Wieder Fußball spielen
Mr. Bungle im Gespräch mit Markus Schatte
Der neue Trainer unserer Oberliga-Mannschaft, Markus Schatte, erlebte mit dem 5:1-Erfolg in Spandau einen Auftakt nach Maß. Einen Tag nach dem Spiel unterhielten wir uns mit ihm über seine neue Aufgabe.
Hallo Markus Schatte, Gratulation zum erfolgreichen Oberliga-Einstand! Vor zwei Wochen hättest du sicher kaum geahnt, dass du gegen den BAK auf der TeBe-Trainerbank sitzen würdest. Nun bist du als Lehrer an der Poelchau-Schule ja eigentlich gut ausgelastet und hast zudem erst im Winter unsere Bundesliga-A-Junioren wieder übernommen. Inwiefern ist es dir schwer gefallen, diese Tätigkeit zugunsten der neuen Aufgabe ruhen zu lassen?
In der Tat musste ich aus den genannten Gründen einen Moment überlegen, ob ich dieses reizvolle Angebot annehme. Es hat sehr viel Freude gemacht, mit der aktuellen A-Jugend zu arbeiten und sportlich lief es von Spiel zu Spiel besser. Wir haben in der Liga gute Ergebnisse erzielt und gegen Hertha ein überragendes Viertelfinale im Berliner Landespokal gespielt. Natürlich fällt es da nicht ganz leicht, das so plötzlich hinter sich zu lassen. Darüber hinaus musste ich für mich abklären, inwieweit Oberliga und Lehrertätigkeit sich organisatorisch unter einen Hut bringen lassen. Insofern habe ich erstmal eine Nacht drüber geschlafen, mich dann aber entschieden, diese interessante Herausforderung anzunehmen.
Wieviele Wochenstunden unterichtest du und welches sind deine Fächer?
Ich habe eine ganz reguläre Vollzeitstelle, unterichte also jeden Tag. Meine Unterichtsfächer sind Politische Wissenschaft, Geschichte, Erdkunde und Sport.
Nun übernimmst du die Mannschaft quasi aus dem Stegreif und hast nicht allzuviel Zeit, deine eigene Handschrift umzusetzen, inwiefern erschwert das die Aufgabe? Als Jugendtrainer warst du es ja bisher eher gewohnt, konzeptionell zu arbeiten, während der jetzige Job darin besteht, in sehr kurzer Zeit das Ruder nocheinmal herumzureißen.
Diese Tatsache habe ich mir natürlich bewusst gemacht. Grundsätzlich stimmt es schon, dass es mir sehr viel Spaß macht, perspektivisch zu arbeiten, Spieler auszubilden und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Jugendbereich hat man dafür deutlich mehr Zeit und es werden auch andere Kriterien angelegt, während es im Männerbereich eben auf zählbare Erfolge ankommt, so auch in der aktuellen Situation. Aber auch das hat seinen Reiz und diese Tatsache macht mir keine schlaflosen Nächte.
Inwieweit konntest du die Stärken und Schwächen der Mannschaft denn schon vor dem ersten Training einschätzen?
Wann immer es möglich war, habe ich mir natürlich die Oberliga angesehen. Da allerdings die A-Jugend parallel zu den Freitagsspielen trainiert, konnte ich meistens maximal die zweite Halbzeit sehen, insofern ist das bisherige Bild noch recht lückenhaft. Grundsätzlich ist es so, dass man als Trainer etwa drei bis vier Wochen benötigt, um die einzelnen Spieler wirklich gut einschätzen zu können. Deshalb war ich gestern auch sehr froh, dass das Spiel relativ frühzeitig entschieden war und ich somit die Möglichkeit hatte, weitere Spieler einzuwechseln.
Sowohl in Spandau als auch beim Testspiel am Mittwoch fiel ins Auge, dass wesentlich flüssiger kombiniert und schneller gespielt wurde, dass mehr Ordnung im Team herrschte und dass auf den Außenpositionen disziplinierter nach hinten gearbeitet wurde als zuletzt. Waren das die Punkte, auf welche du in den ersten Tagen dein Augenmerk gerichtet hast?
Zunächst möchte ich feststellen, dass ich eine Mannschaft übernommen habe, die so Fußball spielen kann, wie sie es in Spandau gezeigt hat. Dafür ist auch den Trainern, die vor mir in der Verantwortung standen, danke zu sagen. In der Vorbereitung auf Spandau haben wir natürlich die letzten Spiele nochmal analysiert und versucht, die Ursachen für die jüngsten Misserfolge herauszuarbeiten. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich möchte, dass wieder mehr kombiniert und Fußball gespielt wird als das zuletzt der Fall war, und darauf habe ich auch den Schwerpunkt der ersten Trainingswoche gelegt. Dass dies beim SSV gleich so gut umgesetzt wurde, freut mich natürlich. Allerdings sind wir so kurz vor Saisonende in einer Situation, in welcher Siege gegen Spandau oder den BAK einfach Pflicht sind, wenn wir noch ein Wörtchen mitreden wollen. Die wirklichen Gradmesser für unsere Leistungsstärke kommen erst in den darauffolgenden Spielen.
Was tut man, um einer Mannschaft nach einem Desaster wie dem gegen Ludwigsfelde wieder Siegermentalität einzuimpfen?
Besonders spektakuläre Maßnahmen haben wir nicht ergriffen, sondern ganz einfach sehr konzentriert trainiert. Mein Hauptaugenmerk lag darauf, in der täglichen Trainingsarbeit das anzubieten, was ich auch im Spiel von der Mannschaft sehen will: Also viel mit dem Ball zu arbeiten und die spielerischen Elemente zu stärken. Die Mannschaft hat das im Training sehr gut angenommen und am Sonntag auf dem Feld auch gut umgesetzt.
Gab es trotz des gelungenen Auftakts einzelne Punkte, mit denen du nicht zufrieden warst?
Das Gesamtfazit fällt schon sehr positiv aus, gerade angesichts der Leistungssteigerung gegenüber den vorangegangenen Spielen. Selbstverständlich gibt es immer Punkte, die man verbessern kann. Beispielsweise gab es einige Situationen, in denen man den Ball hätte spielen können, anstatt ihn lang zu schlagen, außerdem wurde nach der 4-0-Führung das Defensivverhalten etwas nachlässiger. Das alles sind aber nur Nuancen – im großen und ganzen bin ich wirklich zufrieden.
Markenzeichen der durch dich trainierten Mannschaften war während der letzten Jahre ja eigentlich immer ein 4-4-2-System. Nachdem die Defensive der Oberligaelf sich zuletzt nicht immer ganz sattelfest präsentierte: Ist eine Systemumstellung für die letzten Spiele eine denkbare Option für dich?
Es ist richtig, seit dem Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga vor fünf Jahren haben wir durchgängig mit Viererkette gespielt, was unter dem Ausbildungsaspekt für den Profibereich auch sinnvoll ist. Jemand wie Marc Stein spielt in Rostock ja exakt die Position, wie er sie auch bei uns gelernt hat, und das sehr erfolgreich. Natürlich muss man in gewissen Spielsituationen auch mal variieren und die Kette auflösen, aber grundsätzlich war diese Formation die Basis. Ob wir in der Oberliga jetzt noch etwas ändern, das müssen die kommenden Spiele zeigen. In Spandau war ich mit dem Defensivverhalten sehr zufrieden – wenn wir gegen andere, offensivstärkere Gegner ähnlich stabil stehen, sehe ich in diesem Punkt nicht zwingend Handlungsbedarf.
Zudem ist es eben immer auch eine Personalfrage. Wir haben zwei Außenverteidiger, die sich gut nach vorne einschalten können und für die eine Umstellung auf 4-4-2 sicher kein Problem darstellen würde, aber die fürs Abwehrzentrum in Frage kommenden Wanski oder Scholl sind ja von Haus aus keine gelernten Innenverteidiger, so dass man erstmal schauen müsste, inwieweit das funktionieren würde. Gegen den BAK werden wir mit Sicherheit wieder Dreierkette spielen, danach haben wir zwei Wochen Zeit, im Training das eine oder andere auszuprobieren. Ganz oben auf der Agenda steht diese Frage aber nicht.
Zur Torwartposition: Nachdem sich Timo Hampf zuletzt die Stammposition zurückerkämpft hatte, stand in Spandau wieder Manu Greil zwischen den Pfosten. Bedeutet das einen erneuten Wechsel der Nummer eins?
In diesem Fall beruhte das in erster Linie darauf, dass Timo Hampf krankheitsbedingt unter der Woche nicht trainieren konnte. Welcher der beiden Keeper im weiteren Saisonverlauf den Vorzug erhält, ist noch nicht entschieden. Aber natürlich wollen wir uns, in enger Absprache mit unserem Torwarttrainer Alex Fritz, baldmöglichst festlegen.
Du bist jetzt seit etwa zwanzig Jahren nahezu ununterbrochen für TeBe tätig. Inwieweit
hat sich in dieser Zeit auch eine emotionale Bindung zum Verein entwickelt?
Natürlich identifziere ich mich mit dem Verein, für den ich solange gearbeitet habe. Auch wenn ich für einen anderen Club tätig wäre, würde ich mit Sicherheit immer wieder ins Mommsenstadion kommen und die Entwicklung des Vereins weiterverfolgen, keine Frage. Dazu kommt, dass ich die Oberliga ja schon deshalb immer mit großem Interesse verfolgt habe, weil man hier den weiteren Weg vieler ehemaliger Jugendspieler hautnah weiterverfolgen konnte.
Wo würdest du als langjähriger TeBe-Intimkenner denn die Stärken und Schwächen des Vereins verorten?
Ich denke schon, dass die seit vielen Jahren herausragende Jugendarbeit das ganz große Plus von TeBe ist. Die Zertifizierung als anerkanntes Nachwuchsleistungszentrum durch den DFB ist ein großer Erfolg für den Verein. Auch im Männerbereich wird sehr viel geleistet, auch wenn da strukturell vielleicht noch das eine oder andere zu verbessern ist. Wenn die Mannschaft den Aufstieg schafft, muss man sicherlich über die Dinge wie die Installation eines sportlichen Leiters nachdenken, der sich um die Verzahnung und Koordination zwischen den einzelnen Abteilungen oder den Aufbau eines Scoutingsystems kümmert, damit der Verein nachhaltig erfolgreich arbeiten kann.
Danke für das interessante Gespräch. Wir wünschen der Mannschaft und dem Trainerstab, dass der Schlussspurt gelingt und der Regionalliga-Traum Wirklichkeit wird. Weiterhin viel Erfolg!






