"Ich bin guter Dinge"
David Naujeck im Gespräch mit Sven Thoß
Am Sonntag beginnt für die Veilchenladies wieder der Kampf um die Punkte in der 2. Bundesliga. Dabei kommt es am 13. Spieltag gleich zum Spitzenspiel. TeBe reist als Tabellenführer zum Drittplazierten Herforder SV. Trainer Sven Thoß stellt die Neuzugänge vor und liefert eine Einschätzung über den Stand der Vorbereitung sowie das Duell an der Tabellenspitze.
tebe.de: Werfen wird doch am Anfang noch einen kurzen Blick zurück auf die bisherigen Saisonspiele. Im Sommer hast Du im Hinblick auf den Aufstieg gesagt: „Wenn der liebe Gott das so will und wir keine Verletzten haben, dann rechne ich uns gute Chancen aus.“ Nun gab es doch einige Langzeitverletzte im Team und trotzdem steht TeBe auf Platz 1. Wie kommt’s?
Sven Thoß: Tja, wie kommt’s? Wir haben ja nur einmal verloren. Das 0:1 im Heimspiel gegen Lok Leipzig war auch eine unglückliche Niederlage. Wir hatten dann noch eine kurze kritische Phase mir mehreren Unentschieden, aber ansonsten war ja die Leistungskonstanz da. Die Truppe hat sich zusammengerauft. Trotz der Verletzten konnten wir das immer kompensieren. Aber ich denke der Hauptgrund ist, dass wir wirklich eine absolut stabile Defensivleistung abgeliefert haben und darüber vielleicht auch den einen oder anderen Ausfall in der Offensive ersetzten konnten. Man sag ja nicht umsonst: Meisterschaften werden in der Defensive gewonnen. Es gibt natürlich Mannschaften in der Liga, die deutlich mehr Tore geschossen haben – die haben aber auch mehr Gegentore bekommen. Ich habe kein Problem damit, wenn das in der Rückrunde genauso läuft.
tebe.de Wie fit ist die Mannschaft nach der fünfwöchigen Vorbereitung?
Sven Thoß: Naja, ich denke mal zwischen 70 und 80 Prozent im athletischen Bereich. Fußballerisch liegen wir noch dahinter. Wir haben die Vorbereitungspartien analysiert, die ja bekanntlich nicht so optimal liefen. Nach dem letzten Testspiel haben wir im Team aber eine positive Grundeinstellung ausgemacht und blicken optimistisch Richtung Rückrundenstart in Herford. Ich bin guter Dinge, dass wir dort etwas reißen können. Natürlich müssen wir zusehen, dass wir unser Abwehrverhalten, was in der gesamten Mannschaft noch nicht optimal war, wieder auf den guten Stand der Vorrunde bringen. Da liegt unsere Stärke. Gelingt uns das, dann haben wir eine gute Chance.
tebe.de: Nun hat es in der Winterpause einige Veränderungen im Kader gegeben. Stell die einzelnen Neuzugänge doch am Besten mal kurz vor.
Sven Thoß: Fangen wir mal mit der Jüngsten, mit Chantal Hoppe, an. Sie ist eine Perspektivspielerin, die noch ihre Zeit braucht. Fußballerisch bringt sie eine ganze Menge mit, besitzt eine gute Technik und ist sehr laufstark. Bei den Trainingseinheite lag sie dort im vorderen Bereich. Das hat mich angenehm überrascht. Darüber hinaus ist sie eine fleißige Spielerin, die genau weiß was sie will. Noch fehlt ihr das nötige Selbstvertrauen und die körperliche Robustheit. Aber sie ist mit ihren 16 Jahren noch jung, da darf man im Moment nicht zuviel erwarten. Wir haben sie wie gesagt als Perspektivspielerin geholt. Sie soll noch nicht die Eisen aus dem Feuer holen, das müssen momentan noch andere bewerkstelligen. Aber das Talent bringt sie mit, versucht sich durch freiwilliges Zusatztraining zu verbessern und wird ihren Weg gehen.
Bei Inken Becher hoffe ich, dass der Knoten mit Beginn der Punktspiele platz. Insgesamt war ich mit ihr noch nicht so zufrieden. Wenn sie den Ball hat, dann zeigt sie ihre Spielintelligenz, ihr Auge für die Mitspielerin und ihr gutes Passspiel. Über ihre Erfahrung brauchen wir angesichts der Stationen und Erfolge in den letzten Jahren nicht reden – da kann jeder Trainer nur froh drüber sein. Aber sie muss im athletischen Bereich zulegen, auch was das Tempospiel ohne Ball anbelangt. Als zentrale Mittelfeldspielerin sollte sie in der Defensive genauso ackern wie alle anderen – da muss sie noch etwas aufholen. Von ihr erwarte ich einfach auch, dass sie eine Führungsrolle übernimmt, wenn sie dann körperlich in der Lage dazu ist. Ich denke mal in ein paar Wochen wird sie die entscheidenden Impulse geben können.
Anissa Holzhaus ist eine „Kampfsau“. Wenn sie fit ist, dann hat sie unheimliches Potential im kämpferischen Bereich. Sie hat leider ein halbes Jahr nicht gespielt. Auch in der Vorbereitung hat es nur zu einer Halbzeit gelangt, dann war sie platt. Das hängt natürlich mit dem Wechsel der Arbeitsstelle zusammen. Derzeit pendelt sie noch zwischen Frankfurt und Berlin. Ich hätte mich gefreut, wenn das reibungsloser geklappt hätte. Im Grunde genommen fängt sie jetzt erst mit der Vorbereitung an. In den nächsten vier bis fünf Wochen kann ich sie deshalb nur sporadisch einsetzen. Wenn sie dann aber fit wird, ist sie eine absoluten Ergänzung in der Defensive und gibt mir die Möglichkeit die eine oder andere Spielerin zu verschieben.
Mit Janine Köhler und Tamara Manthey sind zwei Spielerinnen aus dem Kader der zweiten Mannschaft dazugestoßen. Die Personaldecke macht es notwendig, dass wir die zwei Stärksten aus der Verbandsliga hochziehen. Janine hat eine gute Vorbereitung gespielt, findet sich langsam in die Rolle als rechte Verteidigerin ein. Im taktischen Bereich muss sie noch dazulernen, da sie dort nicht geschult ist. In der Verbandsliga hat sie Libero gespielt. Gerade im Spielaufbau und im Passspiel hat sie noch Verbesserungspotential. Ansonsten habe ich bei ihre keine Angst, sie auch in der 2. Bundesliga zu bringen. Janine ist robust und haut auch mal dazwischen. Sie hat sich relativ fest reingespielt in die Truppe.
Tammy hatte ich ja vor anderthalb Jahren schon mal im Kader. Sie ist eine Spielerin, die eine ganze Menge Potential mitbringt. Aber leider fast nur in der Offensive. In der Defensive hat sie Probleme, träumt manchmal ein bisschen. Damit ist sie im Mittelfeld nur sporadisch einsetzbar. Die Laufwege und das Taktische stimmen noch nicht. Dafür hat sie eine super Schusstechnik, gerade im Innenspann- und Spannbereich, was man im Frauenfußball selten sieht. Beide, Janine und Tammy, sehe ich auch längerfristig im Kader. Sie haben sich gut ins Teamgefüge eingefunden und es gibt kein Grund sie auszusortieren, wenn sich die Personalsituation wieder verbessert.
Quasi ein weitere Neuzugang ist Ilka Heyke. Für mich ist es überraschend in welchem Zustand sie jetzt nach fast einem Jahr Verletzung schon wieder ist. So wie sie in den Testspielen agiert hat, hat sie sich geradezu in den Kader hineinkatapultiert. Sie ist halt griffig und eine Spezialistin für die Defensive, wo sie eine Verstärkung ist. Ich bin positiv überrascht. Sie hat scheinbar auch kein Kopfproblem oder Angst sich erneut zu verletzen, sondern haut im Zweikampf ordentlich dazwischen. Die Präsenz und das Heranrücken an den Gegenspieler ist auch ihre Stärke.
tebe.de: Werfen wir einen Blick auf Sonntag. Wie schätzt Du Herford ein? Werden sie mit breiter Brust auftreten?
Sven Thoß: Na klar, die haben sicher weniger Sorgen in der Vorbereitung gehabt als wir. Das Umfeld ist dort weitaus aktiver. Die haben ein Trainingslager in der Türkei gemacht. Ich denke, dass dort im Bereich Teamgeist viel gemacht wurde. In den bisherigen Spielen mussten wir in Herford immer viel Druck aushalten. Gerade die Offensivabteilung bei denen ist gut. Auch wenn Herford tiefstapelt und sagt der Aufstieg sei ihnen nicht wichtig ist klar, dass sie uns schlagen wollen. Das wird schon ein heißes Spiel, aber ich denke wir können dort gut bestehen. Wir werden die Prozente herauskitzeln, die uns in den Testspielen noch gefehlt haben.






