Ticketteilen

"Es geht darum zu zeigen, was man selber und sofort machen kann"

Seit Anfang des Jahres macht die Initiative „Ticketteilen“ auf sich aufmerksam. Mithilfe von Buttons können Fahrkarteninhaber_innen auf die kostenlose Mitfahrgelegenheit auf ihrer Fahrkarte in U- und S-Bahn aufmerksam machen. Beim Spiel gegen Hürtürkel war die Initiative im Mommsenstadion präsent. Wir haben mit Judith von „Ticketteilen“ über die Idee und die Ziele der Initiative gesprochen.

Nachdem ihr letzte Woche bei uns im Mommsenstadion zu Besuch wart, wollen wir eure Initiative nochmal näher vorstellen. Hinter „Ticketteilen“ stehen die NaturFreunde Berlin e.V. Stell euren Verein doch bitte mal vor.

Die NaturFreunde Berlin e.V. sind ein anerkannter Umwelt- und Freizeitverband. Es gibt viele aktive Ortsgruppen im sportlichen Bereich, aber auch Naturschutz und Umweltpolitik haben ihren Platz. Die NaturFreunde arbeiten darüber hinaus in vielen Bündnissen mit, sei es im Bereich Antirassismus, Klimaschutz oder Flüchtlingspolitik.

Kannst du bitte die Initiative „Ticketteilen“ vorstellen?

Kurz gesagt geht es darum, politische Forderungen wie „Mobilität für alle“ mit einer konkreten Handlungsoption zu verbinden. Nicht nur für die Position zu werben, sondern zu zeigen was man selber und sofort machen kann. Mit der Aufforderung zur offensiven Nutzung der Mitnahmemöglichkeiten auf der Umweltkarte machen wir zugleich darauf aufmerksam, wie viele Menschen inzwischen kein Geld für Tickets haben und so aufgrund mangelnder Mobilität vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind. Die riesige positive Resonanz zeigt, dass sich auch viele Berliner_innen dieser Situation bewusst sind und deshalb ihre Solidarität anbieten.

Wie kann man mitmachen?

Jede_r kann mitmachen, die einen können für die Aktion werben, die anderen den Button tragen. Wichtig ist auch, die Möglichkeit denen nahe zu bringen, die drauf angewiesen sind. Material kann man über die Homepage www.ticketteilen.org bestellen oder sich dort eine Abholstation aussuchen. Wir freuen uns aber auch über Menschen, die uns bei Aktionen etc. unterstützen möchten. Einfach eine Mail an info@naturfreunde-berlin.de schreiben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Gibt es Beispiele aus anderen Städten?

Hauptsächlich haben uns Erlebnisse bei den Kontrollen und die Diskussionen mit den Kontrolleuren drauf gebracht, zu überlegen, ob es nicht einen Weg gibt, den Demütigungen und der Kriminalisierung von Armut durch diese Kontrollen etwas entgegen zu setzen. In NRW wurde mal eine ähnliche Kampagne gestartet, die war aber nicht erfolgreich. Im Moment haben wir zahlreiche Anfragen, ob das Konzept nicht auch auf andere Städte übertragbar wäre, zum Beispiel aus Bremen und Magdeburg. Je nach Beförderungsbedingungen ist das auch machbar. Am 15.03.2014 werden wir uns in Magdeburg damit beschäftigen.

Es gibt aber auch Städte, die schon einen großen Schritt weiter sind und Konzepte für einen kostenfreien Nahverkehr umgesetzt haben, wie beispielsweise Hasselt in Belgien oder die estnische Hauptstadt Tallin. Auch im brandenburgischen Templin wurde 2002 der kostenlose Nahverkehr eingeführt und u.a. über Emmissionsabgaben und Parkplatzgebühren finanziert.

Warum kann die Initiative in Berlin funktionieren? Könnte die BVG sie unterbinden?

Bis jetzt hat sich weder die BVG noch die S-Bahn negativ zur Kampagne geäußert. Es wäre auch ein Armutszeugnis für die BVG, würde sie wegen „Ticketteilen“ die Beförderungsrichtlinien ändern… Wir rechnen nicht damit. Was die Kontrollen angeht, so ist ganz deutlich zu sagen, dass die Option zur Mitnahme weder zur Bedingung hat sich vorher zu verabreden, noch dass man Namen und Lebenslauf des oder der Mitfahrer_in kennt!

Habt ihr schon Pläne für die Zukunft? Wie kann man euch weiter unterstützen?

Wir wollen weitermachen, in die Öffentlichkeit gehen, für die Kampagne und das Mitmachen werben, Veranstaltungen durchführen und mit anderen Organisationen in Berlin und darüber hinaus für politische (Mindest-)Forderungen streiten. Zum Beispiel für die Angleichung des Sozialticketpreises an den Mobilitätssatz von Hartz IV oder für eine Mobilitätsabgabe von Unternehmen zur Gegenfinanzierung des Nahverkehrs. Preis runter statt rauf, und langfristig auch für einen kostenlosen Nahverkehr für Berlin.

Wer aktiv mitmachen will, kann sich einfach bei uns melden. Wir freuen uns natürlich auch über jede kleine Spende zur Finanzierung der Kampagne, das Spendenkonto ist auf der Homepage zu finden. Die nächsten Verteilaktionen finden am 1. und 8. März 2014 statt.

Vielen Dank für das Interview!

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