Verein

Tennis, was…?

Es ist der 9. April 1902. In der Konditorei An der Spandauer Brücke 13 finden sich zwölf junge Herren ein, teils von der Kameradschaftlichen Vereinigung „Borussia“, teils von der Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft. Man kennt und schätzt sich vom Fußballklub „Rapide“, und so wird man sich bald einig: ein neuer Verein muss her, um die Ressourcen möglichst effektiv auf das gemeinsame Ziel, den Tennis- und Ping-Pong-Sport zu richten. Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia, nennen die Herren ihr sportliches Beisammensein fortan. Zum 1. Vorsitzenden wird Richard Böhme gewählt, in der Runde sitzen ferner Alfred Lesser, Hans W. Müller, Jakob Holzer, Paul Böhme, Ferdinand Gruber, Rudolf Gottlieb sowie Paul und Reinhold Gottlieb. Die Namen der drei anderen Gründungsmitlieder sind nicht überliefert. Gespielt wird 1902 in der Hufelandstraße im Friedrichshain, und im Laufe der ersten Monate wächst die Zahl der Mitspieler auf 20. Ende 1902 verliert der Club seine Plätze, weil das Gelände bebaut wird. Im Dezember wird das Ping-Pong-Spiel aufgegeben, das im Winter nicht gespielt werden kann. Fortan soll nur noch Tennis auf dem sportlichen Programm stehen.

Der Berliner Tennis-Club Borussia erblickt das Licht der Welt.

Hier fiel am Rande eines Tennis-Turniers im Mai 1903 die Entscheidung zugunsten der Fußballabteilung innerhalb des Berliner Tennis-Club Borussia: die Charlottenburger Westeisbahn im Winter 1902/03. Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom.

Aber auch für das Tennis finden sich keine geeigneten Plätze. Der Winter 1902 / 1903 verstreicht ohne jegliche sportliche Betätigung, und so hängt das Schicksal der jungen Tennis Borussia an einem seidenen Faden, als sich Richard Böhme im April 1903 zu einer Besprechung mit Jakob Holzer trifft. Nein, aufgeben kommt nicht in Frage! Kurzentschlossen mietet der Club zwei Plätze auf der Westeisbahn gegenüber vom Bahnhof Zoo — am anderen Ende der (Innen)Stadt. Hier tragen die Tennis Borussen im April und Mai ein Tennis-Turnier aus, das vorentscheidend für die Geschicke des Vereins sein wird. Es lenkt die Aufmerksamkeit nicht weniger Berliner Sportfreunde auf den Club, der so eine erste Welle an Mitgliedsanträgen verzeichnen kann. Bei der Preisverleihung regt die einer Fußballabteilung an, damit der kommende Winter nicht wieder ohne sportliche Betätigung vorübergeht.

Fußball

Am 14. August 1903 wird schließlich die Fußball-Abteilung gegründet. Für 50 Pfennig erwirbt Fußballstangen und Lizenz der Spielvereinigung Neu-Seeland, deren Mitglieder in einer patriotischen Anwandlung dem B. T. C. Borussia beitreten und als erste Amtshandlung die Spielstangen von ihrem ursprünglichen Schwarz-Grün in die preußischen Farben Schwarz-Weiß umlackieren — der Verein hat seine Farben. Weil aber die patriotische Begeisterung unter den Sportlern in Berlin so groß ist, laufen bald zahlreiche Mannschaften in Schwarz-Weiß auf. Aus rein pragmatischen Gründen betreten die Tennis Borussen das Spielfeld immer öfter in einer alternativen Farbkombination. Start wearing purple! Erste Erfolge stellen sich in den neuen Farben ein, und die Berliner wie die Tennis-Borussen gewöhnen sich gleichermaßen an sie, bis um das Jahr 1910 herum Lila-Weiß schließlich zur (inoffiziellen) Farbkombination des Clubs geworden ist. Veilchen, so nennen sie sich nunmehr. Erst im Jahr 2002 wird die Farbkomination zusammen mit der Namensänderung in Tennis Borussia Berlin auch offiziell ins Vereinsregister eingetragen.

Der Verein, vor allem aber die Fußballabteilung entwickeln sich prächtig. Schon 1905 stellt der Verein mit Walter Lutzenberger einen Repräsentativen – einen Auswahlspieler für die Berliner Stadtmannschaft also. 1906 kicken drei Mannschaften für die Tennis Borussen, und nach einer kurzen Krisenphase in der Saison 1907/1908 gelingt 1910 der Aufstieg in die höchste Berliner Spielklasse, wo sich die Veilchen fortan festsetzen. Die Ansprüche ans eigene Leistungsvermögen sind hoch. Unser Losungswort hieß damals „Fünfe sind schon drinne“, schreibt Walter Lutzenberger, d. h. erst mussten fünf Tore erzielt sein, ehe sich die Mannschaft etwas Ruhe gönnte und einige „Mätzchen“ zum besten gab.

Ein massiver Einschnitt ist der Erste Weltkrieg. So viele Tennis-Borussen werden eingezogen, dass bereits um 1915 kein regulärer Spielbetrieb mehr stattfinden kann. Nicht wenige kehren nicht zurück von den Schlachtfeldern Europas. Das Kriegsende bringt den Deutschen ein neues politisches System und den Tennis Borussen einen nahezu neuen Club. Das schlägt sich vor allem in der nieder: 1922 können 80 Neuzugänge vermeldet werden, jedoch verlassen 100 Mitglieder den Club. Ende des Jahres verzeichnen die Seniorenabteilungen (d. h. die Erwachsenenabteilungen) 220 Mitglieder, von denen allein im Dezember elf Personen ausgeschlossen werden müssen, die allzu lange ihre Mitgliedsbeiträge säumig blieben. Anfang Januar 1925 führt die Liste nur noch 150 Mitglieder in den Seniorenabteilungen und rund 100 Jugendmitglieder. 1927 stabilisiert sich die Mitgliedschaft bei 403 Mitgliedern.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Eine Reihe von prominent besetzten Freundschaftsspielen legt in den 1920er Jahren den Grundstein für den Erfolg. Hier gegen den amtierenden Deutschen Meister, den 1. FC Nürnberg. Foto: Photo-Union, Paul Lamm; Sammlung Buschbom.

In dieser Situation ist das gut ausgebildete und teilweise wohlhabende Gründermilieu gefragt. Mit unternehmerischem Ehrgeiz und akademischer Systematik machen sich Alfred Lesser, die Brüder Böhme, Ulrich Rüdiger, Kurt Kamke, Georg Gumpel, die Brüder Lutzenberger, Theo Sachs, Aute Weber, Julius Guth sowie Jacques und Leopold Karp — um nur einige zu nennen — daran, den Club wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen. Zu ihnen stoßen Neumitglieder wie die Bankiers Max Berglas und Georg Michaelis. Gemeinsam gelingt es, trotz manchmal großer Differenzen in den sportpolitischen Auffassungen, den Club mit einem auch heute noch modern anmutenden Sportmanagment auszustatten und die sportliche Leitung eng an die eben erst entstehenden Sport- und Trainingswissenschaften anzubinden, namentlich an die Deutsche Hochschule für Leibesübungen. Dort tätig sind Trainer und Sportler wie Richard Girulatis, Otto Nerz oder Sepp Herberger. Außerdem können leistungsstarke Spieler wie Herrmann Lux, Konrad Patrzek oder Otto verpflichtet werden, zu denen der eigene Nachwuchs stößt, auf dessen Ausbildung größter Wert gelegt wird. Lange vor ihrer Etablierung in der Reichsauswahl erprobt Otto Nerz bei den Veilchen Taktiken und Spielsysteme, die er sich bei zahlreichen Besuchen beim englischen Profifußball abgekuckt hat. Auch sein Student Sepp Herberger versucht sich in den neuen Taktiken. Tennis Borussia hat als einer der ersten Vereine im deutschen Sprachraum einen professionellen Geschäftsführer. Ebenso einen Sportarzt. Tennis Borussia ist eine Wiege des modernen Fußballs in Deutschland.

Trotzdem bleibt Tennis in Berlin sportlich nur die Nummer Zwei hinter Hertha BSC.

Im April 1925 wird die Boxabteilung gegründet. Und wieder ist Herz und Seele des Erfolgs. Die lila-weißen Boxer mausern sich rasch zur Nummer Eins in Berlin und Brandenburg.

Die Machtergreifung

Die Tennis Borussin Nelly Neppach, Deutsche Meisterin von 1925, nahm sich nach dem Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus dem deutschen Tennis das Leben. Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom

1933. Lesser, Sachs, Gumpel, Guth, Berglas, Michaelis, der Vereinsarzt Wisotzki, ehemalige sportliche Leistungsträger wie die Brüder Leiserowitsch, der amtierende Deutsche Meister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht Erich Seelig, die Deutsche Tennismeisterin im Dameneinzel von 1925 Nelly Neppach neben vielen anderen Tennis Borussen, die leider namenlos bleiben müssen — sie alle müssen den Verein nach der sog. Machtergreifung der Nazis den Verein verlassen.

Kategorien wie Religion oder Herkunft hatten bis dahin nie eine Rolle bei TeBe gespielt. Im Gegenteil. Auch soll ein Sportsverein vernünftigerweise nicht fanatisch national geführt werden. Internationale Beziehungen, mit Würde gepflegt, vermitteln die verschiedenen Kulturen, fördern das gegenseitige Völkerverstehen und damit den notwendigen Völkerfrieden, hatte der ehemalige Fußballer Ernst Roßkopf im Januar 1928 geschrieben. 1925 war es den Jugendleitern zur Aufgabe gemacht worden, die jugendlichen Veilchen nicht nur sportlich zu fordern und fördern, ihnen solle auch Gelegenheit geben werden, sich im parlamentarischen Sprachgebrauch zu üben — republikanische Überzeugungen waren im Sportbetrieb der Weimarer Republik nicht eben eine Selbstverständlichkeit. Und als ersten Trainer der Boxer hatte Lesser den ehemaligen türkischen Fußballer und Boxprofi Sabri Mahir verpflichtet, den die Wirren des Ersten Weltkriegs nach Berlin verschlagen hatten und der auf dem Kurfürstendamm erfolgreich ein Box-Gym betrieb. Auch solche Personalentscheidungen wären anderswo undenkbar gewesen.

1945: Ein Neuanfang

Konrad, genannt Konny Friedländer überlebt das KZ. Er gehört zu den 15 Versprengten, von denen die erste Ausgabe der Club-Nachrichten nach dem Krieg (1951) spricht, die 1945 den Wiederaufbau des Vereins betreiben. Ebenfalls wieder aktiv im Verein sind und Kapellmeister Leopold Leiserowitsch, dessen Bruder Fritz von den Nazis ermordet worden war. Simon, Sim-Sim-Simsalabim, Leiserowitsch, dem ersten echten Fußballstar in Berlin, war die Flucht nach Palästina gelungen. Er trainiert in den 1950er Jahren die Fußballer von Makkabi Haifa. Andere melden sich zum 50ten Vereinsjubiläum aus der Emigration. Zur Festgemeinde gehören 1952 Dr. Adolf Wisotzki und Alfred Lessers Witwe Tutti, die 1951 aus New York an den Verein schreibt, sie lege ihrem Alfred stets lila-weiße Blumen aufs Grab, Tennis Borussia gehörte doch so sehr zu seinem Leben!Auch Jacques Karp, der FuWo-Mitbegründer Gustav Eduard Zand, Walter Gore, vormals Goldfeld, Max Berglas und Erich Seelig halten den Kontakt zu ihren Veilchen, um nur einige zu nennen.

Die Stars der 1950er Jahre. Die Erste Herren zusammen mit den Boxern Bubi Scholz und Dieter Wemhöhner (hinterste Reihe). Foto: unbekannt; Sammlung Buschbom.

Nach dem Krieg darf zunächst nur in kommunalen Sportgruppen Sport getrieben werden. Die Wahl der Tennis Borussen fällt auf die SG Charlottenburg. Ein kluger Zug. Denn das Stadion der überstand den Krieg weitgehend intakt. Und ins Stadion Mitte (Polizeistadion) im Ostteil der Stadt will man aus politischen Gründen nicht. Auch diese Entscheidung erweist sich als hellsichtig. Sportler gegen uns, notiert Wilhelm Pieck 1948 wütend, und gibt damit den Tenor vor. Die SED entschließt sich nach einigem Hin und Her, den Sportbetrieb außerhalb der hergekommenen Vereinsstrukturen zu organisieren. Die Entscheidung für das Polizeistadion wäre damit das Ende der Tennis Borussia gewesen. Im Mommsenstadion der hingegen blicken die Veilchen zunächst in eine blühende Zukunft. In der Saison 1946/47 schießt sich die SG Charlottenburg zur Stadtmeisterschaft. Allein auf Hanne Berndts Konto gehen 53 von 89 Treffern. Er läutet damit ein lila-weißes Jahrzehnt ein (die Rückbenennung erfolgt 1949). Im Fußball sind die Lila-Weißen mit den Meisterschaften von 1950, 1951, 1952 und 1958 die unumstrittene Nummer Eins in der Stadt. Die Boxer schauen stolz auf ihre äußerst erfolgreiche Boxstaffel um den Europameister Dieter Wemhöhner, und auch die 1949 neu gegründete Tischtennisabteilung spielt über zwei Jahrzehnte ganz oben mit.

Zu spät: die Bundesliga

1963 endlich wird eine alte Forderung Otto Nerz‘ umgesetzt: der Trainer der Veilchen hatte bereits in den 1920er Jahren laut über eine landesweite Spielklasse nachgedacht. Doch die Bundesliga kommt für die Tennis Borussen zu spät. Der Staffelstab muss Anfang der 1960er Jahre wieder an die Hertha weitergereicht werden. TeBe gelingt es in der Folge zwar immer wieder einmal, in die höchste deutsche Spielklasse vorzudringen (1974/75 & 1976/77), kann sich dort aber nie festsetzen. Die 1980er Jahre verbringen die Veilchen in der Oberliga, mit einem Ausreißer 1985/86 in der Zweiten Bundesliga.

Schicklichkeit und Anstand? Frauenfußball!

Frauen und Fußball? In den 1950er Jahren allenfalls ein Thema von Altherrenwitzen. Illustration: Fußball. Illustrierte Sportzeitung Nr. 9, 1950; Sammlung: Buschbom.

Im Jahr 1969 wird die Abteilung für Mädchen- und Frauenfußball gegründet — sie ist eine der ersten im Geltungsbereich des DFB. Das Risiko, das die Verantwortlichen mit diesem Schritt eingehen, ist hoch, denn als nach der Euphorie der gewonnenen Weltmeisterschaft von 1954 auch der Frauenfußball boomt, hatte der Verband im Juli 1955 offiziell ein Verbot erlassen und seinen Mitgliedern empfindliche Strafen angedroht, sollten die Vereine sich auch nur darauf einlassen, Frauenmannschaften Plätze zur Verfügung zu stellen. Weibliche Anmut, Körper und Seele würden unweigerlich Schaden erleiden, hieß es von offizieller Seite. Das Zurschaustellen des Körpers verletzte Schicklichkeit und Anstand. Am Anfang des Frauenfußballs bei Tennis Borussia stehen ein bisschen Knödelei, Spaß und Geselligkeit. Frauen der Regionanlliga-Spieler und der „Stachelschweine“, ehemalige Handballerinnen schlossen sich zusammen, heißt es in der Festschrift von 1977. Doch Knödelei und Spaß nehmen bald sehr ambitionierte Züge an, denn Ende Oktober 1970 muss der DFB das Verbot des Frauenfußballs aufgeben, und die Veilchen Ladies spielen von Anfang an ganz oben mit. Zu Buche stehen 13 Berliner Meisterschaften, drei Deutsche Vizemeistertitel und elf Berliner Pokalsiege. Der erste Trainer der Frauen ist der spätere Schlagerproduzent Jack White, der in den 1990er Jahren als Präsident die Geschicke der Veilchen in die Hand nimmt.

Die 1990er Jahre: Auftakt zum Abstieg

Bereits 1974 zahlte Jack White (links) aus seiner Privatschatulle: für Karl-Heinz Schnellinger (mitte), der vom AC Mailand kam. Rechts: Trainer Gawliczek. Schnellingers Gehalt: 10.000 DM monatlich. Das Foto zeigt eine Szene nach der Vertragsunterzeichnung. Foto: Schirner; Sammlung Buschbom.

Für die erste Herrenmannschaft öffnen sich erst als Jack White nach der Wende die Präsidentschaft übernimmt erneut Perspektiven. 1992/93 steigen die Veilchen in die Zweite Bundesliga auf — um in der folgenden Saison umgehend wieder abzusteigen. Als Jack White 1997 den Verein verlässt, hinterlässt er eine prekäre Situation. Für das Geld, das er in den Verein investiert hatte, ließ er sich Darlehensverträge unterzeichnen. Auf 5,8 Millionen DM plus Zinsen beziffert sich der Streitwert, als man sich 1998 vor Gericht trifft. Es nimmt also nicht Wunder, dass der Club nach dem Strohhalm greift, als mit der ein Finanzdienstleister im Eichkamp an die Türen klopft und verspricht, den Verein zu entschulden. Zwar sind die sportlichen Ziele grotesk hoch gesteck — bis in die Champions League soll der Weg führen –, doch das Gröbste ist zunächst abgewendet. Auch sportlich lässt es sich erst einmal gut an. Das von Trainer Hermann Gerland gut eingestellte Star-Ensemble steigt 1998 in die Zweite Liga auf und spielt 1998/99 an der Tabellenspitze mit. Im Oktober 1998 gelingt, worauf die Veilchen Jahrzehnte warten mussten: in einem packenden Viertelfinale kegeln die Lila-Weißen den Stadtrivalen Hertha BSC aus dem DFB-Pokal.

Abstiege: Die Göttinger Gruppe

Trotz seiner unumstrittenen Erfolge wird Tiger Gerland noch im Winter 1998/99 von den Göttingern seines Amtes enthoben, weil er sich im Vertragspoker zu lange nicht entscheiden mag. Die Saison kann mit einem nur knapp verpassten Aufstieg in die erste Liga dennoch recht erfolgreich abgeschlossen werden, aber Gerlands Nachfolger Winnie Schäfer kann nicht mehr daran anknüpfen. Nur äußerst knapp gelingt am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 der Nichtabstieg in Chemnitz. Zwischenzeitlich gerät die Göttinger Gruppe unter Druck. Es ist die Rede von dubiosen Geschäften, von Schneeballsystem und von Betrug. (Später werden die Gerichte entscheiden, dass diese Vorwürfe juristisch nicht haltbar sind. Trotzdem geraten die Verantwortlichen ins Visier der Justiz, u. a. wegen Insolvenzverschleppung, wegen Untreue und wegen Steuerhinterziehung.) Wenige Tage nach dem Spiel in Chemnitz steigt TeBe am grünen Tisch ab, es fehlt eine Bürgschaft.

Nach dem Durchmarsch durch die Regional- in die Oberliga (2000/01) spielt TeBe viele Jahre in der Viertklassigkeit. Kurz nach dem 100jährigen Vereinsjubiläum reicht Tennis Borussia das erste Insolvenzverfahren ein, das in 2004 abgeschlossen wird. 2009 gelingt der Aufstieg in die mittlerweile viertklassige Regionalliga (die Dritte Liga wurde 2008 eingeführt), doch die Tennis Borussen können sich nicht lange daran freuen. Erneut bricht der Hauptsponsor weg, erneut müssen die Veilchen in die Insolvenz, erneut erdulden sie einen Abstieg.

Unter gänzlich ungeklärten Verhältnissen starten die Veilchen in die Oberlligasaison 2010/11 — und wieder steigen sie ab.

Seit 2011/12 läuft die Erste Herren in der sechstklassigen Berlinliga auf.

Tennis Borussia 2011 in der Relegation gegen Borea Dresden. Foto: Buschbom.