Schweres Erbe für den Trainer Polster

Der neue Mann heißt Polster. „Lori“ Polster. Ende 1926 hatte Otto Nerz die Veilchen verlassen, um fortan die Reichsauswahl zu trainieren. Als Nachfolger war Nerz‘ Student Herberger berufen worden, der die Erste Herren ehrenamtlich als Spielertrainer betreute. Die Belastung für ihn muss enorm gewesen sein: Student, Angestellter im Bankhaus der beiden Borussen und Max Berglas, Spieler und Trainer. Dennoch hält Herberger durch bis der ehemalige Nationalspieler Walter Hollstein verpflichtet werden kann. Nun, im August 1928 übernimmt Polster. Das Erbe, das er antritt wiegt schwer. Tennis hatte einen deutschen Rekordlauf hingelegt. 18 Siege in Folge, dazu ein Unentschieden, bei 93:16 Toren! Gestoppt konnten die Veilchen nur von der Hertha werden. Am 4. März 1928 im ersten Spiel um die Berliner Meisterschaft der Saison 1927/28. Neben diesem Verbandsrekord hatte TeBe mit einer ganzen Reihe an prominent besetzten Freundschaftsspielen auf sich aufmerksam gemacht: die Gegner hießen Young Fellows Zürich, Slavia Prag, — der amtierende Deutsche Meister –, Dresdner SC, ; den amtierenden holländischen Meister hatte TeBe 8:1 vom Platz gefegt, und mit den Weinroten vom traten erstmalig seit Jahren wieder Profifußballer in Deutschland den Ball.

Als „Hauptamtlicher“ verpflichtet sich Polster für zwölf Stunden die Woche. Doch er ist nicht nur für die Erste Herren verantwortlich. Auch die anderen Kräfte im Club, insbesondere die starke Jungendabteilung, sollen einem geregelten Training zugeführt werden, weil wir unsere Aufgabe voll erfüllen wollen. Das sind allein 13 Jugendmannschaften. Sonntags steht Polster den Veilchen den ganzen Tag zur Seite.

Der Start ist unglücklich. Die Erste Herren ist stark dezimiert. Ersatzweise laufen auf: Käppel Feierabend von den alten Herren, , Schumann sowie aus der Jugend. Entsprechend fallen die Ergebnisse aus. Der VfB Pankow freut sich am 4. August über 7:5 unerwartete Tore. Und auch der möchte sich im Veilchenpflücken profilieren, bevor es für die Berliner wieder in den Verbandsalltag geht. Es ist ein hartes Spiel, mit dem die Breslauer Lila-weiße rupfen. Schumann wird arg zugesetzt, der Schiri siehts mit Fassung. Trotzdem sind die Berliner optisch überlegen, doch dem Sturm will kein Mittel einfallen, den Abwehrriegel zu knacken. Das erste Tor geht auf , der nach einer Attacke stehen bleibt, anstatt nachzusetzen. Auch die zweite Netzberührung war Deckungsschuld, aber nicht ganz so arg.

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Auch eine Tradition:

Unsere Schuldsumme betrug im Vorjahr etwa 40.000 Mark. Sie ist wesentlich zurückgegangen, wozu wozu uns die Einnahmen aus den Entscheidungsspielen führte[sic!]. Auch der Eingang der Mitgliederbeiträge ist erfreulich gut; im letzten Jahr sind auf diesem Konto 5.600 Mark vereinnahmt worden, es bleiben aber bis zum Abschluss des 3. Quartals immerhin noch rund 2.000 Mark Außenstände, der Vorstand ist entschlossen, diese mit allen Mitteln einzubringen. Zur Zeit hat der Verein rund 18.000 Mark Schulden, wogegen der Wert unseres eigenen Geländes in steht, auf dem eine hypothekarische Belastung von 12.000 Mark ruht. Allzu sehr drücken wird uns diese finanzielle Lage nicht; wir müssen aber bedenken, dass der Verein pro Monat an Betriebskosten, als da sind: Platz- und Klubraummiete, Geschäftsstelle, Zinsen, Steuern, Gehälter, Material, Vereinszeitung usw., 4.000 Mark benötigt, so dass durch den Verein recht nette Summen „gewälzt“ werden müssen, damit der Betrieb nicht zum Stocken kommt.

We save TeBe!