{"id":635,"date":"2012-01-02T01:22:13","date_gmt":"2012-01-02T00:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=635"},"modified":"2012-12-08T08:58:29","modified_gmt":"2012-12-08T07:58:29","slug":"verein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/verein\/","title":{"rendered":"Verein"},"content":{"rendered":"<p><em>Tennis, was&#8230;?<\/em><\/p>\n<p>Es ist der 9. April 1902. In der Konditorei <span style=\"font-variant: small-caps;\">An der Spandauer Br\u00fccke 13<\/span> finden sich zw\u00f6lf junge Herren ein, teils von der <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kameradschaftlichen Vereinigung &#8222;Borussia&#8220;<\/span>, teils von der <span style=\"font-variant: small-caps;\">Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft<\/span>. Man kennt und sch\u00e4tzt sich vom <span style=\"font-variant: small-caps;\">Fu\u00dfballklub &#8222;Rapide&#8220;<\/span>, und so wird man sich bald einig: ein neuer Verein muss her, um die Ressourcen m\u00f6glichst effektiv auf das gemeinsame Ziel, den Tennis- und Ping-Pong-Sport zu richten. <span style=\"font-variant: small-caps;\">Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia<\/span>, nennen die Herren ihr sportliches Beisammensein fortan. Zum 1. Vorsitzenden wird Richard B\u00f6hme gew\u00e4hlt, in der Runde sitzen ferner Alfred Lesser, Hans W. M\u00fcller, Jakob Holzer, Paul B\u00f6hme, Ferdinand Gruber, Rudolf Gottlieb sowie Paul und Reinhold Gottlieb. Die Namen der drei anderen Gr\u00fcndungsmitlieder sind nicht \u00fcberliefert. Gespielt wird 1902 in der Hufelandstra\u00dfe im Friedrichshain, und im Laufe der ersten Monate w\u00e4chst die Zahl der Mitspieler auf 20. Ende 1902 verliert der Club seine Pl\u00e4tze, weil das Gel\u00e4nde bebaut wird. Im Dezember wird das Ping-Pong-Spiel aufgegeben, das im Winter nicht gespielt werden kann. Fortan soll nur noch Tennis auf dem sportlichen Programm stehen.<\/p>\n<p>Der <span style=\"font-variant: small-caps;\">Berliner Tennis-Club Borussia<\/span> erblickt das Licht der Welt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1742\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Westeisbahn1902-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1742\" class=\"size-full wp-image-1742 \" title=\"Westeisbahn1902-03\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Westeisbahn1902-03.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Westeisbahn1902-03.jpg 840w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Westeisbahn1902-03-620x459.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Westeisbahn1902-03-100x74.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1742\" class=\"wp-caption-text\">Hier fiel am Rande eines Tennis-Turniers im Mai 1903 die Entscheidung zugunsten der Fu\u00dfballabteilung innerhalb des Berliner Tennis-Club Borussia: die Charlottenburger Westeisbahn im Winter 1902\/03. Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>Aber auch f\u00fcr das Tennis finden sich keine geeigneten Pl\u00e4tze. Der Winter 1902 \/ 1903 verstreicht ohne jegliche sportliche Bet\u00e4tigung, und so h\u00e4ngt das Schicksal der jungen Tennis Borussia an einem seidenen Faden, als sich Richard B\u00f6hme im April 1903 zu einer Besprechung mit Jakob Holzer trifft. Nein, aufgeben kommt nicht in Frage! Kurzentschlossen mietet der Club zwei Pl\u00e4tze auf der Westeisbahn gegen\u00fcber vom Bahnhof Zoo &#8212; am anderen Ende der (Innen)Stadt. Hier tragen die Tennis Borussen im April und Mai ein Tennis-Turnier aus, das vorentscheidend f\u00fcr die Geschicke des Vereins sein wird. Es lenkt die Aufmerksamkeit nicht weniger Berliner Sportfreunde auf den Club, der so eine erste Welle an Mitgliedsantr\u00e4gen verzeichnen kann. Bei der Preisverleihung regt Alfred Lesser die Gr\u00fcndung einer Fu\u00dfballabteilung an, damit der kommende Winter nicht wieder ohne sportliche Bet\u00e4tigung vor\u00fcbergeht.<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfball<\/strong><\/p>\n<p>Am 14. August 1903 wird schlie\u00dflich die Fu\u00dfball-Abteilung gegr\u00fcndet. F\u00fcr 50 Pfennig erwirbt Alfred Lesser Fu\u00dfballstangen und Lizenz der <span style=\"font-variant: small-caps;\">Spielvereinigung Neu-Seeland<\/span>, deren Mitglieder <em>in einer patriotischen Anwandlung<\/em> dem <span style=\"font-variant: small-caps;\">B. T. C. Borussia<\/span> beitreten und als erste Amtshandlung die Spielstangen von ihrem urspr\u00fcnglichen Schwarz-Gr\u00fcn in die preu\u00dfischen Farben Schwarz-Wei\u00df umlackieren &#8212; der Verein hat seine Farben. Weil aber die patriotische Begeisterung unter den Sportlern in Berlin so gro\u00df ist, laufen bald zahlreiche Mannschaften in Schwarz-Wei\u00df auf. Aus rein pragmatischen Gr\u00fcnden betreten die Tennis Borussen das Spielfeld immer \u00f6fter in einer alternativen Farbkombination. <em>Start wearing purple!<\/em> Erste Erfolge stellen sich in den neuen Farben ein, und die Berliner wie die Tennis-Borussen gew\u00f6hnen sich gleicherma\u00dfen an sie, bis um das Jahr 1910 herum Lila-Wei\u00df schlie\u00dflich zur (inoffiziellen) Farbkombination des Clubs geworden ist. <em>Veilchen<\/em>, so nennen sie sich nunmehr. Erst im Jahr 2002 wird die Farbkomination zusammen mit der Namens\u00e4nderung in <span style=\"font-variant: small-caps;\">Tennis Borussia Berlin<\/span> auch offiziell ins Vereinsregister eingetragen.<\/p>\n<p>Der Verein, vor allem aber die Fu\u00dfballabteilung entwickeln sich pr\u00e4chtig. Schon 1905 stellt der Verein mit Walter Lutzenberger einen <em>Repr\u00e4sentativen<\/em>\u00a0\u2013 einen Auswahlspieler f\u00fcr die Berliner Stadtmannschaft also. 1906 kicken drei Mannschaften f\u00fcr die Tennis Borussen, und nach einer kurzen Krisenphase in der Saison 1907\/1908 gelingt 1910 der Aufstieg in die h\u00f6chste Berliner Spielklasse, wo sich die Veilchen fortan festsetzen. Die Anspr\u00fcche ans eigene Leistungsverm\u00f6gen sind hoch. <em>Unser Losungswort hie\u00df damals &#8222;F\u00fcnfe sind schon drinne&#8220;,<\/em> schreibt Walter Lutzenberger, <em>d. h. erst mussten f\u00fcnf Tore erzielt sein, ehe sich die Mannschaft etwas Ruhe g\u00f6nnte und einige &#8222;M\u00e4tzchen&#8220; zum besten gab.<\/em><\/p>\n<p>Ein massiver Einschnitt ist der Erste Weltkrieg. So viele Tennis-Borussen werden eingezogen, dass bereits um 1915 kein regul\u00e4rer Spielbetrieb mehr stattfinden kann. Nicht wenige kehren nicht zur\u00fcck von den Schlachtfeldern Europas. Das Kriegsende bringt den Deutschen ein neues politisches System und den Tennis Borussen einen nahezu neuen Club. Das schl\u00e4gt sich vor allem in der Mitgliedschaft nieder: 1922 k\u00f6nnen 80 Neuzug\u00e4nge vermeldet werden, jedoch verlassen 100 Mitglieder den Club. Ende des Jahres verzeichnen die Seniorenabteilungen (d. h. die Erwachsenenabteilungen) 220 Mitglieder, von denen allein im Dezember elf Personen ausgeschlossen werden m\u00fcssen, die allzu lange ihre Mitgliedsbeitr\u00e4ge s\u00e4umig blieben. Anfang Januar 1925 f\u00fchrt die Liste nur noch 150 Mitglieder in den Seniorenabteilungen und rund 100 Jugendmitglieder. 1927 stabilisiert sich die Mitgliedschaft bei 403 Mitgliedern.<\/p>\n<p><strong>Nach dem Ersten Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1550\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1550\" class=\"size-medium wp-image-1550 \" title=\"TeBe - dt. Meister 2:1\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/TeBe_dt_Meister_2zu1-620x887.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/TeBe_dt_Meister_2zu1-620x887.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/TeBe_dt_Meister_2zu1-69x100.jpg 69w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/TeBe_dt_Meister_2zu1.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1550\" class=\"wp-caption-text\">Eine Reihe von prominent besetzten Freundschaftsspielen legt in den 1920er Jahren den Grundstein f\u00fcr den Erfolg. Hier gegen den amtierenden Deutschen Meister, den 1. FC N\u00fcrnberg. Foto: Photo-Union, Paul Lamm; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>In dieser Situation ist das gut ausgebildete und teilweise wohlhabende Gr\u00fcndermilieu gefragt. Mit unternehmerischem Ehrgeiz und akademischer Systematik machen sich Alfred Lesser, die Br\u00fcder B\u00f6hme, Ulrich R\u00fcdiger, Kurt Kamke, Georg Gumpel, die Br\u00fcder Lutzenberger, Theo Sachs, Aute Weber, Julius Guth sowie Jacques und Leopold Karp &#8212; um nur einige zu nennen &#8212; daran, den Club wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen. Zu ihnen sto\u00dfen Neumitglieder wie die Bankiers Max Berglas und Georg Michaelis. Gemeinsam gelingt es, trotz manchmal gro\u00dfer Differenzen in den sportpolitischen Auffassungen, den Club mit einem auch heute noch modern anmutenden Sportmanagment auszustatten und die sportliche Leitung eng an die eben erst entstehenden Sport- und Trainingswissenschaften anzubinden, namentlich an die <span style=\"font-variant: small-caps;\">Deutsche Hochschule f\u00fcr Leibes\u00fcbungen<\/span>. Dort t\u00e4tig sind Trainer und Sportler wie Richard Girulatis, Otto Nerz oder Sepp Herberger. Au\u00dferdem k\u00f6nnen leistungsstarke Spieler wie Herrmann Lux, Konrad Patrzek oder Otto Martwig verpflichtet werden, zu denen der eigene Nachwuchs st\u00f6\u00dft, auf dessen Ausbildung gr\u00f6\u00dfter Wert gelegt wird. Lange vor ihrer Etablierung in der Reichsauswahl erprobt Otto Nerz bei den Veilchen Taktiken und Spielsysteme, die er sich bei zahlreichen Besuchen beim englischen Profifu\u00dfball abgekuckt hat. Auch sein Student Sepp Herberger versucht sich in den neuen Taktiken. Tennis Borussia hat als einer der ersten Vereine im deutschen Sprachraum einen professionellen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Ebenso einen Sportarzt. Tennis Borussia ist eine Wiege des modernen Fu\u00dfballs in Deutschland.<\/p>\n<p>Trotzdem bleibt Tennis in Berlin sportlich nur die Nummer Zwei hinter Hertha BSC.<\/p>\n<p>Im April 1925 wird die Boxabteilung gegr\u00fcndet. Und wieder ist Alfred Lesser Herz und Seele des Erfolgs. Die lila-wei\u00dfen Boxer mausern sich rasch zur Nummer Eins in Berlin und Brandenburg.<\/p>\n<p><strong>Die Machtergreifung<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_190\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-190\" class=\"size-medium wp-image-190 \" title=\"Neppach\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Neppach_300dpi-620x394.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Neppach_300dpi-620x394.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2011\/03\/Neppach_300dpi.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-190\" class=\"wp-caption-text\">Die Tennis Borussin Nelly Neppach, Deutsche Meisterin von 1925, nahm sich nach dem Ausschluss von J\u00fcdinnen und Juden aus dem deutschen Tennis das Leben. Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom<\/p><\/div>\n<p>1933. Lesser, Sachs, Gumpel, Guth, Berglas, Michaelis, der Vereinsarzt Wisotzki, ehemalige sportliche Leistungstr\u00e4ger wie die Br\u00fcder Leiserowitsch, der amtierende Deutsche Meister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht Erich Seelig, die Deutsche Tennismeisterin im Dameneinzel von 1925 Nelly Neppach neben vielen anderen Tennis Borussen, die leider namenlos bleiben m\u00fcssen &#8212; sie alle m\u00fcssen den Verein nach der sog. Machtergreifung der Nazis den Verein verlassen.<\/p>\n<p>Kategorien wie <em>Religion<\/em> oder <em>Herkunft<\/em> hatten bis dahin nie eine Rolle bei TeBe gespielt. Im Gegenteil. <em>Auch soll ein Sportsverein vern\u00fcnftigerweise nicht fanatisch national gef\u00fchrt werden. Internationale Beziehungen, mit W\u00fcrde gepflegt, vermitteln die verschiedenen Kulturen, f\u00f6rdern das gegenseitige V\u00f6lkerverstehen und damit den notwendigen V\u00f6lkerfrieden,<\/em> hatte der ehemalige Fu\u00dfballer Ernst Ro\u00dfkopf im Januar 1928 geschrieben. 1925 war es den Jugendleitern zur Aufgabe gemacht worden, die jugendlichen Veilchen nicht nur sportlich zu fordern und f\u00f6rdern, ihnen solle auch Gelegenheit geben werden, <em>sich im parlamentarischen Sprachgebrauch<\/em> zu \u00fcben &#8212; republikanische \u00dcberzeugungen waren im Sportbetrieb der Weimarer Republik nicht eben eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Und als ersten Trainer der Boxer hatte Lesser den ehemaligen t\u00fcrkischen Fu\u00dfballer und Boxprofi Sabri Mahir verpflichtet, den die Wirren des Ersten Weltkriegs nach Berlin verschlagen hatten und der auf dem Kurf\u00fcrstendamm erfolgreich ein Box-Gym betrieb. Auch solche Personalentscheidungen w\u00e4ren anderswo undenkbar gewesen.<\/p>\n<p><strong>1945: Ein Neuanfang<\/strong><\/p>\n<p>Konrad, genannt <em>Konny<\/em> Friedl\u00e4nder \u00fcberlebt das KZ. Er geh\u00f6rt zu den <em>15 Versprengten<\/em>, von denen die erste Ausgabe der Club-Nachrichten nach dem Krieg (1951) spricht, die 1945 den Wiederaufbau des Vereins betreiben. Ebenfalls wieder aktiv im Verein sind Georg Michaelis und Kapellmeister Leopold Leiserowitsch, dessen Bruder Fritz von den Nazis ermordet worden war. Simon, <em>Sim-Sim-Simsalabim<\/em>, Leiserowitsch, dem ersten echten Fu\u00dfballstar in Berlin, war die Flucht nach Pal\u00e4stina gelungen. Er trainiert in den 1950er Jahren die Fu\u00dfballer von Makkabi Haifa. Andere melden sich zum 50ten Vereinsjubil\u00e4um aus der Emigration. Zur Festgemeinde geh\u00f6ren 1952 Dr. Adolf Wisotzki und Alfred Lessers Witwe Tutti, die 1951 aus New York an den Verein schreibt, sie lege ihrem Alfred stets lila-wei\u00dfe Blumen aufs Grab, <em>Tennis Borussia geh\u00f6rte doch so sehr zu seinem Leben!<\/em>Auch Jacques Karp, der FuWo-Mitbegr\u00fcnder Gustav Eduard Zand, Walter Gore, vormals Goldfeld, Max Berglas und Erich Seelig halten den Kontakt zu ihren Veilchen, um nur einige zu nennen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1513\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1513\" class=\"size-medium wp-image-1513 \" title=\"Mannschaft 1950er &amp; Scholz &amp; Wemhoener\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Mannschaft_1950er__Scholz__Wemhoener-620x393.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Mannschaft_1950er__Scholz__Wemhoener-620x393.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Mannschaft_1950er__Scholz__Wemhoener-100x63.jpg 100w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Mannschaft_1950er__Scholz__Wemhoener.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1513\" class=\"wp-caption-text\">Die Stars der 1950er Jahre. Die Erste Herren zusammen mit den Boxern Bubi Scholz und Dieter Wemh\u00f6hner (hinterste Reihe). Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>Nach dem Krieg darf zun\u00e4chst nur in kommunalen Sportgruppen Sport getrieben werden. Die Wahl der Tennis Borussen f\u00e4llt auf die SG Charlottenburg. Ein kluger Zug. Denn das Stadion der SG Charlottenburg \u00fcberstand den Krieg weitgehend intakt. Und ins Stadion Mitte (Polizeistadion) im Ostteil der Stadt will man aus politischen Gr\u00fcnden nicht. Auch diese Entscheidung erweist sich als hellsichtig. <em>Sportler gegen uns<\/em>, notiert Wilhelm Pieck 1948 w\u00fctend, und gibt damit den Tenor vor. Die SED entschlie\u00dft sich nach einigem Hin und Her, den Sportbetrieb au\u00dferhalb der hergekommenen Vereinsstrukturen zu organisieren. Die Entscheidung f\u00fcr das Polizeistadion w\u00e4re damit das Ende der Tennis Borussia gewesen. Im Mommsenstadion der SG Charlottenburg hingegen blicken die Veilchen zun\u00e4chst in eine bl\u00fchende Zukunft. In der Saison 1946\/47 schie\u00dft sich die SG Charlottenburg zur Stadtmeisterschaft. Allein auf Hanne Berndts Konto gehen 53 von 89 Treffern. Er l\u00e4utet damit ein lila-wei\u00dfes Jahrzehnt ein (die R\u00fcckbenennung erfolgt 1949). Im Fu\u00dfball sind die Lila-Wei\u00dfen mit den Meisterschaften von\u00a01950, 1951, 1952 und 1958 die unumstrittene Nummer Eins in der Stadt. Die Boxer schauen stolz auf ihre \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Boxstaffel um den Europameister Dieter Wemh\u00f6hner, und auch die 1949 neu gegr\u00fcndete Tischtennisabteilung spielt \u00fcber zwei Jahrzehnte ganz oben mit.<\/p>\n<p><strong>Zu sp\u00e4t: die Bundesliga<\/strong><\/p>\n<p>1963 endlich wird eine alte Forderung Otto Nerz&#8216; umgesetzt: der Trainer der Veilchen hatte bereits in den 1920er Jahren laut \u00fcber eine landesweite Spielklasse nachgedacht. Doch die Bundesliga kommt f\u00fcr die Tennis Borussen zu sp\u00e4t. Der Staffelstab muss Anfang der 1960er Jahre wieder an die Hertha weitergereicht werden. TeBe gelingt es in der Folge zwar immer wieder einmal, in die h\u00f6chste deutsche Spielklasse vorzudringen (1974\/75 &amp; 1976\/77), kann sich dort aber nie festsetzen. Die 1980er Jahre verbringen die Veilchen in der Oberliga, mit einem Ausrei\u00dfer 1985\/86 in der Zweiten Bundesliga.<\/p>\n<p><strong>Schicklichkeit und Anstand? Frauenfu\u00dfball!<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1504\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Fussball_Nr9_1950_Schiedsrichterin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1504\" class=\"size-medium wp-image-1504 \" title=\"Fussball Nr. 9 1950 Schiedsrichterin\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Fussball_Nr9_1950_Schiedsrichterin-620x460.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Fussball_Nr9_1950_Schiedsrichterin-620x460.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Fussball_Nr9_1950_Schiedsrichterin-100x74.jpg 100w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/Fussball_Nr9_1950_Schiedsrichterin.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1504\" class=\"wp-caption-text\">Frauen und Fu\u00dfball? In den 1950er Jahren allenfalls ein Thema von Altherrenwitzen. Illustration: Fu\u00dfball. Illustrierte Sportzeitung Nr. 9, 1950; Sammlung: Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1969 wird die Abteilung f\u00fcr M\u00e4dchen- und Frauenfu\u00dfball gegr\u00fcndet &#8212; sie ist eine der ersten im Geltungsbereich des DFB. Das Risiko, das die Verantwortlichen mit diesem Schritt eingehen, ist hoch, denn als nach der Euphorie der gewonnenen Weltmeisterschaft von 1954 auch der Frauenfu\u00dfball boomt, hatte der Verband im Juli 1955 offiziell ein Verbot erlassen und seinen Mitgliedern empfindliche Strafen angedroht, sollten die Vereine sich auch nur darauf einlassen, Frauenmannschaften Pl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung zu stellen. <em>Weibliche Anmut, K\u00f6rper und Seele<\/em> w\u00fcrden <em>unweigerlich Schaden<\/em> erleiden, hie\u00df es von offizieller Seite. Das <em>Zurschaustellen des K\u00f6rpers<\/em> verletzte <em>Schicklichkeit und Anstand<\/em>. Am Anfang des Frauenfu\u00dfballs bei Tennis Borussia stehen <em>ein bisschen Kn\u00f6delei, Spa\u00df und Geselligkeit. Frauen der Regionanlliga-Spieler und der &#8222;Stachelschweine&#8220;, ehemalige Handballerinnen schlossen sich zusammen<\/em>, hei\u00dft es in der Festschrift von 1977. Doch Kn\u00f6delei und Spa\u00df nehmen bald sehr ambitionierte Z\u00fcge an, denn Ende Oktober 1970 muss der DFB das Verbot des Frauenfu\u00dfballs aufgeben, und die Veilchen Ladies spielen von Anfang an ganz oben mit. Zu Buche stehen 13 Berliner Meisterschaften, drei Deutsche Vizemeistertitel und elf Berliner Pokalsiege. Der erste Trainer der Frauen ist der sp\u00e4tere Schlagerproduzent Jack White, der in den 1990er Jahren als Pr\u00e4sident die Geschicke der Veilchen in die Hand nimmt.<\/p>\n<p><strong>Die 1990er Jahre: Auftakt zum Abstieg<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1534\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1534\" class=\"size-medium wp-image-1534 \" title=\"1974 White, Schnellinger und Gawliczek\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/1974_White_Schnellinger_Gawliczek-620x458.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/1974_White_Schnellinger_Gawliczek-620x458.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/1974_White_Schnellinger_Gawliczek-100x73.jpg 100w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/1974_White_Schnellinger_Gawliczek.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1534\" class=\"wp-caption-text\">Bereits 1974 zahlte Jack White (links) aus seiner Privatschatulle: f\u00fcr Karl-Heinz Schnellinger (mitte), der vom AC Mailand kam. Rechts: Trainer Gawliczek. Schnellingers Gehalt: 10.000 DM monatlich. Das Foto zeigt eine Szene nach der Vertragsunterzeichnung. Foto: Schirner; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr die erste Herrenmannschaft \u00f6ffnen sich erst als Jack White nach der Wende die Pr\u00e4sidentschaft \u00fcbernimmt erneut Perspektiven. 1992\/93 steigen die Veilchen in die Zweite Bundesliga auf &#8212; um in der folgenden Saison umgehend wieder abzusteigen. Als Jack White 1997 den Verein verl\u00e4sst, hinterl\u00e4sst er eine prek\u00e4re Situation. F\u00fcr das Geld, das er in den Verein investiert hatte, lie\u00df er sich Darlehensvertr\u00e4ge unterzeichnen. Auf 5,8 Millionen DM plus Zinsen beziffert sich der Streitwert, als man sich 1998 vor Gericht trifft. Es nimmt also nicht Wunder, dass der Club nach dem Strohhalm greift, als mit der G\u00f6ttinger Gruppe ein Finanzdienstleister im Eichkamp an die T\u00fcren klopft und verspricht, den Verein zu entschulden. Zwar sind die sportlichen Ziele grotesk hoch gesteck &#8212; bis in die Champions League soll der Weg f\u00fchren &#8211;, doch das Gr\u00f6bste ist zun\u00e4chst abgewendet. Auch sportlich l\u00e4sst es sich erst einmal gut an. Das von Trainer Hermann Gerland gut eingestellte Star-Ensemble steigt 1998 in die Zweite Liga auf und spielt 1998\/99 an der Tabellenspitze mit. Im Oktober 1998 gelingt, worauf die Veilchen Jahrzehnte warten mussten: in einem packenden Viertelfinale kegeln die Lila-Wei\u00dfen den Stadtrivalen Hertha BSC aus dem DFB-Pokal.<\/p>\n<p><strong>Abstiege: Die G\u00f6ttinger Gruppe<\/strong><\/p>\n<p>Trotz seiner unumstrittenen Erfolge wird Tiger Gerland noch im Winter 1998\/99 von den G\u00f6ttingern seines Amtes enthoben, weil er sich im Vertragspoker zu lange nicht entscheiden mag. Die Saison kann mit einem nur knapp verpassten Aufstieg in die erste Liga dennoch recht erfolgreich abgeschlossen werden, aber Gerlands Nachfolger Winnie Sch\u00e4fer kann nicht mehr daran ankn\u00fcpfen. Nur \u00e4u\u00dferst knapp gelingt am letzten Spieltag der Saison 1999\/2000 der Nichtabstieg in Chemnitz. Zwischenzeitlich ger\u00e4t die G\u00f6ttinger Gruppe unter Druck. Es ist die Rede von dubiosen Gesch\u00e4ften, von Schneeballsystem und von Betrug. (Sp\u00e4ter werden die Gerichte entscheiden, dass diese Vorw\u00fcrfe juristisch nicht haltbar sind. Trotzdem geraten die Verantwortlichen ins Visier der Justiz, u. a. wegen Insolvenzverschleppung, wegen Untreue und wegen Steuerhinterziehung.) Wenige Tage nach dem Spiel in Chemnitz steigt TeBe am gr\u00fcnen Tisch ab, es fehlt eine B\u00fcrgschaft.<\/p>\n<p>Nach dem Durchmarsch durch die Regional- in die Oberliga (2000\/01) spielt TeBe viele Jahre in der Viertklassigkeit. Kurz nach dem 100j\u00e4hrigen Vereinsjubil\u00e4um reicht Tennis Borussia das erste Insolvenzverfahren ein, das in 2004 abgeschlossen wird. 2009 gelingt der Aufstieg in die mittlerweile viertklassige Regionalliga (die Dritte Liga wurde 2008 eingef\u00fchrt), doch die Tennis Borussen k\u00f6nnen sich nicht lange daran freuen. Erneut bricht der Hauptsponsor weg, erneut m\u00fcssen die Veilchen in die Insolvenz, erneut erdulden sie einen Abstieg.<\/p>\n<p>Unter g\u00e4nzlich ungekl\u00e4rten Verh\u00e4ltnissen starten die Veilchen in die Oberlligasaison 2010\/11 &#8212; und wieder steigen sie ab.<\/p>\n<p>Seit 2011\/12 l\u00e4uft die Erste Herren in der sechstklassigen Berlinliga auf.<\/p>\n<div id=\"attachment_1556\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1556\" class=\"size-full wp-image-1556 \" title=\"TeBe - Borea 2011\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/P1150499.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/P1150499.jpg 840w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/P1150499-620x305.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/01\/P1150499-100x49.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-1556\" class=\"wp-caption-text\">Tennis Borussia 2011 in der Relegation gegen Borea Dresden. Foto: Buschbom.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tennis, was&#8230;? Es ist der 9. April 1902. In der Konditorei An der Spandauer Br\u00fccke 13 finden sich zw\u00f6lf junge Herren ein, teils von der Kameradschaftlichen Vereinigung &#8222;Borussia&#8220;, teils von der Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft. 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