"Wir haben immer an unsere Stärken geglaubt!"
Mr. Bungle im Gespräch mit Frank Misch
Die Landesligamannschaft war in diesem Jahr die positive TeBe-Überraschung schlechthin und darf sich sogar noch berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen. Einen Tag vor dem Spiel gegen KSF/Umutspor (Sonntag, 14 Uhr, Hans-Rosenthal-Sportanlage) sprachen wir mit Trainer Frank Misch.
Hallo Frank, zwei Spieltage vor Saisonende seid ihr mit TeBe II in der Landesliga nur durch das Torverhältnis von einem Aufstiegsplatz getrennt und somit noch ganz dick im Rennen. Wie erklärst du dir das und hättest du im August im Traum damit gerechnet, dass so etwas möglich ist?
Nein, ich hätte das für absolute Spinnerei gehalten, zumindest noch zu diesem Zeitpunkt. Im September, Oktober dann hat sich aber schon abgezeichnet, was für eine Wahnsinnstruppe wir haben, mit vielen Supercharakteren, die alle gemeinsam etwas erreichen wollen. Da war von Anfang an ein Verständnis da, als würden wir alle schon zehn Jahre lang zusammenspielen, da wurden taktische Vorgaben auf Anhieb verstanden und umgesetzt, das war wirklich phänomenal.
Viele Spieler kamen ja aus unteren Ligen und hatten mit taktischen Systemen bis dahin wenig zu tun gehabt, aber sie haben sich diese Fähigkeiten wahnsinnig schnell angeeignet und ihre Vorgaben auf dem Platz erfüllt. Dazu hat uns die Unterstützung aus dem Oberligakader wahnsinnig weiter geholfen, Leute wie Eckl oder Perez waren eminent wichtig für uns und hatten einen großen Anteil daran, dass es so toll für uns lief.
Ab Beginn der Rückrunde wurde der Oberligakader deutlich dünner, was auch Auswirkungen auf euch hatte. Wie seid ihr damit klargekommen?
Es hat sich genau der Trotzeffekt eingestellt, den ich mir erhofft hatte. Es gab Spieler aus dem zweiten Glied, die den Ehrgeiz hatten, die entstandenen Lücken zu füllen. Dass das alles so gut funktioniert hat, ist eben auch dem tollen Mannschaftsklima zu verdanken. Es hat sich einfach bezahlt gemacht, bei der Auswahl der Spieler starken Wert auf charakterliche Eigenschaften zu legen, zu schauen, ob ein Spieler in das Gefüge passt, ob er ehrgeizig ist, und nicht auf völlig nebensächliche Dinge wie z.B. die Nationalität. Man muss sich ja nur mal den Kader vieler Mannschaften ansehen, um zu sehen, dass nicht wenige Trainer Vorbehalte haben, beispielsweise mit türkischstämmigen Spielern zusammenzuarbeiten. Mir persönlich sind Dinge wie Herkunft oder Alter völlig egal, ich schaue nur, ob der Spieler zu uns passt. Und damit fahren wir, wie man am einzigartigen Mannschaftsklima sieht, sehr gut.
Wie sieht die Personalsituation vor den beiden letzten Spielen aus? Bernd Steinhage musste ja am Donnerstag in der Oberliga aushelfen und bereits in der ersten Halbzeit verletzt ausgewechselt werden. Um was für eine Verletzung handelt es sich bei ihm?
Bernd hat sich einen Bündelriss zugezogen, so dass für ihn die Saison vorbei ist, was für uns natürlich ein ganz herber Verlust ist. Wir pfeifen personell leider aus dem letzten Loch, Ibo Cil hat sich eine doppelte Zerrung zugezogen, Christian Nitezki, der in der zentralen Abwehr eine Supersaison gespielt hat, fehlt mit Muskelfaserriss, Igor Sandara mit Fersensprung. Insgesamt müssen wir morgen sieben Ausfälle kompensieren. Aber ich denke, wir kriegen das hin, es war bisher immer so, dass die Spieler, die aus dem zweiten Glied kamen, ihre Chance genutzt haben. Insofern gehen wir absolut optimistisch in das Spiel gegen Umutspor.
Ihr habt eine Superserie hingelegt, seid jetzt seit acht Spielen ungeschlagen, während die Konkurrenz zuletzt schwächelte. Wie seid ihr aus dem Formtief zu Beginn der Rückrunde herausgekommen, als alle dachten, jetzt wäre es schon vorbei?
Wir sind einfach in jedes Spiel mit dem unbedingten Willen gegangen, es zu gewinnen, völlig unabhängig von der Tabellensituation. Das ist mir als Trainer unwahrscheinlich wichtig zu vermitteln: Immer weiter, niemals aufgeben, niemals die Köpfe hängen lassen, niemals zu sagen: Die sind sowieso stärker als wir. Nein, wir haben uns immer wieder unsere eigenen Stärken bewusst gemacht, die Spieler haben sich vorbildlich an die Marschroute gehalten und so sind wir wieder zurück in die Spur gekommen, auch nach den drei in Folge verlorenen Spielen. Man hat im Fußball doch schon genügend verrückte Situationen erlebt, aus denen man weiß, dass man sich nie zu früh aufgeben darf. Ob man sich nun die Bundesliga ansieht oder auch die Oberliga, wie sich Babelsberg jetzt mit Hängen und Würgen zum Aufstieg durchwurstelt.
Unabhängig, ob ihr nächste Saison Landes- oder vielleicht sogar Verbandsliga spielt: Weißt du schon, ob die Mannschaft im Kern zusammenbleiben wird?
Das ist mein ganz großer Wunsch. Viele Spieler wollen gerne bleiben, aber bevor die JHV stattgefunden hat, weiß natürlich niemand so genau, wie die Planungen und Konzepte des Vereins aussehen. Und es wird nicht einfacher für uns, da viele unserer Spieler, die vor einem Jahr noch irgendwo in der zweiten A-Jugend spielten und die niemand kannte, plötzlich ins Blickfeld geraten sind und von anderen Vereinen umworben werden. Ich habe jetzt zwei Jahre hintereinander völlig bei null angefangen, stand vor der Saison völlig ohne Spieler da. Ein drittes Mal möchte ich das einfach nicht tun müssen. Viele Spieler bringen unheimlich viel für den Erfolg der Mannschaft ein. Dada, um nur ein Beispiel zu nennen, ist jobmäßig derzeit in Köln und kommt extra zu den Spielen nach Berlin. Genauso haben viele andere Spieler unheimlich viel für den Erfolg der Mannschaft geleistet. Deshalb hoffe ich, dass wir diesen tollen Kader zusammenhalten können und im nächsten Jahr auf dieses Fundament aufbauen können, ob nun in der Landes- oder Verbandsliga.
Das würde uns alle sehr freuen. Zunächst drücken wir dir und deiner Mannschaft alles Gute für die beiden anstehenden Spiele. Vielen Dank für das Gespräch!






