer Anleitung alles erreichen k\u00f6nnte, erf\u00fcllt uns F\u00fchrer mit tiefer Bitternis. Er l\u00e4sst sich nicht leiten und legt sich in seinem Training keine Hemmungen auf. Mit riesigem Kr\u00e4fteverbrauch bereitet er sich vor, h\u00e4lt sich in Form und ruft in uns die Bef\u00fcrchtung wach, dass er sich vorzeitig aufzehrt. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr bei diesen jugendlichen, noch in st\u00e4rkstem Wachstum befindlichen K\u00f6rpern, Uebereifer und Ma\u00dflosigkeit im Training.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Erich scheiterte nicht an jugendlichem Ungest\u00fcm. Anfang 1931 wagte Seelig den Schritt ins Profiboxen. Noch im gleichen Jahr erboxte sich der Ausnahmeathlet, dem Zeitgenossen mehr Talent als Schmeling attestierten, den deutschen Titel im Mittelgewicht, und im Februar 1933 folgte der Titel im Halbschwergewicht. Die Nazis entzogen dem frischgebackenen Deutschen Meister in gleich zwei Gewichtsklassen mit dem Ausschluss vom 3. April beide Titel und bedrohten Seelig an Leib und Leben, sollte er dennoch zur Titelverteidigung antreten wollen. An seiner Stelle boxte einen Tag nach dem Baer-Schmeling-Kampf am 9. Juni Johann Wilhelm Trollmann gegen Adolf Witt um den Meistertitel im Halbschwergewicht. Trollmann selbst wurde von den Nazis 1944 ermordet, weil er nach der nationalsozialistischen Rassedoktrin \u201eZigeuner\u201c war.<\/p>\n<p>Erich floh noch im April 1933 nach Paris und emigrierte schlie\u00dflich \u00fcber Kuba in die USA, wo er seine Karriere im Mittelgewicht mit einigem Erfolg weiterf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Eine der weltweit einflussreichsten Box-Zeitschriften griff den Fall Seelig auf. In der Juni-Ausgabe k\u00fcndigte The Ring Magazine von 1933 den Kampf zwischen Baer und Schmeling um das Recht, gegen den amtierenden Weltmeister Primo Carnera boxen zu d\u00fcrfen, auf dem Cover an. Im Editorial der selben Ausgabe emp\u00f6rt sich der Gr\u00fcnder des Blattes, Nat Fleischer:<\/p>\n<blockquote><p><em>Zum ersten Mal in der Geschichte des Boxens sprach eine nationale Sportorganisation einem Sportler seinen Titel wegen seiner Religion ab. Bis zum Aufstieg des gr\u00e4sslichen Hitler-Regimes war es ein unumst\u00f6\u00dflicher Grundsatz im Boxsport, dass ein Titel ausschlie\u00dflich im Ring gewonnen und verloren gehen konnte. Nat\u00fcrlich kam es gelegentlich vor, dass die amerikanische Box Kommission einen Titel-Halter seiner Krone enthoben hat, weil er den Anforderungen eines Champions nicht gen\u00fcgte, aber in solchen F\u00e4llen wurde die Entscheidung mit breiter Zustimmung getroffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Deutsche Boxverband aber wird f\u00fcr seine bigotte und verkommene Regel, die gegen alle j\u00fcdischen K\u00e4mpfer Deutschlands gerichtet ist, niemals solche Anerkennung erhalten. Der Deutsche Boxverband ersch\u00fctterte die gesamte Boxwelt mit seinem Bann gegen Seelig, der der nationale Titelhalter im Leichtgewicht <\/em>[sic!] <em>und Mittelgewicht ist, und erkl\u00e4rte seine Titel als vakant, weil er Jude ist. Seelig ist in Deutschland geboren und erlangte f\u00fcr sein Vaterland Ring-Ehren, und trotzdem wurde er seiner Titel enthoben, einfach weil er j\u00fcdischen Glaubens ist.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Fleischer verband diese Anklage mit der Hoffnung, Schmeling m\u00f6ge an seinem Manager Jacobs festhalten und den <em>Funktion\u00e4ren des Boxverbandes einen Trip in den Hades verpassen, wo sie hingeh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p>Schmeling hielt an dem agilen Amerikaner fest. Aber er befand sich mit einem offiziellen Auftrag in den USA. Ende M\u00e4rz war Schmeling vom gl\u00fchenden Box-Fan Adolf Hitler empfangen worden. Ebenfalls anwesend: G\u00f6ring, Goebbels und von Papen. <em>Ich habe gelesen, dass sie nach Amerika fahren. \u2026 Vielleicht fragt man sie dr\u00fcben, wie es in Deutschland aussieht. Dann k\u00f6nnen sie ja die Schwarzseher beruhigen, wie friedlich hier alles ist und dass alles vorangeht<\/em>, gab der Reichskanzler dem ehemaligen Weltmeister mit auf den Weg.<\/p>\n<p>Nein, beschied Schmeling unmittelbar nach seiner Ankunft in den USA den Schwarzsehern von der Presse, es g\u00e4be keine Judenverfolgungen. Der Box-Sport berichtete, <em>Max<\/em> wandte <em>sich sehr energisch gegen die im Ausland verbreitete l\u00fcgenhafte Greuel-Propaganda und erkl\u00e4rte, dass er keinen Juden kenne, der irgendwie verfolgt oder misshandelt worden sei. \u201eGerade in dem Viertel, in dem ich wohne, gibt es sehr viele Juden, aber weder ich noch sonst jemand von meiner Familie hat etwas von Judenverfolgungen geh\u00f6rt oder gesehen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das war eine offenkundige L\u00fcge angesichts der Schicksale j\u00fcdischer Sportlerinnen und Sportler im Tausendj\u00e4hrigen Reich der Deutschen, die mit Nelly Neppach, Daniel Prenn und Erich Seelig Gesichter und Geschichten bekommen hatten, die um die Welt gingen.<\/p>\n<p>Max Baer ging mit einem Furor zu Werke, der bis heute im Boxsport seinesgleichen sucht. <em>That one\u2019s for Hitler!<\/em> \u2013 <em>dieser ist f\u00fcr Hitler!<\/em>, zischte der Kalifornier bei einem der wuchtigen Schl\u00e4ge in der 10ten Runde, die Schmeling schlie\u00dflich den Rest gaben. <em>That one\u2019s for Hitler! <\/em>Aus dem Mund des Mannes, der nach dem Tod seines Gegners Frankie Campbell am 25. August 1930 nahe davor gestanden hatte, den Ring endg\u00fcltig zu verlassen. <em>Ich liebe die Menschen<\/em>.<\/p>\n<p>Nelly Neppach, die jahrelang f\u00fcr die Berliner Veilchen den Schl\u00e4ger in die Hand nahm. Daniel Prenn, der zumindest eine Zeitlang f\u00fcr die Tennis Borussia starte. Und Erich Seelig, der den Boxsport bei den Lila-wei\u00dfen von der Pieke auf erlernt hatte. Es geh\u00f6rt zu den traurigen Seiten der Vereinsgeschichte, dass es die Namen von Tennis Borussen sind, die wie wenig andere stellvertretend f\u00fcr die Schicksale j\u00fcdischer Sportlerinnen und Sportler w\u00e4hrend des Nazi-Terrors genannt werden m\u00fcssen. Aber zweifellos waren es ihre Geschichten, die einen kalifornischen Metzgerjungen dazu motivierten, einen unwahrscheinlichen Sieg zu erringen. Es war ein Sieg, der Menschen in der ganzen Welt, v. a. aber im eben erst erstehenden Nazi-Deutschland wie kaum ein anderes Ereignis Mut machte.<\/p>\n<p>Nach dem Meisterschaftskampf gegen Primo Carnera vom Juni 1934 beschrieb der Altphilologe Victor Klemperer die Wirkung des Boxers mit dem Davidstern:<\/p>\n<blockquote><p><em>Komisch: welches Vergn\u00fcgen es mir macht, dass heute gemeldet wird, der Kalifornier Baer habe gegen den italienischen Riesen Carnera die Boxerweltmeisterschaft gewonnen. Baer, der neulich Schmeling schlug, ist Jude. Unsere Zeitung riss ihn gestern herunter und gab alle Gewinnchancen dem Italiener. \u2013 So geht jetzt wider allen Willen das Gef\u00fchl. <\/em><em>Baer = Simson = Goliath \u2013 bellum judaicum.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Siegfoto zeigt den Jungen mit dem Davidstern, der soeben \u00fcber Hitlers Liebling triumphiert. Die Schwarzseher sollte Schmeling auf F\u00fchrers Wunsch belehren, und die Geschichten von Nelly Neppach, Daniel Prenn und Erich Seelig als Gr\u00e4uel-Propaganda L\u00fcgen strafen. \u00a0Auf dem Bild ist er am Boden zerst\u00f6rt. Es ist ein Jahrhundertfoto.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"The Battle of the Maxes \u2013 Baer gegen Schmeling am 8. Juni 1933, und was TeBe damit zu tun hatte Der unbekannte Fotoredakteur machte aus seinem Herzen keine M\u00f6rdergrube. \u201eHAIL HITLER!\u201c, ist als zynischer Kommentar w\u00fctend auf den Presseabzug des Fotos vom Kampf Baer gegen Schmeling am 8. Juni 1933 geschmiert. 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