Nie wieder: Das NS-Lager am Mommsenstadion

Ein Weg, sich der Geschichte des Fußballs im Nationalsozialismus anzunähern, ist, die Vergangenheit der Stadien und ihrer Umgebung zu betrachten. Anlässlich des heutigen Erinnerungstages im deutschen Fußball und des Internationalen Holocaust-Gedenktages möchte Tennis Borussia daher auf das Lager der Organisation Todt aufmerksam machen, das sich zwischen 1942 und 1945 in unmittelbarer Nähe des Mommsenstadions befand. Eigentlich hatten wir vorgesehen, am Gedenktag einen Rundgang über das ehemalige Lagergelände anzubieten, doch aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage muss dies verschoben werden.

Die Organisation Todt war eine militärisch organisierte Einheit, deren Funktion sich ständig wandelte und die vor allem mit kriegsbezogenen Bauaufgaben in den besetzten Gebieten beauftragt war. So war die Organisation am Bau von Verteidigungsanlagen wie dem „Atlantikwall“ beteiligt, aber auch an der Errichtung von Verkehrswegen und Fernmeldenetzten sowie dem Aufbau einer wirtschaftlichen Infrastruktur in den von Deutschland besetzten Gebieten.

Zunehmend Zwangsarbeit

Die Organisation Todt (OT) beschäftigte zunächst sowohl freiwillig Arbeitende und Angehörige des Reichsarbeitsdienstes, zunehmend verpflichtete sie jedoch verschiedene Gruppen von Zwangsarbeiter*innen. So mussten für die OT Menschen arbeiten, die im Deutschen Reich aufgrund ihrer Abstammung, ihrer politischen Orientierung oder ihrer vermeintlichen Homosexualität als „wehrunfähig“ eingestuft worden waren. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurden zunehmend zivile Zwangsarbeiter*innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus verschiedenen Ländern Europas zu den oft körperlich anstrengenden Arbeiten eingesetzt. Insgesamt waren mehr als 1,3 Millionen Menschen für die Organisation Todt beschäftigt, ein großer Teil von ihnen war zur Arbeit gezwungen – auch im Lager Eichkamp.

Das Hauptlager der Organisation Todt im Eichkamp befand sich auf insgesamt 135.000 Quadratmetern, einer Fläche von knapp 20 Fußballfeldern. Es lag zwischen Harbigstraße, der Verlängerung der Alten Allee, der Teufelschausse und der Waldschulallee und umfasste somit beispielsweise das Gelände der heutigen Julius-Hirsch-Sportanlage und der Kleingartenanlage, wo vereinzelte Barackenfundamente noch zu erkennen sind. Es bestand aus einem Unterkunft- und einem Straflager mit jeweils zahlreichen Baracken.

Straflager direkt gegenüber

Das Straflager befand sich direkt gegenüber dem Mommsenstadion in der Waldschulallee 19, auf dem Gelälnde der heutigen Ernst-Adolf-Eschke-Schule für Gehörlose. Darüber hinaus befanden sich nur unweit des Mommsenstadions weitere Lager der Organisation mit unterschiedlichen Funktionen. Nachweislich waren im Eichkamp Zwangsarbeitende aus Deutschland, den Niederlanden, Italien, der Sowjetuntion, Polen, Bulgarien, Lettland, der Ukraine und Frankreich inhaftiert. Wie viele der Gefangenen des OT-Lagers im Eichkamp ermordet worden sind, ist unbekannt. Einige Tote wurden auf dem heute nicht mehr existieren Friedhof Eichkamp beerdigt.

Seit Dezember 2020 erinnert eine Gedenktafel der Stolpersteininitiative im Eichkamp an die Geschichte des Zwangslagers, die vielen heute unbekannt sein dürfte. Sie zeigt nicht zuletzt, wie selbstverständlich die Existenz von Lagern und die Zwangsarbeit von Millionen Menschen im nationalsozialistischen Deutschland für die lokale Bevölkerung war.

Für weitere Informationen verweisen wir auf die Homepage der Stolperstein-Initiatve im Eichkamp, die uns freundlicherweise ihre Fotos zur Verfügung gestellt hat. Für weitere Informationen zur Zwangsarbeit in Berlin verweisen wir auf das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, das für den Raum Berlin eine ausführliche Lagerdatenbank betreibt.

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