Noch alles möglich

Mr. Bungle im Gespräch mit Ümit Ergirdi

Vor dem wichtigen Heimspiel gegen Hansa Rostock (Freitag, 19.00 Uhr, Mommsenstadion) unterhielten wir uns mit Ümit Ergirdi.

Hallo Ümit, nach dem spielfreien Wochenende steht morgen das wichtige Spiel gegen Hansa Rostock an – wie ist die Stimmung bei euch?

Wir sind natürlich alle schon sehr heiß auf dieses Spiel und sind uns um die Bedeutung der Partie bewusst. Wir haben jetzt einige Spiele vor uns, in denen wir gegen die direkte Konkurrenz punkten und das Feld von hinten aufrollen können. Auch wenn wir durch die drei sieglosen Spiele in Folge zurückgefallen sind, sehe ich immer noch gute Möglichkeiten, einen der direkten Aufstiegsplätze zu erreichen. Rostock hat noch ein schweres Restprogramm und am vorletzten Spieltag werden sich Hansa und Türkiyem noch einmal Punkte wegnehmen. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, ist da noch einiges drin. In der Vergangenheit haben wir leider mehrfach Teams unnötig stark gemacht, die uns daraufhin überrundet haben – gleich zweimal den BFC, aber in der Hinrunde auch Türkiyem oder Rathenow. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch TeBe sich mal die Big Points holt.

Ihr habt nach dem verpatzten Saisonstart ja durchaus ordentlichen Fußball gespielt. Hast du eine Erklärung für den Einbruch während der vergangenen Wochen?

Das hatte sicherlich eine Reihe von Ursachen, an denen wir auch im Training arbeiten. Jede Mannschaft macht im Saisonverlauf natürlich die eine oder andere Krise durch, nur nach unserem verpatzten Saisonauftakt dürfen wir uns solche Phasen eigentlich nicht mehr erlauben.

Es lief ja auch lange sehr gut und nach dem Dämpfer bei Optik sind wir wieder hochmotiviert in die Rückrunde gegangen. Dann nach dem Sieg bei Türkiyem und dieser tollen Euphorie von Mannschaft und Fans hatten wir alle ein sehr gutes Gefühl und waren sehr optimistisch. In diese Stimmung müssen wir wieder zurückkommen, dann ist einiges möglich.

In Spandau sah es ja über weite Phasen des Spiels bereits danach aus, als hättet ihr die Schwächephase der vorangegangenen Spiele überwunden. Umso erschrockener waren viele nach der ersten halben Stunde gegen den BAK, als das Spiel der Mannschaft ähnlich statisch wirkte wie bei der LFC-Pleite. Wie sind solche Schwankungen möglich?

Ich glaube, dass es uns zuletzt in gewissen Situationen, wo nicht alles gleich nach Plan lief und wir beispielsweise gegen eigentlich schwächere Mannschaften in Rückstand gerieten, an der mentalen Stärke fehlte, damit umzugehen. Plötzlich hatte jeder Angst davor, weitere Fehler zu machen und neigte zu sehr dazu, die Verantwortung lieber an den nächsten weiterzugeben. Ich finde es aber ein gutes Signal, wie es uns in der zweiten Halbzeit gegen den BAK gelungen ist, ins Spiel zurückzukommen, unsere Unsicherheit zu besiegen und uns die drei Punkte noch erkämpfen. Ich denke, dass wir aus diesem Spiel einige Lehren gezogen haben.

In den vergangenen Jahren hatte man häufiger den Eindruck, dass ihr euch gegen biedere Gegner schwerer tut als gegen spielstarke und ihr auswärts lockerer aufspielt als vor eigenem Publikum.

Da ist wohl schon was dran. Natürlich ist es nicht leicht, gegen vermeintlich schwächere Gegner zu spielen, deren Spiel eher destruktiv angelegt ist und die sich im Mommsenstadion natürlich noch stärker einigeln. Und natürlich hat man als Spieler in Heimspielen den Willen, dem eigenen Publikum etwas zu bieten. Wenn das nicht gelingt und man spürt, dass auch das Publikum langsam unruhig wird, kann der Heimvorteil auch mal in das Gegenteil umschlagen.

Wie wichtig ist das Publikum generell?

Das ist schon wichtig. Im Mommsenstadion zu spielen ist schon ein anderes Gefühl als auf einem Dorfplatz und man kriegt auch einiges von außen mit. Man hat es ja gegen Hertha gesehen: Selbst ein Spieler wie Pascal Bieler hat, nachdem er die rote Karte gegen Fuß provoziert hatte und anschließend durchgehen ausgepfiffen wurde, während des ganzen Spiels nichts mehr auf die Reihe bekommen und selbst einfachste Pässe ins Aus gespielt. Umgekehrt kann das Publikum natürlich auch eine enorme Rückendeckung für die eigene Mannschaft sein.

Nun habt ihr gegen Rostock eine andere Situation als die eben beschriebene, denn hier seid ihr die Jäger. Ist das vielleicht sogar die einfachere Konstellation?

Ich glaube schon, dass uns das eher entgegenkommt. Gegen fußballerisch starke Gegner sah TeBe in den letzten Jahren ja eigentlich immer recht gut aus. Wir wissen, dass wir in den beiden nächsten Spielen gegen Rostock und in Greifswald unheimlich viel an Boden gutmachen können und wir wollen diese Chance unbedingt nutzen.

Du wurdest zuletzt zum Teil zentral eingesetzt und zum Teil auf der Außenposition. Welches ist denn deine persönliche Lieblingsposition?

Am besten gefällt mir schon die klassische Zehnerposition, auch wenn diese Position im modernen Fußball immer schwieriger wird. Man sieht es ja an Spielertypen wie Ribéry, dass das Offensivspiel über die Außenpositionen immer bedeutsamer wird, wo man Tempo aufnehmen kann und Raum für Dribblings hat. Wobei unser System natürlich verlangt, dass man als Außenspieler auch viele Defensivaufgaben übernimmt und man dadurch etwas stärker gebunden ist. Markus Schatte ist ja eigentlich auch ein Befürworter des 4-4-2, aber dafür haben wir einerseits den Kader nicht und andererseits ist es jetzt auch zu spät für eine Umstellung.

Aber auch in den Spielen, in denen du nominell auf außen spieltest, haben Sascha Schrödter und du ja ziemlich viel rochiert und wart für den Gegner schwerer ausrechenbar.

Das ist richtig, das lief auch sehr gut und dieses variable Spiel hat uns ja auch in der Hinrunde während unserer Serie von neun ungeschlagenen Spielen so stark gemacht. Da hat sich dann zum Beispiel mal Halil zurückfallen lassen und andere sind in die Räume gestoßen. Wir haben ja unheimlich viele starke Offensivspieler und wenn wir diese geschickt einsetzen, können wir schon eine ziemliche Dominanz entwickeln.

Ihr trainiert jetzt seit etwa drei Wochen unter Markus Schatte. Wie würdest du ihn und seine Arbeit charakterisieren, was zeichnet ihn als Trainer aus?

Ich finde, dass bei Schatte einfach das Gesamtpaket stimmt. Er hat natürlich nur sehr wenig Zeit, seine Vorstellungen umzusetzen, aber man merkt, dass er als Trainer, auch wenn er bisher hauptsächlich im Jugendbereich arbeitete, eine ungeheure Erfahrung mitbringt. Er nimmt sich sehr viel Zeit und ist in der Lage, dir als Spieler deine Stärken aufzuzeigen und gleichzeitig die Sachen, an denen man noch arbeiten muss. Momentan konzentriert er sich im Training sehr auf das Defensivverhalten der Mannschaft und darauf, wie wir unter dem gegebenen System mehr Sicherheit reinbekommen. Er redet auch außerhalb des Trainings viel mit den einzelnen Spielern und sagt ihnen, was er von ihnen erwartet, so dass jeder eine klar definierte Aufgabe hat und man sich auf dem Feld besser ergänzen kann.

Welchen Gegner schätzt du neben Rostock und Türkiyem als schärfsten Konkurrenten um Kampf um die Qualifikationsplätze ein?

Ich glaube, dass Greifswald eine ganz schwere Nuss sein wird. Das Auswärtsspiel dort wird es in sich haben. Dennoch glaube ich, dass wir es noch schaffen können, auch noch unter die ersten Drei. Wenn es dazu nicht mehr reicht, dann eben über die Relegation. So oder so will ich am Ende der Saison gemeinsam mit den Fans feiern können. Schließlich spielt man Fußball, um solche Momente zu erleben, um so etwas für sich und für den Verein, für den man spielt, zu erreichen.

Danke Ümit, für dieses Gespräch. Wir wünschen euch viel Erfolg für die kommenden Spiele und dir persönlich, dass du möglichst viele dieser Partien mitbestreiten kannst.

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