Stellungnahme zum gewaltsamen Angriff auf TeBe-Fans in Siedenbollentin

Liebe Lila-Weiße,

gerne würden wir an dieser Stelle mit euch über die sportlichen Erfolge der vergangenen Wochen philosophieren. Wir sind noch immer hin und weg von unserem Erfolg in der letzten Pokalrunde. Auch die drei Punkte gegen Siedenbollentin hat sich unsere Mannschaft hart erarbeitet und verdient mit nach Hause genommen. Die vergangenen Wochen haben allerdings auch gezeigt, welcher politische Wind uns derzeit entgegenweht.

Bereits nach dem Spiel gegen den BFC kam es zu einem versuchten Angriff auf unseren E-Block. Nur aufgrund herbeieilender Einsatzkräfte und des unüberwindbaren Flatterbands konnte dieser verhindert werden.

Am vergangenen Samstag wurde diese Bedrohungslage jedoch noch einmal übertroffen.

Mit etwa 30 Auswärtsfahrer*innen fanden wir uns auf dem Stadiongelände des SV Siedenbollentin ein. Das Gelände ist recht offen gestaltet. Verschiedene Wege zur Verpflegungsbude, zu den Toiletten und zum Gästeblock machen das Areal zudem unübersichtlich.

Nachdem wir uns sortiert und unsere Banner aufgehängt hatten, betrat eine Gruppe von vier bis fünf Personen das Gelände. Dass es sich dabei um Rechtsextreme handelte, war offensichtlich. Kleidung der rechtsextremen Band Landser ließen daran keinen Zweifel.

Bereits am Bierstand im Heimbereich wurden Personen mit TeBe-Schal aus dieser Gruppe heraus beleidigt. Der Bierstand liegt auf halbem Weg zwischen den Toiletten und dem Gästeblock und wurde deshalb auch von einigen unserer Fans aufgesucht. Die Betroffenen zogen sich zurück und begaben sich, ohne weiter auf die Gruppe einzugehen, in den Gästeblock.

Die besagte Gruppe war teilweise bereits in der vergangenen Saison vor Ort und fiel schon damals durch Provokationen auf. Dass es ihr nicht darum ging, das Fußballspiel zu verfolgen, war bereits beim letzten Aufeinandertreffen deutlich geworden und zeichnete sich auch diesmal von Beginn an ab.

Der Sicherheitschef des Heimvereins befand sich zu diesem Zeitpunkt am Gästeblock. Unsere Bitte, die rechtsextreme Gruppe durch zusätzliche Ordner von uns abzuschirmen, lehnte er mit den Worten „die machen nichts“, „wir wissen, wer das ist, ich kenne die mit Namen“ und „er sei der Sicherheitschef und entscheide, was hier gemacht wird“ ab.

Kurz vor Anpfiff positionierte sich die Gruppe schräg gegenüber des Gästeblocks. Erst nachdem sie mit Ordnern gesprochen hatte, kam der Sicherheitschef erneut auf uns zu. Nun forderte er uns auf, unsere Banner abzunehmen, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund 20 Minuten hingen. Die Begründung: Unsere Banner seien politisch und würden provozieren.

Auf die Frage, warum er erst jetzt damit auf uns zukam, konnte er ebenso wenig eine Antwort geben wie auf die Nachfrage, was genau an den Bannern provozierend sein sollte und worin das konkrete Problem bestand. Nach einer längeren Diskussion und auf Bitten unseres Vorstands ließ er schließlich von uns ab.

Mit Anpfiff begann ein im Grunde ununterbrochenes verbales Störfeuer aus Richtung der rechtsextremen Gruppe. Zu den gefallenen Äußerungen gehörten unter anderem „Berlin bleibt Deutsch“, „Sprecht Deutsch“ und „Verpisst euch, ihr Homos“. Im weiteren Verlauf kam auch unser Busfahrer in den Gästeblock, nachdem er sich zunächst im Sitzplatzbereich der Heimfans aufgehalten hatte. Er berichtete darüber hinaus von rassistischen Beleidigungen gegenüber unseren Spielern. Im Laufe der Partie wuchs die Gruppe auf 8 bis 10 Personen an. Anscheinend wurde noch Unterstützung gerufen.

Als nach etwa 20 Minuten eine einzelne provokante Reaktion aus unseren Reihen erfolgte, stand der Sicherheitschef umgehend erneut in unserem Block. Er drohte damit, das Hausrecht durchzusetzen, sollten wir den „politischen Scheiß“ nicht sofort sein lassen. Weshalb entsprechende Provokationen auf der anderen Seite des Platzes hingegen offenbar großzügig geduldet wurden, konnte er wiederum nicht erklären. Gleichwohl er bestätigte, dass die Gruppe nicht aufhören werde zu pöbeln.

Kurz vor Ende der Partie eskalierte die Situation schließlich vollends. Eine vermummte Person mit Ordnerweste schlich sich von hinten in den Gästeblock und versuchte, eines unserer Banner zu entwenden. Dabei wurde das Banner leicht beschädigt, blieb jedoch größtenteils in unserem Besitz. Lediglich ein kleines Randstück entlang der Naht wurde abgerissen. Einzelne versuchten anschließend, auch den fehlenden Teil des Banners zurückzuerlangen.

Im Zuge dieser Aktion kam es zu einer massiven Gewalteskalation. Es wurde geschlagen, geschubst und auf am Boden liegende Personen aus unseren Reihen eingetreten, teilweise gegen den Kopf. Mehrere unserer Fans wurden verletzt. Der Ordnungsdienst war mit der Situation offensichtlich völlig überfordert.

Erst nachdem die angreifende Gruppe die Flucht ergriffen hatte, erschien der Sicherheitschef erneut an unserem Block. Dort erklärte er: „Ihr müsst euch keine Sorgen machen, die Polizei ist schon informiert.“

Angesichts der unmittelbar zuvor geschehenen Vorfälle empfanden wir diese Aussage als Farce. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Situation oder ein erkennbares Interesse an der Deeskalation waren aus unserer Sicht nicht zu erkennen. Stattdessen mussten wir uns erneut Vorwürfe anhören.

Auch im weiteren Austausch mit dem Verband unterstellt uns der Heimverein, wir hätten die Situation durch Mittelfinger und „Kommt her“-Gesten provoziert. Diese Darstellung ist angesichts der tatsächlichen Geschehnisse für uns nicht nachvollziehbar und an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Dabei müssen aus unserer Sicht insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:

  • Warum wurden diese Personen überhaupt ins Stadion gelassen, obwohl der Sicherheitschef nach eigener Aussage wusste, um wen es sich handelte? Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Vorfälle beim Aufeinandertreffen in der vergangenen Saison.
  • Warum wurden offen rechtsextreme Symbolik und entsprechende Szenekleidung im Stadion geduldet?
  • Warum wurde die Gruppe nicht durch den Ordnungsdienst an einen anderen Ort im Stadion verwiesen, um eine Konfrontation mit unseren Fans zu verhindern?
  • Wie konnte es dazu kommen, dass sich Personen aus der Gruppe unbehelligt bewegen und den Angriff durchführen konnten, obwohl uns der Ordnungsdienst zugesichert hatte, die Situation im Blick zu behalten?
  • Warum wurde trotz der frühzeitig erkennbaren Bedrohungslage nicht konsequent gehandelt, um unsere Fans zu schützen?

Was für den Ordnungsdienst möglicherweise als eine Reihe kleiner Fehler erscheinen mag, bedeutete für uns eine konkrete körperliche Gefahr. Während der Eskalation waren wir faktisch auf uns allein gestellt. Die Ereignisse haben unseren Eindruck bestätigt, dass der Ordnungsdienst zu keinem Zeitpunkt eine realistische Einschätzung der Lage vorgenommen hat oder in der Lage war, angemessen auf die Bedrohung zu reagieren.

Das Gewaltpotenzial der rechtsextremen Gruppe war enorm. Dass es nicht zu noch schwerwiegenderen Verletzungen gekommen ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie gefährlich die Situation tatsächlich war.

Es sollte allen Beteiligten klar sein, dass unsere Fanszene nicht dafür bekannt ist, körperliche Konfrontationen zu suchen. Die Fanszene von Tennis Borussia steht für andere Werte und eine andere Form der Fankultur. Es wäre daher völlig verfehlt, vereinzelte Reaktionen auf die stundenlangen Anfeindungen als Erklärung für die körperliche Eskalation heranzuziehen.

Der Angriff erfolgte von hinten. Die angreifende Person war vermummt und durch eine Ordnerweste getarnt. Dass beides gezielt für diese Aktion eingesetzt wurde, legt aus unserer Sicht den Verdacht nahe, dass der Angriff vorbereitet war. Vor diesem Hintergrund weisen wir jede Darstellung zurück, die einen Zusammenhang zwischen angeblichen Provokationen aus unseren Reihen und dem Angriff konstruiert.

Unabhängig davon, ob es einzelne Gesten oder Zurufe gegeben haben sollte, wurde die konkrete Gewalteskalation durch den Angriff und den versuchten Diebstahl unseres Banners ausgelöst. Beleidigungen oder Provokationen wären unter keinen Umständen eine Rechtfertigung für die anschließenden körperlichen Attacken.

Was nehmen wir also aus diesen Ereignissen mit?

Der politische Wind ist rau. Rechtsextreme und Menschen, die sich ihnen verbunden fühlen, treten zunehmend selbstbewusster auf. Die Hemmschwelle, körperliche Gewalt anzuwenden, scheint immer weiter zu sinken. Auch wir als aktive Fans von Tennis Borussia müssen uns deshalb fragen, was wir aus diesen Ereignissen mitnehmen.

Was wir alle in erster Linie tun können, ist zusammenzustehen. Der beste Schutz des Einzelnen liegt in einem solidarischen Gruppenkollektiv. Genau dieses Gefühl hat uns in Siedenbollentin gefehlt. Ohne das mit Sicherheit sagen zu können, sind wir überzeugt, dass ein solcher Angriff bei einer deutlich größeren Präsenz unserer Fanszene zumindest erheblich erschwert worden wäre. Vielleicht hätten 20 bis 30 weitere Lila-Weiße vor Ort bereits einen Unterschied gemacht.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass TeBe für uns alle die schönste Nebensache der Welt ist. Familie, Arbeit, Gesundheit und Privatleben gehen selbstverständlich vor. Niemand muss sich dafür rechtfertigen, wenn es einmal nicht zum Spiel geht. Aber bitte bleibt nicht aus bloßer Bequemlichkeit zu Hause, während andere dadurch möglicherweise stärker zur Zielscheibe werden.

Kommt zu den Spielen, habt eine gute Zeit und lasst uns gemeinsam für das einstehen, was uns alle irgendwann zu diesem Verein gebracht hat. Lasst uns zeigen, wofür Tennis Borussia steht: für Solidarität, Vielfalt und eine Fankultur, in der rechte Ideologien und Gewalt keinen Platz haben.

Nur gemeinsam können wir stark sein und den Vollpfosten da draußen etwas entgegensetzen. Lasst uns das tun.

Forza TeBe!

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