{"id":552,"date":"2011-11-26T01:04:34","date_gmt":"2011-11-26T00:04:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=552"},"modified":"2012-06-06T22:03:03","modified_gmt":"2012-06-06T21:03:03","slug":"die-tennis-borussen-sind-klasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/die-tennis-borussen-sind-klasse\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Tennis Borussen sind Klasse&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>2. August 1925: TeBe gegen 1. FC N\u00fcrnberg<br \/>\n16. August 1925: 1. FC N\u00fcrnberg gegen TeBe<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Meister kommt, und was will man schon erwarten? Aus Berlin kommen doch <em>nur Durschnittsmannschaften<\/em>, <em>heute erwartete man den sicheren Sieg der N\u00fcrnberger<\/em>.<\/p>\n<p>Mit <em>entsetzlicher Versp\u00e4tung<\/em> treffen die Franken samstags am Anhalter Bahnhof ein, eine <em>zahlreiche Korona<\/em> wartet frierend und durchn\u00e4sst, aber erwartungsvoll und neugierig auf die Meisterkicker. Im <em>ruhigen, gem\u00e4chlichen Landregen<\/em> macht sich die Meute in einem Autokorso aus acht Wagen auf den Weg ins Clubheim, den Nordischen Hof in der Invalidenstra\u00dfe 126. Beide Mannschaften dinieren zusammen, trinken auch <em>ein Sch\u00f6ppchen<\/em>, bevor sich die G\u00e4ste fr\u00fch verabschieden.<\/p>\n<p>Der Spieltag beginnt, wie der Anreisetag endete.<\/p>\n<blockquote><p>Der Himmel setzte kein sehr freundliches Gesicht auf. &#8230; Auf der Fahrt nach dem Tempelhofer Felde sah man \u00fcberall gestaute Massen, die Unterschlupf suchten vor dem immer st\u00e4rker werdenden Regen, und Restaurants und Konditoreien f\u00fcllten sich auf dem Wege. Ein sicher nicht kleiner Teil zog es vor, sich dem unentwegten Regen durch die Flucht in die heimischen Penaten zu entziehen. Absolut dem Wetter entsprechend war das Gesicht unserer Kassierer. Michelangelo h\u00e4tte sicher Pryzybilskis Gesicht als Vorbild f\u00fcr einen Entwurf genommen, aber die Zeit, der heilende Faktor, hatte auch mit uns ein Einsehen. Der Regen lie\u00df nach, und das Kassenergebnis war besser, als man unter sotanen Umst\u00e4nden erhoffen durfte.<\/p><\/blockquote>\n<p>6.000 sind es, die das Spiel trotz der widrigen Umst\u00e4nde sehen wollen. In den ersten Minuten geht <em>N\u00fcrnberg energisch in Front<\/em>. Das Verteidiger-Duo Brunke und Sch\u00f6nherr m\u00fcht sich anf\u00e4nglich sehr, dem N\u00fcrnberger Sturm und Drang Paroli zu bieten. <em>Nach zehn Minuten hatten sie aber den Braten gerochen<\/em> und gewinnen ihre Ruhe wieder. Einmal l\u00e4sst Sch\u00f6nherr den <em>N\u00fcrnberger Linksau\u00dfen Fuchs allzusehr aus dem Auge. Aber ohne Schaden, denn F. war ein glatter Versager<\/em>, notiert Nerz br\u00fcsk. Das Spiel des Clubs zun\u00e4chst <em>planvoller und systematischer<\/em>. Doch die Veilchen bl\u00fchen langsam auf.<\/p>\n<blockquote><p>Unsere Vorst\u00f6\u00dfe sind schneller und wuchtiger. Eschenlohr-Schr\u00f6der kommen gut durch, die Flanke schie\u00dft Raue sch\u00f6n flach ein! 1:0.<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit geht&#8217;s in die Pause. <em>N\u00fcrnberg strengt sich nun m\u00e4chtig an. Aber so sch\u00f6n die Kombination ist, zum Erfolg reicht es nicht<\/em>. Im Gegenteil. Flanke von Schr\u00f6der auf Raue, der flach zur Mitte passt, Hoffmann braucht nur noch einzuschieben. 2:0! Wer h\u00e4tte das gedacht? <em>Da das Spiel ziemlich ausgeglichen war, musste das Spiel f\u00fcr uns gewonnen sein. Aber es kam anders.<\/em> N\u00fcrnberg im Gl\u00fcck. Torwart Kr\u00fcger l\u00e4sst einen Schuss von Tr\u00e4g <em>unter seinem K\u00f6rper ins Tor entsenden. Bei nassem Wetter muss der Torwart doppelt vorsichtig sein!<\/em> Die <em>Glubberer<\/em> wittern Frischluft, doch zun\u00e4chst vergeben Wiese und Hoffmann zwei Hundertprozentige. Dann eine sehenswerte Slapstick-Einlage. Leider in den falschen Kasten:<\/p>\n<blockquote><p>Eine Flanke Tr\u00e4gs k\u00f6pft Kr\u00fcger im Werfen mit dem Hinterkopf ins eigene Tor! Damit war der Sieg verschenkt!<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Remis! Dem Spielverlauf entspricht das Resultat vollauf.<\/em> Der sicher geglaubte Sieg! Ihn weggegeben zu haben, geht voll und ganz auf Torwart Kr\u00fcgers Kappe, findet Coach Nerz. Aber nat\u00fcrlich ist ein Spiel gegen den Deutschen Meister f\u00fcr einen <em>&#8222;Anf\u00e4nger&#8220;<\/em> <em>eine starke Nervenprobe. Das wollen wir nicht \u00fcbersehen.<\/em><\/p>\n<p>Abends sitzen die Kontrahenten wieder im Nordischen Hof zusammen. Doch wegen der <em>unsympathischen Disposition<\/em> des N\u00fcrnberger Clubchefs, des <em>verehrten Herrn Dr. Oberst<\/em>, <em>verschlingen<\/em> die Franken das Essen regelrecht und <em>jeder sitzt wie auf Stecknadeln<\/em>. Denn <em>trotz lebhaften Zuredens will Dr. Oberst nicht einen Zug sp\u00e4ter fahren<\/em>. Also werden die G\u00e4ste rasch zur Bahn gebracht, und danach besinnt sich die allein gelassene Festgesellschaft auf die <em>Borussengem\u00fctlichkeit<\/em>. Jack Karps Ged\u00e4chtnis ist etwas tr\u00fcb:<\/p>\n<blockquote><p>Ich sah etwas von schwankenden Gestalten, aber ich kann mich auch geirrt haben. Jedenfalls war es mordsnett.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum R\u00fcckspiel in N\u00fcrnberg am 16. August.<\/p>\n<p>Nun sieht die Sache anders aus. Anders als in Berlin, wo Stuhlfauth, Sutor und Riegel fehlten, laufen die N\u00fcrnberger in der Meister-Besetzung auf. Jeder einzelne der fr\u00e4nkischen Kicker trug bereits das Trikot der Reichsauswahl. (Zusammen mit Martwig, Lux und Eschenlohr stehen 14 Nationalspieler auf dem Rasen!) Kein Wunder, dass man sich in N\u00fcrnberg siegesicher ist.<\/p>\n<p>Den Abend vor dem Spiel vertreiben sich die Veilchen im Variete und bei blauen Zipfele in der Sebaldurklause.<\/p>\n<p>Doch weder die fr\u00e4nkische Gesangs- und Tanzkunst noch die in Sud und Zwiebeln gegarten fr\u00e4nkischen Bratw\u00fcrstchen dr\u00fccken tags drauf den Berlinern aufs Gem\u00fct. Es entwickelt sich ein munteres Spiel, in das die Veilchen sich rasch finden. Besonders die Verteidigung zeichnet sich aus. <em>Sch\u00f6nherr-Brunke hatten sich auf das steile Durchspiel<\/em> des Meistersturms <em>eingestellt und stoppten die N\u00fcrnberger immer m\u00fcheloser ab<\/em>. Kurz vor Abpfiff des ersten Durchgangs:<\/p>\n<blockquote><p>Hoffmann bricht durch: von zwei Gegnern bedr\u00e4ngt, zieht er den Ball mit der Sohle zu Raue zur\u00fcck, der flach einschiebt. Eine Prachtleistung der beiden. Gro\u00dfer Beifall!<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch nach Wiederanpfiff wackelt die N\u00fcrnberger Hintermannschaft gewaltig, w\u00e4hrend Patrzek, Brunke und Sch\u00f6nherr wahre Wunder vollbringen! Der N\u00fcrnberger Keeper Stuhlfauth zeigt erste Unsicherheiten. Aber er <em>hat zu seinem gro\u00dfen K\u00f6nnen auch noch einen gro\u00dfen Namen. Er wurde von unserem Innensturm zu sehr respektiert. Das ist ein Fehler. Namen sind Schall und Rauch! Da machte mir die Verteidigung Spa\u00df! Sch\u00f6nherr und Brunke r\u00e4umten t\u00fcchtig auf.<\/em><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bringt ein Handelfmeter die Entscheidung. 1:1.<\/p>\n<p>Die Presse ist begeistert von den untersch\u00e4tzten Berlinern. S\u00fcdlich des Mains g\u00e4be es nur wenige Mannschaften, die diesen Verein zu schlagen imstande sind, schreibt das Magazin Fu\u00dfball. Besondere W\u00fcrdigung findet auch der Trainer.<\/p>\n<blockquote>\n<div style=\"text-align: center;\">Der Prophet<\/div>\n<p>gilt bekanntlich nichts in seinem Vaterlande. Auch der deutsche Sportlehrer kann solches von sich sagen. Und wenn ich sage, nicht ganz mit Unrecht, so mag man es mir nicht \u00fcbelnehmen &#8212; auf den Fu\u00dfballsport Bezug genommen nat\u00fcrlich. Eine Ausnahme hiervon macht Otto Nerz&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Letztlich kann es nur ein Urteil geben: <em>Die Berliner Tennis Borussen sind Klasse<\/em>!<\/p>\n<div id=\"attachment_579\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-579\" class=\"size-medium wp-image-579 \" title=\"Fu\u00dfball_#33_Aug_1925aa\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/11\/Fu\u00dfball_33_Aug_1925aa-620x753.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"753\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/11\/Fu\u00dfball_33_Aug_1925aa-620x753.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/11\/Fu\u00dfball_33_Aug_1925aa.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><p id=\"caption-attachment-579\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Fu\u00dfball. Illustrierte Sportzeitung, Nr. 33, 1925. Eine &quot;z\u00fcgige&quot; Sache vor dem Klubtor. Popp zieht den Ball \u00fcber sich hinweg.<\/p><\/div>\n<p class=\"feature\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2. August 1925: TeBe gegen 1. FC N\u00fcrnberg 16. August 1925: 1. FC N\u00fcrnberg gegen TeBe Der deutsche Meister kommt, und was will man schon erwarten? Aus Berlin kommen doch nur Durschnittsmannschaften, heute erwartete man den sicheren Sieg der N\u00fcrnberger. 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