Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen
tebe.de im Gespräch mit Aufsichtsratsmitglied Sebastian Thiel
Als langjähriger und engagierter TeBe-Fan ist Sebastian Thiel wohl allen regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern des Mommsenstadions zumindest vom Sehen her – und vielen natürlich auch persönlich – bekannt. Angesichts der kritischen Lage unseres Vereins erklärte auch er sich im Vorfeld der Mitgliederversammlung vom 10. Juni bereit, nun auch Verantwortung zu übernehmen und Tennis Borussia mit seinen Kompetenzen zu helfen, indem er sich zur Aufsichtsratswahl zur Verfügung stellt.
Tatsächlich sprach ihm dort eine große Mehrheit der Mitglieder ihr Vertrauen aus, sodass er seitdem gemeinsam mit seinen Mitstreitern in diesem Gremium daran arbeitet, unseren Verein wieder in ruhiges Fahrwasser zu manövrieren. Wir trafen uns mit Sebastian Thiel in der Geschäftsstelle.
Hallo Sebastian, bitte stell dich doch zunächst einmal kurz selbst vor.
Ich bin 29 Jahre alt und von Beruf Rechtsanwalt. Ich bin seit 1994 TeBe-Fan, habe also sämtliche Höhen und Tiefen der letzten Jahre mitgemacht.
Ihr seid jetzt seit sechs Wochen im Amt, wie sah eure Arbeit bisher aus?
Wichtig war es, den Spielbetrieb für die kommende Saison zu sichern. Dazu zählte einerseits die rechtzeitige Eröffnung des Insolvenzverfahrens bis zum 30. Juni, andererseits die wirtschaftliche Absicherung der Saison. Die rechtzeitige Eröffnung des Insolvenzverfahrens konnte dank der guten Arbeit des Insolvenzverwalters erreicht werden, an der wirtschaftlichen Absicherung arbeiten wir derzeit noch. Ein wichtiger Schritt hierzu war die Gründung des Fördervereins. Es finden parallel auch laufend Gespräche mit potenziellen Sponsoren statt, wobei seitens der Sponsoren besonders die jüngere Vergangenheit kritisch betrachtet wird. Außerdem wirft natürlich das laufende Insolvenzverfahren viele Fragen auf. Wir müssen also viel Überzeugungsarbeit leisten, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Besonderen Dank schulden wir Teddy Yildiz, der sich bereit erklärt hat, Sichtungstrainings für die Oberliga-Mannschaft durchzuführen. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den wirtschaftlichen Rahmen dafür zu schaffen, dass die Spieler nicht nur gesichtet, sondern auch verpflichtet werden können.
Mit Andreas Voigt, der ja kein unbekannter im Verein ist, habt ihr letzte Woche dann auch einen Vorstandsvorsitzenden berufen. Wie kam es zu der Wahl – und warum hat es so lange gedauert?
Zunächst einmal möchte ich Andreas Voigt danken, dass er sich bereit erklärt hat, in dieser schwierigen Situation, in der wir uns befinden, Verantwortung zu übernehmen. Es ist absolut verständlich, dass sich Andreas bei unserer Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden nicht gerade in den Vordergrund gedrängelt hat – zumal das auch nicht seinem Naturell entspricht. Deshalb hat es leider ein bisschen gedauert, zumal wir selber erst einmal die Lage des Vereins erfassen mussten.
Warum ist aus eurer Sicht Andreas Voigt genau der richtige für die kommenden Aufgaben?
Andreas ist ein echter Borusse, der in der Vergangenheit bereits großes Engagement im Verein gezeigt hat, wie zum Beispiel im Bereich Sicherheit und Merchandising. Hierdurch hat Andreas über die Jahre wichtige Kontakte aufbauen können, die uns nun sehr nützlich sein können. Denn gerade die Kontaktpflege, beispielsweise mit dem Bezirksamt und den Sponsoren, ist etwas, was in den letzten Jahren bei TeBe vielfach zu kurz gekommen ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Andreas mit seiner Art und seiner Erfahrung hier viel für TeBe bewegen und Kontakte wieder intensivieren kann, die in den letzten Jahren etwas eingeschlafen sind.
Wie ist die Bürgenaktion gelaufen?
Die Bürgenaktion hat ein sehr gutes Feedback gehabt und wir sind allen Interessenten dankbar für Ihre Bereitschaft, ihren Beitrag zur Zukunft von TeBe zu leisten. Allerdings hat es sich bedauerlicherweise als wesentlich schwieriger erwiesen, die Bürgschaftsabsichtserklärungen auch in tatsächliche Liquidität umzuwandeln. Wir mussten feststellen, dass bei den Banken eine starke Zurückhaltung bei der Akzeptanz von Kleinbürgschaften vorherrscht. Da wir aber kurzfristig Liquidität für den Saisonstart benötigen, möchten wir alle Bürgschaftsinteressenten bitten, darüber nachzudenken, ob sie einen Teil ihrer Bürgschaft sofort in eine bezahlte Wirtschaftsclubmitgliedschaft umzuwandeln.
Egal, ob Bürge oder „normales“ Mitglied: Was für Vorteile hat eine Mitgliedschaft im Wirtschaftsclub?
Jedes Mitglied erhält zwei Dauerkarten für die nächste Saison und kann an den regelmäßigen Treffen des Wirtschaftsclubs teilnehmen. Darüber hinaus erhält jedes Mitglied regelmäßig den Wirtschaftsclub-Newsletter und nimmt an der traditionellen Werbebandenverlosung teil. Geplant ist zudem eine Art Branchenbuch für den Wirtschaftsclub, über das sich viele Kontakte zu TeBe-affinen Firmen und Organisationen knüpfen lassen.
Zum Schluss, was erwartest du von der kommenden Saison?
Es wird ein schweres Jahr, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Aber ich bin mir sicher: Wenn wir alle an einem Strang ziehen, Mannschaft, Verein, Fans und Umfeld, werden wir die Saison mit einem zufriedenstellenden Ergebnis beenden.
Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.






