Auf einem guten Weg

Christopher Koschwitz und David Naujeck im Gespräch mit Markus Schatte

TeBe-Emblem

Vor dem morgigen Spiel gegen Werder Bremen steht die B-Jugend von Tennis Borussia in der neugegründeten Bundesliga auf einem respektablen achten Tabellenplatz. Wo der Weg in der weiteren Saison hinführt, was die Mannschaft noch erreichen kann und wo seine eigenen Ambitionen liegen, darüber gibt B-Jugend-Trainer Markus Schatte Auskunft.

tebe.de: Sie sind hauptberuflich eigentlich Lehrer. Wo arbeiten Sie und was machen Sie da?

Markus Schatte: Ich bin an einer der Eliteschulen des Sports. Es gibt davon drei Stück in Berlin und eine davon ist hier in Charlottenburg und diese ist auch Kooperationspartner von Tennis Borussia, die Poelchau-Oberschule. Die auch den Titel anstrebt, Eliteschule des Fußballs zu werden. Ob es jedoch zeitnah dazu kommen wird, dass kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, inwieweit das Verfahren vorangeschritten ist.

tebe.de: Wenn Sie Lehrer sind, wie ist dann die Verbindung zum Fußball zustande gekommen? Waren Sie zuerst Lehrer oder zuerst Trainer?

Markus Schatte: Ursprünglich habe ich Sport studiert, um Lehrer zu werden. Und die Situation damals, als ich fertig studiert habe war nicht so, dass man „Hurra“, geschrieen hat, „Den Mann Markus Schatte, wollen wir jetzt im Schuldienst haben“. Sondern, es war schwierig in den Schuldienst zu kommen. So dass ich erst mal eine Zeit lang etwas anderes gemacht habe. Vor allen Dingen Erwachsenenbildung bei verschiedenen Bildungsträgern. Dann hat damals der Jürgen Sundermann zusammen mit der Poelchau-Schule ein Projekt angefangen: Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Schule. Dann haben sie in der Schule einen Trainer gesucht und man ist mich gekommen. Das lag ja nahe, weil ich hier auch als Jugendtrainer gearbeitet habe und eine pädagogische Ausbildung hatte. Und dann habe ich da als Trainer begonnen. Nach relativ kurzer Zeit hat man sich gefragt, warum sollte man nicht probieren, über diese Schiene vielleicht in den Schuldienst zu kommen. Das hat dann auch geklappt. Allerdings erst mal an einer anderen Schule. An der Max-Beckmann-Oberschule in Reinickendorf. Da haben wir dann irgendwann eine Umsetzung durchbekommen. Und seitdem bin ich an der Poelchau-Oberschule. So ist der Werdegang gewesen. Es hat im Grunde hier mit dem Schulprojekt zwischen Tennis Borussia und der Poelchau-Oberschule angefangen.

tebe.de: Wenn wir es richtig in Erinnerung haben, waren sie auch mal im Herrenbereich aktiv?

Markus Schatte: Eine relativ kurze Zeit. Nach dem letzten A-Jugend-Jahr. Also nicht in der letzten, sondern vorletzten Saison. Da habe ich gesagt: Ok, ich mache mal den Sprung in den Herrenbereich. Hertha Zehlendorf wollte mich als Trainer verpflichten, die Gespräche waren auch alle so positiv, dass ich gesagt habe: Das mache ich, da will ich mal hin. Um zu versuchen eine junge Mannschaft aufzubauen. Ich will dazu aber nicht mehr all zu viel sagen, meine Erwartungen sind nicht erfüllt worden. Ich bin mit anderen Erwartungen dort hingegangen. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen, ich möchte da nicht Nachkarten, wie es Hertha Zehlendorf auf einer Seite mal getan hat, da hat sich der Vorstand bei mir auch entschuldigt. Aber eine Person musste sich da aber eben noch mal weit aus dem Fenster lehnen und hat mich für die sportliche Misere dort, in der Zeitung, allein verantwortlich gemacht.
Dafür hat sich der Vorstand von Hertha Zehlendorf bei mir entschuldigt und damit ist das gegessen.

tebe.de: Sind das auch die Gründe, weswegen Sie wieder im Jugendfußball aktiv sind?

Markus Schatte: Das war dann so, als ich bei Hertha Zehlendorf aufgehört habe, hatte ich gar keine Ambitionen, so schnell wieder was zu machen. Ich habe auch in der Schule genug zutun und ich muss nicht unbedingt was im Fußball machen. Dann hat mich aber der Reinhard Langen angerufen und hat gesagt, dass der Taskin Aksoy die A-Jugend nicht mehr weiter trainieren will.
Und dann habe ich gesagt, also mach ich dann den Rest der Rückrunde und dann habe ich eben wieder hier angefangen und die A-Jugend bis zum Saisonende trainiert und dann hat man mich nach relativ kurzer Zeit gefragt, ob ich die B-Jugend betreuen wollen würde. Im nächsten Jahr, würde ja eine Bundesliga eingeführt und nach kurzer Zeit der Überlegung, ob nun 17- bis 18-Jährige oder 15- bis 16-Jährige trainiere, war es mir eigentlich egal. Ziel ist es immer die Jungs individuell voranzubringen und dann vielleicht möglichst nahe an den Leistungsfußball zu bringen oder in den Leistungsfußball selbst.

tebe.de: Gibt es Reibungspunkte, spezielle Probleme, die im Jugendfußball einfach anders sind als im Herrenfußball?

Markus Schatte: Also ich muss ehrlich sagen, dass im Jugendfußball, die Probleme eigentlich geringer sind. Weil die Jungs in diesem Alter wollen alle möglichst in den bezahlten Fußball. Und dafür tun sie auch eine ganze Menge. Man kann dann, wenn es wirklich mal dazu kommt, dass ist aber wirklich selten der Fall, dass jemand vielleicht nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt - im sozialen Verhalten, in der Trainingseinstellung usw. - schnell mit Sanktionen drohen. Die Jungs würden dann ja auch nicht spielen, wenn da eben was nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen. Deswegen gibt es da nicht so große Probleme. Ich hatte im Herrenfußball eher die Probleme, dass Spieler aus beruflichen Gründen häufiger nicht trainieren konnten. In der Verbandsliga ist es nicht so, dass die alle vom Fußball leben können. Ganz im Gegenteil, die kriegen nur eine kleine Aufwandsentschädigung und gehen ihrem Beruf nach und da muss man sehr viel Rücksicht darauf nehmen. Da habe ich viel größere Probleme gehabt, eine Mannschaft zu formen, als es im Jugendfußball der Fall ist.

tebe.de: Kommen wir doch mal zur aktuellen Saison. Die ist ja nun schon ein paar Spieltage alt. Wie beurteilen Sie den Verlauf bisher? Sind Sie in sportlicher Hinsicht zufrieden?

Markus Schatte: Was das Potential der Mannschaft angeht und was sie bisher an spielerischen Akzenten umgesetzt hat, eigentlich schon. Aber die Punkteausbeute könnte größer sein. Da sind wir mit acht Punkten aus sechs Spieltagen nicht zufrieden. Wir haben da sicherlich auch Punkte liegen gelassen. Zum Beispiel das Spiel gegen Hansa Rostock, wo wir 2:2 gespielt haben. Das ist sicherlich ein Spiel, das man auch gewinnen kann oder vielleicht sogar gewinnen muss.
Auch nach einer unglücklichen Schiedsrichterentscheidung. Wir können das per Video nachweisen, dass es bei einem Tor klar Abseits war. Aber das ist jetzt nicht der einzige Grund. Ich denke, dass wir bei dem Spiel auch mit diesem Gegentor, das Spiel im Grunde für uns hätten entscheiden können. Auch in Osnabrück, das 1:4, hört sich erst mal deutlich an, aber da sind drei Standardsituationen für den Gegner dabei. Es war auch nicht so, dass das Spiel in eine Richtung gelaufen ist. Wir waren da eigentlich mehr drin. Insofern könnten wir von den Punkten her eigentlich besser dastehen. Aber ich denke und das ist auch das Ziel der Mannschaft, dass wir am Ende einen Mittelfeldplatz belegen. Wir wollen möglichst wenig mit der Abstiegsregion zutun haben. Das Potential traue ich der Mannschaft auch zu. Im Moment spielen wir noch leistungsinstabil. Die Mannschaft spielt manchmal ganz gut und das nächste Mal nicht so toll. Aber ich denke, dass sich das im Laufe der Zeit noch verbessern wird.

tebe.de: Woran könnte es liegen? Ist der Mannschaftszusammenhalt noch nicht da?

Markus Schatte: Nein. Ich glaube, dass die Mannschaft sich in manchen Phasen des Spiels überschätzt. Da läuft es spielerisch ganz gut und dann, z.B. im letzten Spiel in Wolfsburg, die ja durchaus als starke Mannschaft gelten, führt die Mannschaft 2:1 und dann versuchst du es in der 2.Halbzeit überwiegend spielerisch zu lösen ohne in einer Phase, wo es dann mal nötig wäre, die Zweikämpfe zu suchen und auch mal ein wenig Körperbetonter zu spielen und das hat uns da gefehlt und dann verlieren wir das Spiel auch 2:3. Und da war ein Punktgewinn sicherlich drin. Das fehlt so ein bisschen und das hängt vielleicht damit zusammen, dass einige Spieler im vergangenen Jahr noch Verbandsliga gespielt haben. Der Unterschied zwischen Regionalliga und Bundesliga, ist eben auch noch mal ein größerer. Das ist schon ein Anpassungsprozess, der da stattfindet. Aber wie gesagt, ich bin da ganz optimistisch, dass wir das hinkriegen und im Laufe der Zeit die nötigen Punkte einfahren und uns damit noch sicherer im Mittelfeld platzieren. Wir sind jetzt auf Platz 7, das ist in Ordnung. Aber man könnte eben mehr Punkte haben. Um noch einen größeren Abstand zu den Abstiegsplätzen zu schaffen.

tebe.de: Das nächste Spiel geht gegen Werder Bremen, wie schätzen Sie den Gegner ein?

Markus Schatte: Ich selbst habe Sie noch nicht gesehen. Andere haben die Bremer beobachtet und gesagt, dass wir uns spielerisch nicht vor ihnen verstecken brauchen. Das zeigt ja auch die Tabelle, Werder ist ja nicht wie in den vergangenen Jahren in der A-Jugend eine Mannschaft, die unter den ersten drei Mannschaften mitspielen. Sie stehen auch nur irgendwo im Mittelfeld. So dass wir hier in einem Heimspiel natürlich auch das Spiel gewinnen wollen.

tebe.de: Ist es nur ein Traum irgendwann mal mit dem souveränen Tabellenführer Hertha BSC im Jugendbereich gleichzuziehen oder ist dies auf Grund der verschiedenen Vorraussetzungen nicht möglich?

Markus Schatte: Ich denke über einen längeren Zeitraum wird das schwierig sein, weil es eben andere Voraussetzungen sind. Punktuell kann man sicherlich mal versuchen Hertha die Stirn zu bieten. Wir haben in den letzten Jahren immer mal wieder ein Pokalspiel gewonnen. Letztes Jahr hat es die C-Jugend geschafft. Wir haben es vor einiger Zeit mal geschafft, als der Kevin Boateng noch bei Hertha gespielt hat, ein Pokalfinale zu gewinnen und haben danach im DFB-Pokal spielen dürfen und sind dort bis ins Endspiel gegen Schalke 04 gekommen. In solchen Ereignissen, wie dem Pokal, ist so etwas immer mal möglich. Im letzten Jahr haben wir ja auch nur das Elfmeterschießen gegen Hertha BSC verloren. Da kann man schon mal gegenhalten, aber über eine ganze Saison hin ist es schwierig. Obwohl der Gora Sen im letzten Jahr eine so starke B-Jugend hatte, so dass er da immer oben mit dran war. Hertha BSC war dann zwar letztendlich Erster, aber beide haben sich für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Da haben wir ja schon mal eine Saison auf dem Niveau von Hertha mitspielen können, aber über die Sicht von mehreren Jahren, wird Hertha BSC immer die Nase vorn haben. Weil die Spieler natürlich auch, wenn sie gefragt werden, wo sie spielen wollen, überwiegend den Weg zu Hertha BSC nehmen. Natürlich versuchen wir unsere Vorteile in die Waagschale zu werfen und bei dem einen oder anderen Spielern gelingt es uns auch. Aber bei der Masse …
Änis Ben-Hatira ist irgendwann mal von uns aus zu Hertha BSC gegangen. Er ist zwar noch mal zurückgekommen zu uns, hat noch ein halbes Jahr bei uns gespielt, sich dann sensationell entwickelt in dem halben Jahr und dann kam der HSV und hat ihn weggeholt. Wobei ich das nicht negativ sehe. Es ist ja das was wir wollen, wenn die Jungs so ein Niveau erreichen, dann macht es wenig Sinn, wenn Sie in der Oberliga bei Tennis Borussia spielen, wenn sie in der Bundesliga beim HSV spielen können.

tebe.de: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen Oberligateam und Jugendabteilung?

Markus Schatte: Wenn die Möglichkeit besteht, dass die Jungs da oben mittrainieren können, dann sollen sie die Möglichkeit auch nutzen. Das war in der Vergangenheit auch immer so. Was die Zusammenarbeit zwischen A-Jugend - ich habe jetzt 5 Jahre die A-Jugend trainiert- und dem Männerbereich betrifft, egal bei welchem Trainer, war es immer vollkommen o.k. Das war bei Theo Gries so, bei Dejan so. Wir haben uns immer ausgetauscht, wir haben Spieler nach oben geschickt. Allerdings immer eher in der zweiten Hälfte der Saison. Weil die Jungs dann auch eher mal die Möglichkeit haben dort zu spielen. Es war auch in der letzten Saison so, dass der Sercan Konal in der Oberliga mitgespielt hat, der ist dann zum FC St. Pauli gewechselt. Wir sind da immer im Austausch.

Follow TeBe...

tebe@facebook tebe@twitter tebe@flickr tebe@youtube tebe newsfeed

Partner von TeBe...

Alle Sponsoren