15.09.2004 Interview
Nicht gegen den LFC Heinrich
Hagen Liebing im Gespräch mit Theo Gries
Herr Gries, der Spielplan hat uns eine längere Pause nach dem Spiel in Eberswalde beschert, aber dennoch möchte ich noch einmal auf diese Partie zurück kommen. Hat sie der 3:1 Sieg zufrieden gestellt?
Gries: Ja, das war absolut zufriedenstellend, weil ich fast eine ganze Woche darauf hingewiesen hatte, dass diese Mannschaft zwar Letzter ist, aber dass wir es gerade deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Ich habe darauf gedrängt, dass man die Partie von Anfang an konzentriert angeht. Ich habe immer noch das Rückspiel aus der letzten Saison im Hinterkopf, wo man uns in Eberswalde eigentlich vom Platz runtergeschrubbt hat, und hatte von meiner Mannschaft erwartet, dass sie da absolut dagegen hält. Das haben wir auch geschafft. Eberswalde hat nicht gespielt wie ein Tabellenletzter, das muss man ganz offen und ehrlich sagen, und ich bin froh, dass wir dieses Spiel 3:1 gewonnen haben, zumal wir ja fast eine Halbzeit lang auch in Unterzahl gespielt haben. Das hat die Mannschaft gut gemacht. Wenn man einen Gegner fünf- sechs- null wegdonnert, dann verliert meine Mannschaft so ein bisschen die Orientierung und denkt, es geht alles immer so leicht. Und deswegen war ich ganz froh, dass das Spiel so gelaufen ist.
Hat denn die Abstimmung zwischen Mittelfeld und Abwehr hier im Vergleich zum Dynamo-Spiel Fortschritte gemacht?
Gries: Insgesamt war das Zusammenspiel zwischen den Mannschaftsteilen sehr viel besser gewesen. Was mir sehr gut gefallen hat in Eberswalde war die Entwicklung im zentralen Mittelfeldbereich – ich spreche mal die Beiden an, die das dort am meisten durchführen, das sind Murat Salar und Mustapha Turgut, die die Bälle möglichst schnell und gerade in Richtung Spitze spielen. Die haben in dieser Partie Bälle auch mal quer gespielt und dann nicht immer die gleichen Spieler, sondern auch mal andere bedient. Die Ballverluste haben sich dadurch sehr in Grenzen gehalten und zudem waren auch andere Spieler daran beteiligt, die Pässe in die Spitze zu spielen, das hat mir gut gefallen.
Nun ist Turgut ja im nächsten Spiel leider gesperrt, wie reagieren Sie darauf?
Gries: Wir haben ja einen Kader von 19 Spielern, die einsatzfähig sind, wenn nicht noch Verletzungen dazu kommen, und das bedeutet, dass fast jeder Spieler immer auch eine reelle Chance hat, auch zum Einsatz zu kommen. In solchen Situationen ist es dann eben so, dass ein Spieler, der zuletzt warten musste, spielen wird. Mit Sascha Köttig, Daniel Petrowski und Murat Salar können wir da ja auch sehr variabel agieren und die Spieler dementsprechend positionieren, dass es nicht an Qualität fehlt.
Das heißt also, dass auch Daniel Scheinhardt seine Blessur wieder auskuriert hat?
Gries: Ja. Er hat eine „Pauke“ gehabt, so nennt man das, wenn das Fußgelenk geschwollen ist. Und er hat auf die verletzte Struktur immer wieder eine drauf bekommen, aber das hat sich ganz gut wieder hergestellt.
Und was kann man nun erwarten gegen eine Gegner wie Ludwigsfelde, denn die sind ja erstaunlich gut in die Saison gestartet?
Gries: Wir haben ja bereits im letzten Jahr gegen sie einen Test gemacht, als sie noch in der Verbandsliga waren, und ich habe jetzt das Spiel gegen Neuruppin gesehen, und ich muss sagen, das ist eine Mannschaft, die auch enauso „professionell“ arbeitet, wie wir das tun. Sie haben durch den Neueinkauf von Jörg Heinrich natürlich auch noch einmal eine Paukenschlag ausgelöst. Ich erwarte diese Mannschaft sehr kompakt, sehr aggressiv. Nicht zuletzt durch Jan Walle, der sehr, sehr motiviert sein wird, gegen uns ein gutes Spiel zu machen, weil er mit einfach zeigen will, dass es ein Fehler war, ihn nicht zu behalten. Wobei es ja letztendlich seine Entscheidung war, die er aus finanziellen Gründen getroffen hat. Der Sven Patzler spielt, Dirk Brändicke ist auch ein Spieler, der von uns zum Saisonende nach Ludwigsfelde gewechselt ist, und ich erwarte da natürlich, dass diese Spieler ihre Motivationskünste so in die Waagschale werfen, dass sie ihre Mannschaftskollegen mitreißen. Und aus dem Grund wird es ein sehr schwere Spiel für uns werden. Diese Mannschaft hat gegen Neuruppin noch nicht all ihre Möglichkeiten ausgeschöpft, und gegen uns ist es auch immer wieder was Anderes. Ich beobachte das bei allen Gegnern im Vorfeld und auch danach: in der Leistung ist das gegen uns immer ein ganz gravierender Unterschied. Da hängen sie sich alle viel mehr rein. Das ist die Schwierigkeit, mit der meine Mannschaft leben muss. Ich hoffe das begreifen sie und dann denke ich, werden wir keine Probleme haben, was die Motivation betrifft.
Ist Jörg Heinrich denn nun ein Spieler, auf den man besonders acht geben muss?
Gries: Da er bereits zwei Kopfballtore gemacht hat, müssen wir ihn bei Standardsituationen schon besonders im Auge haben, dass er da nicht aktiv werden kann. Ansonsten ist er spieltaktisch diszipliniert, spielt eine guten Ball, das verlernt man ja nicht. Sein Trainer sagte ja selbst in einem Interview, er sei bei seiner Leistungsfähigkeit erst bei 60 bis 70 Prozent - ich hoffe, dass er das bis Freitag noch nicht aufgeholt hat. (grinst) Aber es hängt ja nicht an einem Spieler, sondern wir müssen die Mannschaft Ludwigsfelde besiegen, und nicht den LFC Heinrich.
Dabei wünschen wir ihnen alle viel Erfolg. Und danke für das Gespräch.








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