Kleiner Kader, großes Ziel

David Naujeck im Gespräch mit Sven Thoß

Diese Jahr soll es klappen mit dem Aufstieg der Veilchenladies in die Bundesliga. Trainer Sven Thoß ist eine Woche vor Saisonstart leicht optimistisch. Doch die Vorbereitung sorgte nicht nur für positive Ergebnisse.

David Naujeck: Die Vorbereitung auf die kommende Saison neigt sich dem Ende. Es gab dabei viele Testspiele gegen Frauen- und Männerteams. Wie beurteilst Du die Ergebnisse?

Sven Thoß: Ich denke wir sind in einem guten Zustand. Die Spiele gegen die Männer waren hauptsächlich dafür gedacht die athletischen Grundlagen zu legen. Von daher waren die ersten Partien vom Ergebnis her völlig uninteressant. Der 10:0-Erfolg bei Blau Weiß Hohen Neuendorf war meiner Ansicht nach ein guter Auftakt für die Spiele gegen Frauenteams. Allerdings war die Gegenwehr relativ schwach. Letztes Wochenende beim USV Jena, die in der 2. Bundesliga Süd zu den Aufstiegsaspiranten zählen, war der 3:2-Sieg jedoch der erwartet schwere Härtetest. Dort haben wir allerdings in der Chancenverwertung gesündigt. Wir hatten in der Endphase fünf oder sechs „Hundertprozentige“ die wir einfach nicht machen. Das ist so ein bisschen der rote Pfaden der sich in der Vorbereitung zeigt: Die Schwächen in der Chancenverwertung, die wir auch schon letzte Saison hatten, können wir nicht von einem Tag auf den anderen abstellen. Da müssen wir weiter dran arbeiten.

David Naujeck: Wo liegen die weiteren Felder, die jetzt in der Endphase der Vorbereitung noch beackert werden?

Sven Thoß: Wir müssen die individuellen Fehler abstellen. In der Defensive sind wir zur Zeit einfach zu instabil. Auch im Passspiel und in der Zuordnung unterlaufen uns noch zu viele Fehler. Das hat zwar gegen Jena ganz ordentlich geklappt, doch besonders die erste Hälfte beim 6:2 gegen den Magdeburger FFC war ein Rückfall. Da bin ich noch nicht zufrieden. Gegentore sind selten herausgespielt sondern fallen weil wir dort nicht die nötige Konsequenz an den Tag legen. Scheinbar fehlt einigen in den Testspielen die nötige Spannung. Im ersten Pflichtspiel müssen wir den Schalter aber umlegen. Denn sonst rächt sich das gnadenlos.

David Naujeck: Bist Du zuversichtlich, dass das bis zum Saisonstart klappt?

Sven Thoß: Ja. Das sind Dinge wo ich weiß, dass wir das schon besser gekonnt haben. Solch Phasen gibt es in der Vorbereitung. Wir haben in der Defensive gute Leute, auch wenn der verletzungsbedingt Ausfall von Suzan Sharif leider noch mal zu Umstellungen in der Viererketten führen wird. Neuzugang Franziska Koop braucht dort noch Eingewöhnungszeit. Aber sie steigert sich kontinuierlich mit den Testspielen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Die Spielerinnen sind nach sechs Wochen Arbeit heiß auf das erste Punktspiel.
Größe Sorgen macht mir eher der kleine Kader. In der Breite sind wir einfach nicht gut genug besetzt. Mit Sabrina Ullmann und Suzan Sharif haben wir gleich zu Saisonbeginn wieder zwei Ausfälle. Zur Zeit habe ich genau drei Feldspieler zu wechseln. Wir können nur beten, dass sich nicht noch weitere Spielerinnen verletzen.

David Naujeck: Der Kader ist klein. Schält sich den langsam eine Stammelf heraus?

Sven Thoß: Na klar schält die sich raus. Die Probierphase ist jetzt vorbei. Anderthalb Wochen vor Punktspielstart wäre es schlimm wenn ich noch keine Vorstellungen hätte. Mit meinem Co-Trainer Micha Koch habe ich in den letzten Wochen öfter durchdiskutiert wer wo spielen kann. Für mich sind neun von elf Positionen absolut fest. Über die zweite Position im Sturm denken wir noch nach. Auch über eine Außenbahn im Mittelfeld machen wir uns Gedanken. Das hängt dann auch von der Verfassung in der letzten Woche ab. Aber ansonsten steht die Elf.

David Naujeck: Nun gab es in der Sommerpause auch einige Neuzugänge. Kannst Du dort bitte die einzelnen Spielerinnen vorstellen?

Sven Thoß: Gerne. Nadin Sandmann kam als Stürmerin von Turbine Potsdam II und hat bisher das erfüllt was wir uns von ihr erhofft haben. Sie muss vor dem Tor noch etwas cooler werden, arbeitet aber viel und bringt sich auch menschlich toll ein. Nach den Leistungen in den Testspielen mit einigen Toren und Torvorlagen ist sie für mich im Angriff gesetzt.
Torhüterin Cordula Busack kam ebenfalls aus Potsdam an den Eichkamp. Auch sie hat unsere Erwartungen erfüllt und macht Kerstin Prusas im Tor Konkurrenz und Druck. Nach einem Jahr Pause hat sie im athletischen Bereich noch leichte Defizite. Wenn es darauf ankommt, dann ist sie aber eine Torhüterin auf die man sich verlassen kann. Falls durch Verletzung oder ähnlichem also ein Wechsel im Tor nötig werden sollte, dann haben wir dort einen Top-Ersatz in der Hinterhand.
Daniela Retkowski verstärkt uns im Mittelfeld, vornehmlich auf der rechten Außenbahn. Sie braucht noch etwas, auch weil sie vom Charakter etwas zurückhaltender ist. In Hohen Neuendorf war sie gesetzt. Hier muss sie natürlich um ihren Platz kämpfen. Im Athletikbereich ist sie noch nicht soweit wie ich mir das vorstelle – hat aber gute Anlagen. Wenn sie auf der Außenbahn durch ist, dann bringt sie auch gute Flanken. Es braucht noch ein bis zwei Monate, dann können wir sie bringen ohne uns groß Gedanken machen zu müssen.
Bei Franziska Koop ist es ähnlich, da sie ein halbes Jahr wegen ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin nicht gespielt hat. Auch sie muss im Athletikbereich noch etwas tun, dann kommt auch die nötige Sicherheit im Spiel. Momentan macht sie noch ein paar Schusselfehler, weil sie dort die Ballsicherheit nicht hat. Sie steigert sich aber in den Partien.
Leider mit einem körperlich desolatem Zustand kam Stürmerin Sabrina Ullmann von Lok Leipzig zu uns. Sie weiß auch, dass sie in dem Bereich etwas tun muss, aber durch ihre Verletzung jetzt in der Vorbereitung fängt sie praktisch wieder bei Null an. Bei dem engen Kader ist solch ein Ausfall für längere Zeit schlimm. Es wird schwer vor der Winterpause die Situation zu ändern.

David Naujeck: Werfen wir mal einen Blick voraus. Wo siehst Du TeBe am Ende der Saison?

Sven Thoß: Ich sag mal unter der Voraussetzung, dass wir ohne große Verletzung die Vorrunde überstehen und uns im Winter noch mal verstärken können, denke ich gibt es eine absolut realistische Chance, dass wir auch um den Aufstiegsplatz mitspielen. Aber sollte uns hier irgendeine Stammspielerin nur über zwei oder drei Wochen ausfallen, dann ist der Kader einfach zu dünn. Wir haben einfach nicht das Umfeld um Spielerinnen hierher zu locken. Mit Ausbildungsstellen und vielem anderen bemühen wir uns zwar um gute Spielerinnen, aber damit kann man keinen Kader zusammenstellen der ohne Weiteres den Durchmarsch schafft. Leider kommen aus der Jugend und der zweiten Mannschaft kaum Talente nach.
Aber, wie bereits gesagt, wenn der liebe Gott das so will und wir keine Verletzten haben, dann rechne ich uns gute Chancen aus.

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