Verliebt in TeBe
Felix Krüger im Gespräch mit Frank Misch
Felix Krüger: Hallo Frank, die Landesliga spielt nun zwar schon wieder ein bisschen länger als die Oberliga, aber sag doch auch du zunächst einmal etwas zu den Veränderungen im Kader während der Winterpause.
Frank Misch: Klar, gerne. Zunächst mal hatten wir ja mit Alan Tamer Agha einen Abgang, der zu Stern 1900 gewechselt ist, weil er sich bei uns angeblich nicht wohl gefühlt hat. Aufgrund der Situation, dass der Oberligakader ein wenig ausgedünnt wurde und einige Leute von uns dort mittrainieren und auch bereits in Pokal- und Freundschaftsspielen zum Einsatz gekommen sind, haben wir einige Neue geholt. Denn wenn Spieler von uns auch in der Oberliga eingesetzt werden, stehen sie ja für mich erstmal nicht mehr zur Verfügung und daher musste ich für die Rückrunde ein paar Leute dazunehmen, um meinen Kader aufzustocken.
Kannst Du die Neuen mal im einzelnen kurz vorstellen?
Ja. Da ist erstmal der Bernd Steinhage, der schon vorher bei uns war. Er war jetzt wegen seiner Ausbildung ein halbes Jahr in Spanien und hat zuletzt noch in Südafrika seine Familie besucht. Seit 20. Februar ist er nun wieder bei uns, worüber ich sehr froh bin. Er ist wirklich total heiß – der brennt wie eine Fackel! Dann ist Ugur Ilter neu bei uns, ein ehemaliger Oberligaspieler der Reinickendorfer Füchse, der seit vielen Jahren nicht mehr gespielt hat. Zuletzt hatte er wieder bei Hürriyet als Spielertrainer angefangen. Über seinen Kumpel Manuel Greil ist der Kontakt zu uns zustande gekommen und er hat einfach mal beim Training mitgemacht und gesehen, dass wir eine gute Einheit sind und jetzt will er es auf seine alten Tage noch einmal wissen und hat sich uns angeschlossen. Neu bei uns ist auch Ali Üstindag, der vor zwei Jahren in der zweiten A-Jugend von TeBe gespielt hat und der jetzt gesehen hat, dass bei uns doch auch ganz ordentlich Fußball gespielt wird und man hier noch ein bisschen was lernen kann. Wir haben den Ivanovs dazu genommen, der in den letzten Jahren in der SSV-Jugend gespielt hat. Auch ein Talentierter, der aber noch ein bisschen an seiner Disziplin arbeiten muss. Dann ist da Selim Yüzgec von Hürriyet, ein sehr talentierter junger Stürmer, der im Moment noch ein paar konditionelle Probleme hat. Außerdem ist Selem Filiz nach einem Vierteljahr Auszeit wieder da, wie auch Ibo Cil, der sich ja letztes Jahr im Oktober das Kreuzband gerissen hatte und sich jetzt wieder an seinen alten Leistungsstand herankämpft. Leider hatte er über den Winter 15 Kilo zugenommen, von denen auch noch nicht alle wieder weg sind, wie man sehen kann. Aber ist auf alle Fälle eine sehr positive Figur. Sehr stolz bin auch, dass es mir gelungen ist, mit Igor Sandara einen alten Tennis-Borussen an Land zu ziehen. Er ist bei Makkabi nicht glücklich geworden und hat jetzt erfreulicherweise den Weg zu uns zurück gefunden. Ich bin ja immer bemüht, zu ehemaligen Spielern den Kontakt nicht abreißen zu lassen.
Das ist ja überhaupt so eine Sache bei Dir: man fragt sich immer, wo du die ganzen Spieler auftreibst, wie du auf die Leute aufmerksam wirst. Andere Landesligisten wie Stern 1900 laufen mit Ex-Profis auf und bei dir sind da Spieler aus zweiten Jugendmannschaften dabei oder solche von den zweiten Mannschaften von irgendwelchen Verbands- oder Landesligavereinen – wie kommen die überhaupt bei dir auf den Zettel?
Ich bin fußballbekloppt. Mein Automechaniker fragt mich auch dauernd, wie es sein kann, dass bei mir schon wieder ein Ölwechsel fällig ist, weil ich die nächsten 15.000 Kilometer runter habe. Ich nehme wirklich jede Gelegenheit wahr, irgendwo ein Spiel zu sehen, wenn ich weiß, da ist einer dabei, der etwas für uns sein könnte. Wenn wir nicht selber spielen, sehe ich mir bestimmt drei Spiele an einem Wochenende an – oft auch nur eine Halbzeit, um dann schnell zum nächsten Platz zu fahren. Man muss aber auch sagen, dass wir als Tennis Borussia noch einen guten Namen haben. Und wenn man die finanziellen Möglichkeiten nicht hat, dann muss man sich anderweitig gut präsentieren. Die Leute kommen hier zu einem Traditionsverein, wir bieten ihnen ein gewisses Flair, wir haben unsere eigene Kabine, unsere Klamotten, eine richtig gute Kameradschaft und natürlich auch die Perspektive, sich für eine Oberligamannschaft anzubieten; dann überzeuge ich ich hoffentlich auch als Trainer, wir spielen einen moderenen Fußball; das ist meine Philosophie und mein Erfolgsrezept – ich denke, was und wen ich hier aufgebaut habe, kann sich sehen lassen. Das ist sehr anstrengend, aber es macht mir sehr viel Spaß; ich verliebe mich immer mehr in diesen Verein und ich hoffe, dass ich hier noch einiges bewerkstelligen kann.
Wie läuft das denn mit Condé und Borkowski, die in den Kader der ersten Mannschaft aufgerückt sind – fehlen die dir komplett im Training und erscheinen nur zum Spiel?
Ja. Die trainieren unter der Woche mit der Oberligamannschaft und sind nur zur Abschlusseinheit am Freitag und zum Spiel bei mir. Ich finde das auch gut, weil es einen Anreiz für die ganze Mannschaft darstellt. Welcher Verein bietet dir das schon, dass du zwei Klassen höher in der Oberliga dabei sein kannst? Und das ist gerade für die jungen Leute natürlich schon eine tolle Sache, wenn du siehst, dass du wirklich die Möglichkeit hast, mal mit Leuten – die zum Teil auch aus dem Profibereich kommen, die mal in ganz anderen Klassen gespielt haben – mitzutrainieren, vielleicht sogar zusammen zu spielen und deine Chance zu nutzen. Ich habe einen guten Draht zu Dejan Raickovic und bin stolz, mit so einem guten Mann zusammenarbeiten zu dürfen. Ich kann immer zu ihm kommen und ihm den einen oder anderen Spieler zum Probetraining ans Herz legen.
Wie läuft es in der anderen Richtung? Du hattest vor einiger Zeit bereits einmal erwähnt, dass sich seit dem Amtsantritt von Dejan Raickovic die Zusammenarbeit mit der ersten Mannschaft deutlich verbessert habe. Hat sich daran durch das Ausscheiden der Maschke-Brüder irgendetwas geändert? Heute zum Beispiel ist nur Timo Hampf aus dem Oberligakader dabei…
Nein, die Zusammenarbeit ist nach wie vor sehr gut. Dass heute keine Oberliga-Spieler dabei sind, liegt an der Verltzungssituation in der Ersten. Es musste ja am Freitag sogar ein A-Jugend-Spieler eingewechselt werden. Dejan legt schon Wert darauf, dass die Spieler seiner Mannschaft am Wochenende Spielpraxis kriegen. Wichtig ist daher auch, dass ich hier sein System mit Dreierkette spiele, damit ich die Leute da einsetzen kann, wo er das will. Das muss ein Trainer einer zweiten Mannschaft einfach begreifen, dass er sich in solchen Sachen nach dem Trainer der Ersten zu richten hat. Andererseits sieht Dejan auch ganz genau, dass ich auch immer den einen oder anderen erfahrenen Mann zur Unterstützung brauche, um weiterhin oben in der Landesliga dabei bleiben zu können, denn wir sind doch noch eine sehr junge und unerfahrene Truppe. In der Hinrunde hatte ich wiederholt Spieler wie Perez, Eckl oder Ulbricht dabei und heute ist es mit Timo Hampf wieder ein Top-Torwart mit seiner ganzen Erfahrung und das ist eine große Hilfe.
Nachdem in der Frühphase der Hinrunde erst gegen Stern 1900 und dann beim FC Nordost gewonnen hattet und so langsam klar wurde, dass euer toller Saisonstart nicht nur pures Glück war, bist du trotzdem nicht in Euphorie verfallen, sondern wolltest euch nach einer Handvoll Spieltage noch nicht als Spitzenteam sehen und hast angemerkt, dass die Mannschaft sicherlich auch noch ihre Schwächephasen durchleben werde. Hat sich an der Einstellung inzwischen etwas geändert?
Ja, sicher. Wenn man eine so gute Hinrunde spielt, permanent oben steht und einen ausgeglichenen Kader hat, muss man irgendwann auch Farbe bekennen. Wenn man zwölf Spieltage vor Schluss ganz oben mit dabei ist, dann muss man auch sagen, was man will und kann nicht anfangen, seine Position zu verwalten. Wir wollen als Fußballer doch alle etwas erreichen. Wenn wir am Ende auf Platz fünf oder sechs einlaufen, können wir immer noch stolz sein, aber so lange es geht, wollen wir uns da oben festbeißen.
Gab es denn schon Gespräche über die Zukunft der Zweiten im Allgemeinen und deine Zukunft im Besonderen oder auch über die Möglichkeit Verbandsliga?
Nein. Ich denke aber, dass das in den nächsten Wochen (das Gespräch fand am 25.Februar vor dem Spiel gegen Stern 1900 statt) passieren wird. Ende Februar, Anfang März ist eigentlich immer die Zeit, um solche Gespräche zu führen. Ich selber fühle mich wie gesagt sehr wohl in diesem Verein, wie man mich hier machen lässt und welche Unterstützung ich hier kriege – zum Beispiel mit dem Förderverein. So etwas ist ein sehr wichtiges Zeichen für einen Trainer. Was die Frage angeht, ob es in der nächsten Saison wieder Landesliga oder ob es Verbandsliga heißt, da werden die nächsten Spiele heute gegen Stern, dann gegen Nordost und Lübars Wahrsager sein. Und wenn wir Ende April, Anfang Mai immer noch oben dabei sind, dann wird man auch mal über die Verbandsliga reden müssen.
Vielen Dank, Frank.






