{"id":823,"date":"2012-02-09T18:25:45","date_gmt":"2012-02-09T17:25:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/?p=823"},"modified":"2014-08-23T16:32:48","modified_gmt":"2014-08-23T14:32:48","slug":"veilchen-verpassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/veilchen-verpassen\/","title":{"rendered":"Veilchen verpassen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tennis Borussia, die Boxabteilung &amp; der Deutsche Meister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht Erich \u201eEte\u201c Seelig<\/strong><\/p>\n<p>1924 \u2013 es knirscht gewaltig im Getriebe des Sportclub Charlottenburg (SCC).<\/p>\n<p>Die im Sommer 1920 gegr\u00fcndete Boxabteilung entwickelt sich pr\u00e4chtig. Harry Stein h\u00e4lt zwei Jahre lang den deutschen Amateurtitel im Fliegengewicht (1922 &amp; 1923), bevor er erfolgreich ins Profilager wechselt. Der Erfolg der Charlottenburger beschert den Boxern einen Ansturm auf die Abteilung. <em>Die Trainingshalle befand sich in der Rosinenstra\u00dfe zu Charlottenburg. Sie war ein vortrefflicher Boden, jeder Tag brachte uns neue Mitglieder, und es herrschte zeitweise ein be\u00e4ngstigender Betrieb. <\/em>Innerhalb k\u00fcrzester Zeit avanciert die Boxabteilung des SCC zum <em>kampfst\u00e4rksten<\/em> <em>Boxverein<\/em> in Berlin n\u00e4chst dem SC Heros 03.<\/p>\n<p>Doch trotz solcher Erfolge schauen nicht wenige Vereinsfreunde auf die Boxer herab, denn, so notiert es der Boxer und Sportjournalist Alfred Eggert, <em>wir<\/em> <em>begegneten oft mitleidigen Blicken der Klubkameraden von der anderen \u201eFakult\u00e4t\u201c, die anscheinend unsere Zurechnungsf\u00e4higkeit anzweifelten.<\/em> Es herrscht die Vorstellung vor, dass Boxabteilungen nicht in allgemeine Sportvereine zu integrieren seien. Ablehnung und Unverst\u00e4ndnis im Gesamtverein sorgen f\u00fcr <em>schwierigste Verh\u00e4ltnisse<\/em>, denen sich die Boxpioniere des SCC mit <em>entschlossenem Wagemut<\/em> stellen.<\/p>\n<p>1924 erfolgt der Zusammenbruch der Abteilung, als ein Gro\u00dfteil der Leistungstr\u00e4ger, darunter Stein, Peter, Eggert, Grix, Ehrenberg, in dem J\u00fcdischen Box-Club (JBC) \u201eMakkabi\u201c eine neue sportliche Heimat finden.<\/p>\n<div id=\"attachment_1687\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1687\" class=\"size-medium wp-image-1687\" title=\"Seelig\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig-620x933.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig-620x933.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig-66x100.jpg 66w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig.jpg 840w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><p id=\"caption-attachment-1687\" class=\"wp-caption-text\">Illustration: Album Nestl\u00e9. Sports &#8212; Contes &#8212; Explorations. S\u00e9rie No. 14. Boxe. Timbre No. 12. Erich Seelig. Quelle: Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<p>Nach dem Aderlass sind die beim SCC verbliebenen Boxer auch sportlich angez\u00e4hlt. In dieser Situation kommt ein unwiderstehliches Angebot von TeBe-Gr\u00fcndungsmitglied Alfred Lesser. <em>Exzellenz<\/em> hat sich entschlossen, <em>8 gro\u00dfe R\u00e4ume, die sich an sein B\u00fcro anschlie\u00dfen, in eine gro\u00dfe komfortabel eingerichtete Box-Trainingshalle umzuwandeln. Die Decken der dar\u00fcber liegenden Wohnung wurden entfernt, so dass ein architektonisch circensischer Charakter erzielt wird. Der Kampfraum wird 2000 Sitzpl\u00e4tze bieten \u2026 Als Manager f\u00fcr das Unternehmen wirkt Sabri Mahir, der gleichzeitig auch die technische Trainingsleitung in H\u00e4nden hat. Lesser selbst wird sich zum Professional ausbilden und hofft nach 3 Monaten ernsten Trainings f\u00fcr den ersten Kampf fit zu sein.<\/em>Die einzige Bedingung, die Lesser stellt: Die Boxabteilung des SCC soll unter dem Dach der Tennis Borussia fortgef\u00fchrt werden. Und so kommt es, dass sich nach der offiziellen Gr\u00fcndung der Boxabteilung im M\u00e4rz 1925 eine wahre Flut an Mitgliedsantr\u00e4gen in die Gesch\u00e4ftsstelle ergie\u00dft. Allein im Mai 1925 begr\u00fc\u00dfen die Veilchen 51 neue Mitglieder in der soeben erst gegr\u00fcndeten Boxabteilung. Darunter die Br\u00fcder Josef, Heinz und Erich Seelig, wohnhaft in der C\u00f6penicker Stra\u00dfe 48, Berlin SO 16.<\/p>\n<p>Erich ist kein Boxer, und am wenigsten glaubt er selbst daran. Er ist <em>ein verweichlichtes und verw\u00f6hntes Kind<\/em>, wie er Jahre sp\u00e4ter dem Magazin Boxsport verr\u00e4t, a<em>u\u00dferdem \u201epetzte\u201c er sofort jeden Streich und jede Uebeltat seiner drei Br\u00fcder. Kam es einmal zu einer Keilerei unter den Br\u00fcdern, konnte man wetten, dass Erich Seelig als erster heulend den Kampfplatz verlie\u00df.<\/em><\/p>\n<p>Die Seeligs waren 1918 aus Danzig nach Berlin \u00fcbersiedelt, Heinrich, der \u00e4lteste Bruder, ist Getreideh\u00e4ndler. Einmal ger\u00e4t er am Schlesischen Bahnhof mit <em>zwei handfesten Rollkutschern<\/em> aneinander und bezieht <em>Senge<\/em>. Das darf nicht passieren! Heinrich beschlie\u00dft, Mitglied der Boxabteilung des SCC zu werden. Da wollen die j\u00fcngeren Br\u00fcder, Josef und Erich, nicht hintanstehen. Doch Erich hat sein boxerisches Aha-Erlebnis erst bei den Veilchen.<\/p>\n<blockquote><p>Erich konnte sich immer noch nicht mit dem Boxen anfreunden, bis er eines Tages sein Herz entdeckte. In einem Trainingskampf mit Walter Peter machte Erich Seelig zuerst keine gute Figur. Dann aber lie\u00df Peter den jungen Seelig sich austoben. Von diesem Trainingskampf an war Erich Seelig wie verwandelt. Er hatte pl\u00f6tzlich Interesse und Lust bekommen, nicht nur das Boxen, sondern auch das K\u00e4mpfen gefiel ihm.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der 14-J\u00e4hrige ist <em>ein ganz eigenartiger K\u00e4mpfertyp.<\/em> Er ist schnell, <em>wie man dies noch nie bei einem deutschen Boxer seiner Klasse sah.<\/em> Blitzschnell erfasst er die Situation, weicht aus, <em>er wird fast nie im Kampf getroffen. Erich erobert <\/em>alsbald s\u00e4mtliche lila-wei\u00dfen Herzen:<\/p>\n<blockquote><p>Seelig, \u2013 na, der Junge ist ein Kapitel f\u00fcr sich. Wir k\u00f6nnen uns freuen, dass wir ihn haben, denn er ist bereits erste Klasse und geh\u00f6rt zu denen, die den Marschallstab im Tornister tragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber bei Tennis Borussia ist man zu sehr der Jugend verpflichtet, um solches Lob uneingeschr\u00e4nkt auszusprechen, und dass dem mittlerweile 16-J\u00e4hrigen nicht der Kamm schwelle, f\u00e4hrt Eggert fort, <em>aber: das Bittere ist die Kehrseite der Medaille. Dieser hochveranlagte Boxer, der bei sachgem\u00e4\u00dfer Anleitung alles erreichen k\u00f6nnte, erf\u00fcllt uns F\u00fchrer mit tiefer Bitternis. Er l\u00e4sst sich nicht leiten und legt sich in seinem Training keine Hemmungen auf. Mit riesigem Kr\u00e4fteverbrauch bereitet er sich vor, h\u00e4lt sich in Form und ruft in uns die Bef\u00fcrchtung wach, dass er sich vorzeitig aufzehrt. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr bei diesen jugendlichen, noch in st\u00e4rkstem Wachstum befindlichen K\u00f6rpern, Uebereifer und Ma\u00dflosigkeit im Training.<\/em><\/p>\n<p>Die Zuckerbrot-und-Peitschen-P\u00e4dagogik scheint bei Erich Seelig auf fruchtbaren Boden zu fallen. Denn als Hans Rieke nur wenige Monate sp\u00e4ter die <em>gr\u00f6\u00dfte Dummheit seines Lebens <\/em>begeht und TeBe verl\u00e4sst, um Profi zu werden, springt <em>Seelig in die Bresche<\/em>.<\/p>\n<p>Den Deutschen Weltergewichtsmeister Rieke 1925 aus Hamburg zu den Veilchen gelotst zu haben, war ein weiterer Coup von <em>Exzellenz<\/em> Lesser. Er hatte ein Team sportlich komplettiert, das vielleicht nicht aus <em>Killern<\/em> bestand, wie es in der Festschrift zum 25. Vereinsjubil\u00e4um hei\u00dft, aber <em>es sind doch alles harte, und vor allem durchweg intelligente Jungen, die es verstehen, ihr Hirn beim Kampf zu benutzen, die, wie es im Jargon hei\u00dft, \u201emit dem Kopf boxen\u201c<\/em>. Rieke war einer, der den jungen Veilchen mit Boxhandschuhen zum Vorbild wurde \u2013 er war der Leistungstr\u00e4ger in der lila-wei\u00dfen Boxmannschaft.<\/p>\n<p>Im September 1927 boxt die Staffel der Veilchen um die Mannschaftsmeisterschaft des Brandenburgischen Box-Verbandes, und da fehlt einer wie Hans Rieke:<\/p>\n<blockquote><p>Er war immerhin unser bester Mann und er wird uns, wo wir uns gerade jetzt mit gro\u00dfen Projekten tragen, fehlen. Aber das m\u00fcssen wir vergessen.<\/p>\n<p>Seelig ist in die Bresche gesprungen, und er wird jetzt erst einmal unter den Berliner Weltergewichtlern etwas aufr\u00e4umen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00e4chlich ist es der 17-J\u00e4hrige, der am 14. September gegen Teutonia in den Germanias\u00e4len in der Chausseestra\u00dfe den einzigen Sieg erboxt<em>.<\/em><\/p>\n<p>Es \u00fcberhaupt in die Endrunde um die Berliner Meisterschaft geschafft zu haben, ist\u00a0 ein unglaublicher Erfolg. Und solche Auftritte tragen dazu bei, dass die lila-wei\u00dfe Boxabteilung nur zwei Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung boomt.<\/p>\n<blockquote><p>Im Boxen haben wir einen Aufstieg zu verzeichnen, der dem der Fu\u00dfballabteilung gleicht. Die K\u00e4mpfe unserer Boxer finden heute Tausende von Zuschauern, wir stellten Meister und haben eine zielbewu\u00dfte Boxleitung, die aus eigener Kraft guten Nachwuchs herausbringt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gro\u00dfen Anteil hat Alfred Lesser. Exzellenz verpflichtet bekannte Trainer, und er ist es, der es als Pressewart des Boxverbandes (BBV) durchsetzt, dass <em>allabendlich die Boxresultate durch Rundfunk ver\u00f6ffentlicht werden<\/em>. Vor allem aber boxt sich der junge Erich Seelig mit seinem unvergleichlichen Stil in die Herzen der Sportbegeisterten. Ein franz\u00f6sischer Sportreporter notiert begeistert:<\/p>\n<blockquote><p>Erich Seelig ist im Ring ein au\u00dferordentlich gef\u00e4hrlicher Mann. Zun\u00e4chst nat\u00fcrlich, weil er anzugreifen wei\u00df, und seine Angriffe sind wirkungsvoll. Dann aber auch, weil er abzuwarten versteht. Selten sah man einen Boxer, der sich so sehr darauf versteht, seinen Gegner in die Falle zu locken. Nach einem dieser Blitzangriffe, die sein ganzes Geheimnis sind, richtete er sich aufs Vorz\u00fcglichste darin ein, seinen Gegner zu Reaktionen zu provozieren und ihn dann im Gegenschlag als Fallobst zu ernten, wie man nun zweifellos wei\u00df.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die boxenden Veilchen sind keine Eintagsfliege. Die Abteilung erringt dreimal in Folge die Berlin-Brandenburgische Mannschaftsmeisterschaft: 1929, 1930 und 1931. Im Mittelgewicht kann Seelig 1929 die Brandenburgische Meisterschaft f\u00fcr sich gewinnen und qualifiziert sich f\u00fcr die Deutsche Meisterschaft, wo er in der Endrunde gegen Skibinski (Bochum) den <em>besten Kampf seiner Laufbahn <\/em>bestreitet und boxt, <em>wie man es noch nie vorher von ihm sah.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Wir erwarteten also unseren Ette als Deutschen Meister, aber die Richter entschieden anders. \u2026 Trotzdem er von den Richtern besiegt wurde, gratulieren wir ihm\u2026<\/p><\/blockquote>\n<p>Anfang 1931 entscheidet sich Erich zu einem schweren Schritt: <em>\u201eEte\u201c Seelig Berufsboxer!<\/em>, melden die Club-Nachrichten.<\/p>\n<blockquote><p>Ehrgeiz, Mut, Energie waren im besonderen die Kennzeichen, mit denen er viele Borussen und Boxinteressierte begeisterte \u2026 Er hat einen erheblichen Anteil daran, dass der Name \u201eTennis-Borussia\u201c auch im Boxsport einen guten Klang hat. Das werden wir ihm nicht vergessen! Dazu ist uns Ete in seiner treuen, frohen Art ein guter, \u00fcberall gern gesehener Kamerad gewesen! So wird uns der Abschied von ihm in doppelter Hinsicht schwer. Unsere besten W\u00fcnsche geleiten Dich, lieber Ete, auf dem Wege in die f\u00fcr Dich neue Welt. M\u00f6ge sie Dir Erfolg und Freude bringen \u2013 da w\u00fcrde auch uns Freude vermitteln!<\/p><\/blockquote>\n<p>In den folgenden Jahren blickt man allerorten in selige Veilchengesichter, kommt die Sprache auf Ete Seelig. Denn Erich startet eine Bilderbuchkarriere als Profiboxer. Binnen eines Jahres boxt er sich zum Deutschen Meistertitel in gleich zwei Gewichtsklassen! Am 12. November 1931 gegen Hans Seifried im Mittelgewicht und am 26. Februar 1933 gegen Helmut Hartkopp im Halbschwergewicht. Den Titel im Halbschwergewicht verteidigt er am 26. Februar 1933 gegen Helmut Hartkopp.<\/p>\n<p>Dann 1933. Am 31. Januar ernennt Pr\u00e4sident von Hindenburg den Reichskanzler Hitler. Als die Nazis sich daranmachen, ihre Macht auszubauen, ist Seelig amtierender Meister in beiden Klassen. Am 3. April\u00a0 schlie\u00dft der Verband, der Verein deutscher Faustk\u00e4mpfer, die j\u00fcdische Mitgliedschaft aus dem Verband aus, kurz darauf sprechen die Nazis Erich beide Meistertitel ab. Sollte er es wagen, f\u00fcr die Titelverteidigung im Halbschwergewicht, die unmittelbar bevorsteht, in den Ring zu steigen, wird er sein Leben riskieren, drohen die Nazis. Am Abend jenes 11. April, an dem das Verbandsmagazin Box-Sport die Aberkennung der Titel Erich Seeligs offiziell vermeldet, erkl\u00e4rt ein Teil der j\u00fcdischen Mitgliedschaft des Berliner Tennis-Club \u201eBorussia\u201c auf einer au\u00dferordentlichen Mitgliederversammlung seinen Vereinsaustritt.<\/p>\n<p>Zusammen mit seinem Bruder Heinz flieht Erich Seelig nach Paris, doch Ete wirft das Handtuch nicht.\u00a0 Kurz nach seiner Ankunft klettert er in den Ring, um am 23. Mai dem amtierenden Weltmeister im Mittelgewicht, Marcel Thil, gegen\u00fcberzutreten. Mancher Franzose reibt sich verwundert die Augen: Eric, wer? Der Deutsche gilt als krasser Au\u00dfenseiter, aber Ete schl\u00e4gt sich trotz mangelhafter Vorbereitung wacker:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben (ohne ihn zu kennen) schon vor der Ankunft Seeligs gesagt, der in Paris Zuflucht sucht, dass der Sachverhalt, ihm die beiden deutschen Meistertitel im Mittelgewicht und Halbschwergewicht abzusprechen, zu Seeligs Gunsten spricht. Gegen Marcel Thil k\u00e4mpfte Seelig, der sich noch nicht akklimatisiert hatte, keinen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kampf, aber er hatte trotzdem gen\u00fcgend Mu\u00dfe, uns seine Qualit\u00e4ten zu zeigen: Tempo, Feuer und Mut. \u2026 Erich Seelig hat den Punch.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser und die folgenden K\u00e4mpfe im franz\u00f6sischen Exil sind wohl die wichtigsten Auftritte seines Lebens. Gegen Thil verliert Seelig h\u00f6chst achtbar, danach zeigt er sich in f\u00fcnf gewonnen Fights auf Augenh\u00f6he mit der europ\u00e4ischen Boxelite. Es sind diese K\u00e4mpfe, mit denen Ete Seelig den Nazis daheim ein Veilchen verpasst. Denn sein Mut, sein Durchhalteverm\u00f6gen, seine Intelligenz im Kampf sowie seine Nehmer- und Geberqualit\u00e4ten lassen ihm die Herzen zufliegen und sorgen f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t. Die gro\u00dfe franz\u00f6sische Sportillustrierte match berichtet:<\/p>\n<blockquote><p>Die Freude der Seelig-Freunde, die so zahlreich in der Halle sind, unb\u00e4ndig, tobend. Aber man versteht sie. Diese tapferen Leute werden, seien Sie\u00a0 davon \u00fcberzeugt, noch viele weitere Gelegenheiten haben, sich zu erheitern.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_866\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/33Jun.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-866\" class=\"size-full wp-image-866  \" title=\"33Jun\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/33Jun.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/33Jun.jpg 486w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/33Jun-72x100.jpg 72w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-866\" class=\"wp-caption-text\">The Ring Magazine, Juni 1933. Quelle: Boxing Records, boxrec.com<\/p><\/div>\n<p>Den 8. Juni 1933 tragen sich Boxfreunde auf der ganzen Welt rot in ihre Kalender ein. Auf dem Programm steht ein Kampf in der K\u00f6nigsklasse des Boxens, dem Schwergewicht. Der Kalifornier Max Baer gegen den Deutschen Max Schmeling, der sich den martialischen Kampfnamen \u201eder schwarze Ulan\u201c<em> <\/em>zugelegt hat. Schmeling reist mit besonderem Auftrag Hitlers in die USA. <em>Vielleicht fragt man sie dr\u00fcben, wie es in Deutschland aussieht<\/em>, hatte der Reichskanzler Schmeling mit auf dem Weg gegeben<em>. Dann k\u00f6nnen sie ja die Schwarzseher beruhigen, wie friedlich hier alles ist und dass alles vorangeht<\/em>. In der Juni-Ausgabe des The Ring Magazine z\u00fcrnt der Gr\u00fcnder und Herausgeber des weltweit einflussreichsten Boxmagazins, Nat Fleischer, \u00fcber den Fall Seelig. Das Hitler-Regime nennt er <em>gr\u00e4sslich<\/em>, den Ausschluss der j\u00fcdischen Boxer aus dem Verband <em>bigott<\/em> und <em>verkommen<\/em>:<\/p>\n<blockquote><p>Der Deutsche Boxverband ersch\u00fctterte die gesamte Boxwelt mit seinem Bann gegen Seelig, der der nationale Titelhalter im Leichtgewicht [sic!] und Mittelgewicht ist, und erkl\u00e4rte seine Titel als vakant, weil er Jude ist. Seelig ist in Deutschland geboren und erlangte f\u00fcr sein Vaterland Ring-Ehren, und trotzdem wurde er seiner Titel enthoben, einfach weil er j\u00fcdischen Glaubens ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur \u00dcberraschung aller steigt Baer mit einem Davidstern auf den Hosen in den Ring. Er selbst ist Katholik, sein Vater Jude. <em>Ich habe den <\/em>Davidstern<em> getragen, weil ich dachte, es ist das Richtige.<\/em> In einer furiosen zehnten Runde schl\u00e4gt Baer Schmeling k. o. <em>That one\u2018s for Hitler!<\/em>, ruft \u201eMadcap Maxie \u201c (so der Kampfname des Kaliforniers), als der schwarze Ulan auf die Bretter geht.<\/p>\n<p>Berlin, einen Tag nach dem Schmeling-Desaster. In der Kreuzberger Bockbrauerei treten am Abend des 9. Juni Adolf Witt und Johann Wilhelm Trollmann an. Dem Gewinner winkt Erich Seeligs Meistertitel im Halbschwergewicht. Noch sind die Nazis sich uneins, wie man einen <em>rassisch <\/em>zu bewerten hat, der in ihren Augen und in ihrer Sprache ein <em>Zigeuner<\/em> ist. <em>Gypsy<\/em>, wie er genannt wird, wehrt sich fr\u00fch gegen seine Zwangseingemeinschaftung in ein ethnisches Kollektiv. <em>Trollmann ist \u00fcber die\u00a0 Bezeichnung \u201eZigeuner\u201c ehrlich emp\u00f6rt<\/em>, berichtet das Magazin Fu\u00dfball bereits 1932, <em>und bittet dringend, ihn nicht mehr so zu nennen. Gypsy<\/em> gehe gerade noch an, aber auch nur deshalb, weil die Deutschen mit der anglisierten Form von \u201eZigeuner\u201c<em> <\/em>in ihrer Mehrheit nichts anzufangen w\u00fcssten.<\/p>\n<blockquote><p>Er verzichtet von Herzen gern auf die Propagandam\u00f6glichkeiten, die die Wut, die ihn jedesmal bei der \u201eVerschimpfierung\u201c [sic!] seines Namens packt, nicht wettmachen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber eines sind sich die Nazis einig: Der Trollmann, dieser Zigeuner, wird f\u00fcr den Arier Witt nur Fallobst sein.<\/p>\n<p><em>Rukeli<\/em> Trollmann, wie er von Freunden genannt wird, verf\u00fcgt \u00fcber eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Boxtechnik, ist wie Seelig einer dieser Boxer <em>mit K\u00f6pfchen<\/em>. Wie besiegt David den Goliath? Rukeli umt\u00e4nzelt Adolf, weicht aus, lauert auf seine Chance und landet Treffer um Treffer. Witt ist nach dem Kampf bis auf die Knochen blamiert. Doch da schreitet der Verbandsoffizielle ein, erkl\u00e4rt den Kampf f\u00fcr ung\u00fcltig. Ungl\u00e4ubiges Schweigen im Publikum, bevor der Sturm losbricht. Toben, Schreien, W\u00fcten. Dem betrogenen Sieger steigen Tr\u00e4nen in die Augen. Schlie\u00dflich \u2013 um das zum \u00c4u\u00dfersten entschlossene Publikum zu beruhigen \u2013 bekommt Rukeli den Titel doch noch zuerkannt. F\u00fcr vier Tage. Dann erh\u00e4lt er ein Schreiben des Verbandes, <em>ein deutscher Boxer darf nicht weinen, erst recht nicht ein Meister in aller \u00d6ffentlichkeit heulen<\/em>, hei\u00dft es darin.*<\/p>\n<p>Johann Wilhelm Trollmann wird 1944 im KZ-Au\u00dfenlager Wittenberge erschlagen werden, weil er in einem jener Schauk\u00e4mpfe, mit denen sich die Wachleute die Zeit vertreiben, nicht freiwillig zu Boden geht.<\/p>\n<p>Beide, Trollmann und Seelig, waren um den Titel im Halbschwergewicht betrogen worden. Der Kampf gegen die Nazis treibt Ete Seelig an.<\/p>\n<p>Seelig emigriert \u00fcber Kuba in die USA und setzt seine Karriere mit einem Ausrufezeichen fort. Anfang Dezember 1935 trifft er auf den ehemaligen Mittel- und Weltergewichtsweltmeister Mickey Walker. Als <em>einer der mutigsten und h\u00e4rtesten Boxer seiner Generation <\/em>erfreut sich<em> <\/em>der 34-J\u00e4hrige au\u00dferordentlicher Popularit\u00e4t. <em>Seelig strafte Walker in jeder Runde ab. In der sechsten Runde schlug er ihm eine b\u00f6se Wunde \u00fcber dem linken Auge, die in der siebten in einem solchen Zustand war, dass Ringrichter Johnny McAvoy sich gen\u00f6tigt sah einzugreifen, um den ehemaligen Titelhalter vor einer schweren Verletzung zu bewahren. \u2026 Das unersch\u00fctterliche Herz eines K\u00e4mpfers und eine Welt von Mut waren alles, was Walker geblieben war. Stoisch nahm er hin, was Seelig ihm entgegenwarf, und stellte sich ihm immer wieder entgegen.<\/em> So beendet Seelig die Karriere eines gro\u00dfen Sportlers.<\/p>\n<p>Bald r\u00fcckt Ete auf Nummer sieben der Mittelgewichtler in den Klassements des Ring Magazine vor und nutzt die damit verbundene Popularit\u00e4t des Spitzensportlers.<\/p>\n<p>New York, einen Tag nach dem Walker-Seelig-Kampf. Vor einem Auditorium von 2.500 Personen sitzen im piekfeinen Mecca Temple der Gouverneur von Pennsylvania, George H. Earle, der B\u00fcrgermeister von New York, Fiorello Henry LaGuardia, Alfred J. Lill vom Amerikanischen Olympischen Komitee und ein Veilchen aus Berlin. Das Komitee f\u00fcr Fair Play im Sport diskutiert \u00fcber einen Boykott der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Ete Seelig sitzt stellvertretend f\u00fcr alle auf dem Podium, die unter der <em>Nazi-Sport-Politik und antisemitischer Diskriminierung<\/em> zu leiden haben. Es werden Stellungnahmen von f\u00fcnf Gouverneuren und sechs Senatoren verlesen, die sich f\u00fcr einen amerikanischen R\u00fcckzug von den Olympischen Spielen aussprechen, drei weitere Senatoren und ein Gouverneur geben ihrer Sympathie f\u00fcr das Anliegen Ausdruck. Mit Gru\u00dfadressen melden sich aus Belgien Maurice Blitz, Mitglied der Nationalmannschaft im Wasserball (olympisches Silber 1920 &amp; 1924), und der belgische Fechtmeister Leon Tom. Die Versammlung erreichen Gru\u00dfadressen des Internationalen und des Pariser Fair Play Komitee. Gouverneur Earle, der sich w\u00e4hrend der Depressionszeit vom beinharten Republikaner zum Parteig\u00e4nger Roosevelts gewandelt hatte, h\u00e4lt eine mitrei\u00dfende Rede:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn ihr wollt, dass eure Kinder nach dem Recht des St\u00e4rkeren erzogen werden, dass sie lernen, dass Frauen von niedrigerer Natur als M\u00e4nner sind, dass freie Rede und religi\u00f6se Freiheit falsche Ideale sind, dass Frieden Schw\u00e4che ist, dass Freiheit, wie wir sie in Amerika lieben gelernt haben, ein Mythos ist \u2013 wenn ihr all diese Lehren der amerikanischen Jugend indoktriniert sehen wollt, dann schickt eure Jungs und M\u00e4dchen nach Deutschland.<\/p><\/blockquote>\n<p>Am Vorabend hatte Erich Seelig einen amerikanischen Helden besiegt. Nun sitzt er, der lila-wei\u00dfe Stepke aus der K\u00f6penicker Stra\u00dfe, inmitten dieser feinen Gesellschaft und leiht sein Gesicht, noch zerschunden vom Kampf, der amerikanischen Anti-Nazi-Bewegung. Es ist dieses Gesicht, das den Nazis zu Hause in die Propagandasuppe spuckt. Die Veilchen des Erich Seelig tr\u00fcben das Bild vom friedliebenden nationalsozialistischen Deutschland, das die Olympischen Spiele von 1936 liefern sollen.<\/p>\n<p>Erich \u201eEte\u201c Seelig bleibt seinem Heimatverein bis zu seinem Tod am 19. Januar 1984 eng verbunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_880\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig_vs_Etienne.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-880\" class=\"size-full wp-image-880 \" title=\"Seelig_vs_Etienne\" src=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig_vs_Etienne.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"642\" srcset=\"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig_vs_Etienne.jpg 840w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig_vs_Etienne-620x473.jpg 620w, https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/files\/2012\/02\/Seelig_vs_Etienne-100x76.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-880\" class=\"wp-caption-text\">6. Oktober 1933: Erich Seelig gegen Jack Etienne. Ete dr\u00e4ngt den L\u00f6wen von Flandern in die Seile.<br \/> Foto: Match, Nr. 370, 1933; Sammlung Buschbom.<\/p><\/div>\n<div style=\"font-size: .75em;\">Alle Zitate aus der zeitgen\u00f6ssischen Vereins-, Fach &amp; Tagespresse mit Ausnahme von:<br \/>\n*Zitiert nach: Martin Krau\u00df: Trollmanns aussichtsloser Kampf. Auf: <a href=\"http:\/\/www.kreuzberger-chronik.de\/chroniken\/2002\/april\/geschichte.html\">http:\/\/www.kreuzberger-chronik.de\/chroniken\/2002\/april\/geschichte.html<\/a><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"font-size: .75em; font-variant: small-caps;\">Ein herzliches Dankesch\u00f6n an unsere Leserin Stephanie Bart f\u00fcr ihre Hinweise und an Stefanie Barthold f\u00fcrs Lektorat!<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tennis Borussia, die Boxabteilung &amp; der Deutsche Meister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht Erich \u201eEte\u201c Seelig 1924 \u2013 es knirscht gewaltig im Getriebe des Sportclub Charlottenburg (SCC). Die im Sommer 1920 gegr\u00fcndete Boxabteilung entwickelt sich pr\u00e4chtig. Harry Stein h\u00e4lt zwei Jahre lang den deutschen Amateurtitel im Fliegengewicht (1922 &amp; 1923), bevor er erfolgreich ins Profilager wechselt. [&hellip;]","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[30,363,411,137,129,343,398,193,408,370,388,122,906,396,132,255,406,104,405,397,395,394,130,356,373,331,355,374,128,354,409,390,379,385,102,103,393,391,131,135,49,407,410,270,350,338,330,392,339,134,375,140],"class_list":["post-823","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten","tag-1920er-jahre","tag-1930er-jahre","tag-411","tag-adolf-hitler","tag-adolf-witt","tag-alfred-eggert","tag-alfred-j-lill","tag-alfred-lesser","tag-amerikanischen-olympischen-komitee","tag-berlin-brandenburgische-mannschaftsmeisterschaft","tag-bockbrauerei","tag-box-sport","tag-boxen","tag-burgermeister-von-new-york","tag-deutscher-meister","tag-drittes-reich","tag-emigration","tag-erich-seelig","tag-exil","tag-fiorello-henry-laguardia","tag-george-h-earle","tag-gouverneur-von-pennsylvania","tag-halbschwergewicht","tag-hans-rieke","tag-hans-seifried","tag-harry-stein","tag-heinz-seelig","tag-helmut-hartkopp","tag-johann-wilhelm-trollmann","tag-josef-seelig","tag-komitee-fur-fair-play-im-sport","tag-kz-ausenlager-wittenberge","tag-marcel-thil","tag-match","tag-max-baer","tag-max-schmeling","tag-mecca-temple","tag-mickey-walker","tag-mittelgewicht","tag-nat-fleischer","tag-nazis","tag-new-york","tag-olympiade","tag-paris","tag-sabri-mahir","tag-sc-heros-03","tag-scc","tag-skibinski","tag-sportclub-charlottenburg","tag-the-ring-magazine","tag-verein-deutscher-faustkampfer","tag-weltmeister"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=823"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tebe.de\/geschichten\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}