"Ich wollte überhaupt nicht weg"
Felix Krüger im Gespräch mit Manuel Zemlin
Als einer der ersten Spieler für den Berlin-Liga-Kader 2011/12 stand Manuel Zemlin fest. Der 26-jährige Mittelfeldspieler kam in der Winterpause von Brandenburg Süd und schaffte es schon mit seinem ersten Testspielautritt für Tennis Borussia, zum Publikumsliebling zu avancieren. Im Interview für TeBe.de verrät Manuel, dass es auch noch andere Gründe für ihn gibt, ein Veilchen zu bleiben und was er tut, wenn er mal ausspannen will.
Hallo Manuel. Zunächst mal: Toll, dass du uns die Treue hältst. Dass du als einer der Ersten für die neue Saison unterschrieben hast, wird viele Fans ganz besonders freuen. Was hat dich dazu bewogen, zu bleiben? Aufgrund deiner Leistungen bei uns und mit deiner Regionalliga-Erfahrung im Lebenslauf wäre es für dich doch sicher möglich gewesen, auch wieder höherklassig zu spielen …
Das kann sein, aber ich wollte überhaupt nicht weg. Für mich stand ziemlich schnell fest, dass ich bei TeBe bleibe, wenn man mich hier auch weiter haben will. Das Umfeld ist super, ich habe mich von Anfang an hier sehr wohl gefühlt und den Wechsel zur Winterpause nie bereut. Solche Bedingungen findet man in der Oberliga woanders nicht – und in der Berlin-Liga sicher erst recht nicht. Und dann bin ich ja total super aufgenommen worden von den Fans. Obwohl mich eigentlich keiner vorher kannte, haben die ja schon im zweiten Testspiel angefangen, meinen Namen zu rufen. Überhaupt: Das macht schon Spaß, hier vor den Fans zu spielen, die richtig Stimmung machen und vor allem auch dann zu einem halten, wenn es nicht gut läuft – und das war ja in dieser Saison wirklich der Fall. Außerdem hab ich auch das Gefühl, etwas gutzumachen zu haben. Der Verein ist mit mir abgestiegen, jetzt möchte ich jetzt helfen, diese Scharte auszuwetzen und mit TeBe auch wieder aufsteigen. Das war auch so ein Gänsehaut-Moment, als da nach dem verlorenen Relegationsspiel etliche Fans am Zaun standen und einen nicht etwa beschimpft und beworfen haben, wie ich es woanders auch schon erlebt habe, sondern die einen abklatschen und mit Tränen in den Augen sagen „Manuel, du musst bleiben“ – das ist mir schon richtig nahe gegangen. So was vergisst man nicht. Aber wie gesagt: zu dem Zeitpunkt war ich mir eigentlich schon lange darüber klar, dass ich bleiben will.
Wie kam bei deinem Wechsel zu uns im Winter denn überhaupt der Kontakt zustande?
Über Rocco Teichmann vom BAK, den ich schon länger kenne. Rocco wiederum ist aus Ludwigsfelde und kennt daher natürlich Frank Lange. Insofern lief das alles sehr unkompliziert. In Brandenburg hatte man uns ja zur Winterpause mitgeteilt, dass man den Aufstieg nicht realisieren kann und uns quasi freigestellt. Letztendlich war es kein besonders glückliches halbes Jahr für mich in Brandenburg. Zum einen war es anstrengend, das mit meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten unter einen Hut zu bringen: Früh zur Ausbildung, nachmittags zum Training nach Brandenburg – da war ich dann meistens erst gegen elf Uhr abends zu Hause. Zum anderen dann meine Verletzung, als ich mir im ersten Training nach dem ersten Spiel, also dem Hinspiel hier bei TeBe, das Syndesmoseband gerissen habe und zwölf Wochen ausgefallen bin.
Ich hatte auch den Eindruck, dass du in dem halben Jahr bei uns deutlich schlanker geworden bist. Stimmt das? Und hat das vielleicht auch mit der Verletzung zu tun?
Ja, das stimmt. Ich habe ungefähr sechs Kilo mehr gewogen, als ich kam. Das Gewicht hatte ich allerdings schon länger mit mir rumgeschleppt. Ich kam schon mit ein paar Kilo zu viel in Brandenburg an. Da ich dort auch erst relativ spät dazugestoßen bin, hatte ich das bis zum Saisonbeginn noch nicht wieder runter – und dann kam eben die Verletzung. Wenn du zwölf Wochen nur auf Krücken unterwegs bist oder rumsitzt, wirst du natürlich auch kein Gewicht los. Aber als ich dann hierher kam, ging es ganz fix. Wenn man täglich trainiert, ist Abnehmen kein Problem: Du musst nur auf deine Ernährung achten, dann purzeln die Pfunde wie von alleine.
Was tust du, um dich in der Sommerpause fit zu halten? Habt ihr da feste Vorgaben vom Trainer mitbekommen?
Nein, feste Pläne wie im Profibereich gibt es bei uns nicht. Da muss sich jeder selbst drum kümmern. Den Rest macht dann der Trainer in der Vorbereitung. Der wird uns schon auf den Punkt fit bekommen, da bin ich sicher. Ich laufe zum Beispiel total gerne am Strand …
… am Strand? Machst du Ostseeurlaub?
Nein, es gibt doch auch in Berlin genug Strände. Da kann man sich auch mit ein paar Kumpels treffen. Am besten ist es, wenn man dann noch einen Ball dabei hat. Dann kann man sich fit halten und noch Spaß dabei haben. Nur durch den Wald zu joggen, ist doch doch langweilig.
Na ja, ich jogge eigentlich ganz gerne durch den Wald und finde das wunderbar beruhigend. Aber du machst dann sicher irgendetwas anders, wenn du entspannen willst …
Ja. Ich gehe angeln. Das ist meine Art der Entspannung. Ich habe ja große Teile meiner Jugend in Cottbus verbracht, wo ich an der Sportschule war und habe daher dort noch einen Freundeskreis. Da hat man ja die Spree und den Spreewald vor der Tür, wo es jede Menge geeigneter Plätze gibt. Lustigerweise mache ich mir nicht allzu viel aus Fisch – nur Aal esse ich gerne. Daher angle ich natürlich auch nur Aal. Dann mit ein paar Kumpels am Wasser zu sitzen, das ist für mich Entspannung. Schön ist auch, wenn wir uns im Oktober oder November treffen, den Räucherofen anschmeißen den Aal, den wir den Sommer über gefangen und dann eingefroren haben, räuchern.
Du stehst ja auf Rock der härteren Sorte und hast damit einen Musikgeschmack, mit dem du bei uns im Fanblock nicht alleine wärst. Die meisten Spieler haben es aber eher mit Black Music, also HipHop und R’n’B. Ist das nicht manchmal schwierig, wenn im Bus oder der Kabine Musik angeworfen wird?
Nein, denn das ist bei uns eigentlich nicht üblich, dass da vorm Spiel der CD-Player läuft. Insofern gibt es das Problem nicht. Außerdem bin ich da tolerant. Wenn man mal in einen Club geht, läuft da ja auch meist Black Music. Ich kann mir das schon anhören. Aber zu Hause oder wenn ich alleine im Auto sitze und nach Cottbus fahre, kommt dann schon was anderes in den CD-Player.
Was sind deine Ziele mit TeBe?
Ganz klar: Ich will unbedingt wieder aufsteigen. Ein anderes Ziel kann man meiner Meinung nicht haben, wenn man mit diesem Verein in der Verbandsliga spielt. Ich bin hier abgestiegen, jetzt will ich so schnell wie möglich wieder rauf. Ich hoffe, dass die Fans uns auch in der Berlin-Liga die Treue halten und uns 36 Heimspiele bescheren. Das kann ein großer Vorteil für uns sein.
Dann wünsche ich dir und uns, dass das so eintreten möge und bedanke mich für das Gespräch.






